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Kugeln müssen mitgebracht werden

Bei den Boule-Spielern am Karlsruher Schloss kann jeder mitmachen

Vor dem Karlsruher Schloss treffen sich regelmäßig Menschen zum Boule-Spielen. Der Boden eignet sich perfekt für das beliebte Kugelspiel mit dem französischen Flair.

Kaum besser könnte der Schauplatz fürs Boule sein: das Schloss im Hintergrund, Bäume, die Schatten spenden, und fast perfekter Untergrund zum Spielen. Foto: Klaus Müller

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

Da ließe sich gleich zu Anfang von klackenden Kugelgeräuschen schreiben, von schattenspendenden Bäumen unter denen sich die Spieler und Spielerinnen eingefunden haben, von französischer Lebensart mit Rotwein und Baguette.

Und von allem, was üblicherweise mit Boule assoziiert wird; dem Spiel der massiven Kugeln, die möglichst nahe an die Zielkugel, dem „Schweinchen“ (die „Sau“) gelegt werden sollen. Geschenkt. So oder so ähnlich, in solchen Bildern, wurde schon oft übers Boule geschrieben. Das mag alles zutreffen – auch bezogen auf die Boule-Spieler und -Spielerinnen, die sich vorm Karlsruher Schloss regelmäßig treffen, um unzählige Kugeln zu legen oder andere wegzuschießen.

Was aber wirklich hier vorm Schloss – und ja, im Schatten der Bäume – passiert, lässt sich schlichtweg mit dem Begriff „herrlich unkompliziert“ beschreiben.

Wird die Kugel dort landen, wo sie hin soll? Da hilft nur eins: die Boulekugel fest im Blick zu halten. Foto: Klaus Müller

„Jeder kann kommen, jeder kann mitspielen“, betont Peter Höfele-Krupka, Vorsitzender des 1. Boule-Club Karlsruhe. Nein, Mitglied im Verein müsse niemand sein. Allein einen Satz Kugeln braucht man zum Mitspielen. Alles andere ergibt sich von selbst. Den Takt solch eines sommerlichen Boule-Abends geben die Kugeln vor.

Bodenbelag mit grober Körnung

Und die kleinen Staubpartikel, die aufgewirbelt werden, wenn eine Kugel den Weg von der Hand des Spielers durch die Luft wieder auf den Boden findet. Hier passt alles, ist immer wieder zu hören: der Belag des Schlossgartenbodens mit seiner groben Körnung, die Bäume, das Umfeld, wie überhaupt die gesamte Atmosphäre, nicht zuletzt getragen von der sehenswerten Schlosskulisse.

Berührungsängste, auch das fällt schnell auf, kennen Boulespieler nicht. Und erst recht keine Grenzen. Hier zum Beispiel ist Yusuf, der Mann für Getränke. Nein, Rotwein hat er nicht in seinem ausladenden Rucksack. Sondern Bier. Für einen guten Zweck. Der Zahlungsüberschuss aus Yusufs mobilen Getränkespender fließt seit Jahr und Tag in soziale Zwecke.

Mitspieler aus halb Europa

Oder hier schwingt gerade Türke Hayri Akbulut seine Kugeln. Irgendwann sei er zu der Gruppe – „zu sehr netten Menschen“ – gekommen und habe einfach mitgespielt. Manchmal ist halb Europa vertreten. Aus Italien kommt Monica Spano. Nicht nur die Südländerin schätzt so manches „Tête à tête“ vorm Schloss, nix anderes als das Spiel Eins gegen Eins.

Nebenbei: Frauen sind an diesem Abend eher die Ausnahmen. Ob Boule ein Männerspiel ist? Vielleicht von der Historie her – von Bildern, die Boule spielende, ältere Männer mit Barett und dem obligatorischen Rotweinglas in der Hand zeigen. Edelgard Ströhl sind solche Überlegungen egal. Auch sie kam irgendwann hier vorbei. Die muntere Stimmung, dass alles so unkompliziert und offen sei, habe es ihr angetan. Wen kümmert da schon das Geschlecht oder die Herkunft?

Im Zweifelsfall muss das Maßband her, um nachzumessen, welche Kugel der „Sau“, dem „Schweinchen“ am nächsten liegt. Foto: Klaus Müller

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Bei aller Leichtigkeit ist Boule ein Sport. Kann man Sport tatsächlich sagen? Egal! Es kommt dabei auf Geschick, Taktik, Konzentration und Augenmaß im Millimeterbereich an. Das alles lasse sich üben, meint Markus Spang.

Seit 2003 sei er dem kontaktlosen Sport, der dann doch zu so vielen Kontakten führe, verbunden. Wer Boule spielt, eine weitere „boulesche“ Grunderfahrung, lässt den Alltag mit all seinen manchmal nervigen Gedanken hinter sich. Gleichwohl wird eifrig vor, während und nach dem Spiel kommuniziert. Über was? Was einem eben so in den Sinn kommt.

Fast jeden Tag treffen sich die Spieler am Schloss

Gespielt wird fast jeden Tag, zu fast jeder Jahreszeit. Nachmittags so ab 16 Uhr, erzählt Höfele-Krupka, gehe es los. Jetzt im Sommer ist die vordere Westseite des Schlossplatzes der bevorzugte Spielort. Die lauschigen schattigen Plätze dort bieten genügend Spielflächen, sodass mehrere Gruppen gleichzeitig ihren Kugeln viel Bewegung im freien Zielfall ermöglichen können.

Wie gesagt: Kommen und Mitmachen kann jeder. Und spätestens bei und nach der ersten Kugel, wird schnell deutlich, wie herrlich unkompliziert hier alles ist. Falls es dann doch einmal im Eifer des Gefechtes nicht ganz klar ist, welche Kugeln dem Schweinchen nun am nächsten liegen, sorgt das Maßband für Klarheit.

Später am Abend, Yusufs Getränkerucksack ist inzwischen fast leer, klackt es noch immer vorm Schloss – spielen noch immer Gruppen, woher auch immer, das Spiel, von dem mal gesagt wurde, dass es dich so will, wie du bist.

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