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Auflösung von Rätselfolge 14

„Erkennen Sie Karlsruhe?“: Wohlige Erinnerungen an Kinoflair und neue Möbel

Der Rondellplatz und eine besonders markante Fassade dort rufen viele Geschichten ins Gedächtnis zurück. Was die Karlsruherinnen und Karlsruher über die repräsentative Schauseite zu sagen haben.

03.08.2023 Rondellplatz mit Eingang zum Ettlinger Tor Center
Als Eingang zum ECE-Center fungiert heute die Neo-Renaissance-Fassade an der südwestlichen Seite des Rondellplatzes. Hinter den Kulissen ist beim Bau des Shopping-Quartiers kein Stein auf dem anderen geblieben. Foto: Rake Hora /BNN

Zwar sind auf dem Schlesiger-Foto von 1963 weder Verfassungssäule noch Markgräfliches Palais zu sehen. Aber in den Köpfen ganz vieler BNN-Rätselfreunde ergänzt sich das Bild von selbst um den gesamten Rondellplatz.

Die markante Örtlichkeit zwischen Marktplatz und Ettlinger-Tor-Platz ist ja für Karlsruhe so etwas wie der Stachus für München. Das Großartige: Dutzende Leserinnen und Leser erzählen ganz eigene und völlig unterschiedliche Anekdoten zum Rätselbild.

Kein Wunder, denn die Neo-Renaissance-Fassade, die heute Bestandteil des ECE-Centers ist, öffnet viele Türen in die Vergangenheit. Da ist das einstige Lichtspielhaus, da ist Möbel Ehrfeld, da gab es früher das Fotogeschäft Rausch & Pester oder auch Schuh Gräber und den Friseur Heberdinger.

Die Ecke ist die frühere Heimat von Brigitte Lerner. Von 1945 an wohnte sie mit ihrer Mutter zwei Stockwerke über dem Schuhhaus Gräber. „Gebadet wurde einmal pro Woche im nahen Vierordtbad“, berichtet sie.

Auch das „Fernsehen“ war in der Nachkriegszeit unkonventionell: „Meine Mutter und ich schauten aus dem Fenster, mit zwei Kissen unter den Armen, und betrachteten den Strom der Leute, die in die Rondell-Lichtspiele gingen.“

Rondell-Kino 1963
Einen hohen Wiedererkennungswert hatte bereits in der Nachkriegszeit diese charakteristische Fassade im Herzen der Karlsruher City. Viele Leserinnen und Leser haben Erinnerungen daran. Foto: Horst Schlesiger

Englisch-Nachhilfe im Lichtspieltheater

Gerhard Lustig aus Grünwinkel ging sehr oft in den Filmpalast. Denn er war dort 1946 und 1947 Hilfsfilmvorführer. Weil sich damals immer zwei Kinos die Filmrollen teilen mussten, war er oft als Bote unterwegs.

Aber er hatte auch das Privileg, viele Filme selbst mitverfolgen zu können. Die englischsprachigen wurden unsynchronisiert gezeigt. „Das führte dazu, dass ich das in der Schule gelernte Englisch verbessern konnte“, erinnert er sich.

Auch ins Gedächtnis von Gertrud Haaf hat sich das Kino eingegraben. Besonders die plüschigen, weinroten Samtcordsitze.

Traudl Eid war auch im Kino. Doch statt der erhofften Micky Maus lief der Naturfilm „Zauberwelt der Dolomiten“. Für sie als Sechs- oder Siebenjährige war das „schrecklich langweilig“.

In den 60er-Jahren dann jobbte Traudl Eid in den Schulferien beim Schuhhaus Gräber nebenan. Sie erinnert sich an einen Studenten, der das Gleiche tat wie sie: Harald Hurst. Der spätere Literat war ihrer Erinnerung nach ein begnadeter Verkäufer. Diverse Ladenhüter-Schuhe habe er an die Frau gebracht.

Erinnerungen an Ehrfeld in Karlsruhe

Das Schuhhaus war links der heute integrierten Fassade, Möbel Ehrfeld war der Eckbau rechts davon. „Dort arbeitete mein schon lange verstorbener Vater 22 Jahre lang“, erzählt Peter Zwirner.

1963, als Horst Schlesiger auf den Auslöser seiner Kamera drückte, war Peter Zwirner drei Jahre alt. Wenn er zusammen mit seiner Mutter den Vater bei der Arbeit besuchte, konnte er das Möbelhaus durchstreifen.

Beeindruckend sei das alles gewesen. Der spätere Gymnasiallehrer erinnert sich auch an persönliche Kontakte zur Inhaber-Familie Ehrfeld.

Solche hat auch Daniel Bauer: „Mit dem jüngeren Sohn war ich selbst im Max-Planck-Gymnasium in einer Klasse.“ Auch Joachim Wilmshorst hat eine Beziehung zu den Ehrfelds. Seine Urgroßmutter hieß Anna Ehrfeld, und den Nachkommen ihres Bruders gehörte das Möbelhaus. Die Mutter von Joachim Wilmshorst absolvierte im Haushalt der Ehrfelds ein hauswirtschaftliches Praktikum.

Schlafzimmer jahrelang abgestottert

Claus Millot kaufte mit 22 Jahren bei Möbel Ehrfeld sein erstes Schlafzimmer. Drei Jahre lang stotterte er es ab. Sein Vater hatte schon lange zuvor im Rondell-Kino Stummfilme am Klavier begleitet.

Eine unerfreuliche Episode ist ihm in vitaler Erinnerung geblieben. Als 16-Jähriger knatterte Claus Millot mit seinem ganzen Stolz, einem gebrauchten Moped, zum Kino. Dort stand der Film „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“ auf dem Programm. Der allerdings war nicht jugendfrei, weshalb der Jugendliche des Kinos verwiesen wurde. An die Luft gesetzt, ereilte ihn „das Schlimmste“: Sein geliebtes Moped war geklaut.

Nicht bloß schmerzliche, auch schmerzhafte Erinnerungen an Rondellplatz und ein Zweirad hat Renate Keller. Ihr damaliger Freund und sie als Sozia stürzten auf den damaligen dortigen Straßenbahnschienen. Es gab blaue Flecken und Schürfwunden.

„Seitdem bin ich nie wieder auf einem Motorrad gesessen“, berichtet Renate Keller. „Ich hatte für immer Panik.“ Ihre Mail an die Redaktion schließt sie mit einem vierblättrigen Kleeblatt.

Kunst-Frühstück

Für Ingeborg Stadler steht die gezeigte Fassade für Bildende Kunst. Denn im Haus links waren Wohnung und Galerie von Klaus Gallwitz. An einem späten Samstagvormittag besichtigte sie die dortigen zeitgenössischen Arbeiten. Der berühmte Kunstwissenschaftler saß mit seiner Partnerin gerade beim Frühstück, „und ich konnte genüsslich in ihren Räumen die Bilder anschauen.“

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