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Signal für Respekt

Jüdisches Sukkot-Fest: Im Herzen von Karlsruhe steht eine Laubhütte

Im Herzen von Karlsruhe steht ein Zelt. Es ist keine Corona-Teststation, sondern eine jüdische Laubhütte. Diese ist Teil des Sukkot-Fests – und ein Signal gegen Angst und für Respekt.

Vor den Feiertagen: Am Montagabend beginnt das jüdische Fest Sukkot. Rabbiner Mordechai Mendelson hat dafür bei St. Stephan eine öffentlich zugängliche Laubhütte gebaut. Foto: Jörg Donecker

Immer wieder bleiben Passanten stehen: Am Durchgang zwischen dem Ständehaus und der Kirche St. Stephan steht ein Zelt mit Bambusdach, in dem keine Corona-Tests angeboten werden. „Chabad Baden wünscht allen Karlsruhern ein fröhliches Sukkot-Fest“ steht auf einem grünen Banner zu lesen.

Das Zelt ist eine Laubhütte, Sukka genannt. „Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen“, heißt es im dritten Buch Moses. Erinnert wird an den Auszug aus Ägypten, als die Israeliten in provisorischen Behausungen wohnten. Heute nehmen gläubige Juden sieben Tage lang in der Laubhütte ihre Mahlzeiten ein.

„Los geht es am Montagabend“, erklärt Rabbiner Mordechai Mendelson, der zur weltweit aktiven Gruppierung Chabad gehört und seine Synagoge in der Herrenstraße hat.

Laubhütte mitten in Karlsruhe als Signal

Mit der Laubhütte will er Karlsruher Juden ein Angebot machen. „Nicht jeder kann zu Hause selbst eine Laubhütte bauen.“ Doch er sieht die für jeden rund um die Uhr frei zugängliche Sukka auch als Signal. „Wir Juden fühlen uns wohl in der Stadt.“

Auch wenn es gerade jetzt am Feiertag Jom Kippur Berichte über den Anschlagsplan eines 16 Jahre alten Syrers auf die Synagoge in Hagen gab, habe er keine Furcht, sagt der Rabbiner. „Das Ziel dieser Menschen ist es, dass die jüdischen Bürger Angst haben und sich verstecken. Unsere Antwort ist, dass wir uns nicht verstecken.“ Wichtig sei ihm, dass Menschen nicht nur Respekt für ihre Religion erwarten, sondern auch die Religion anderer respektieren, egal aus welchem Land sie kommen.

Öffentlich zugängliche Laubhütten wie bei St. Stephan gibt es unter anderem am Opernplatz in Frankfurt und an mehreren Stellen in Berlin. In Karlsruhe erlebt Mendelson, dass viele Menschen sich die Hütte anschauen und Fragen stellen. „Wir informieren gerne“, versichert der Rabbiner.

Er erinnert sich noch an seine Kindheit in Israel, wo Lastwagen Dattelzweige aus Jericho herbeikarrten, die als Dach der Hütten für einige Schekel verkauft wurden. Heute setze man eher auf Materialien, die viele Jahre wiederverwendet werden können.

Ein Strauß für Segenssprüche als Teil des jüdischen Fests

In der Hütte findet sich ein Feststrauß, der für Segenssprüche gebraucht wird. Vier Bestandteile sind nötig: Die Zitrusfrucht Etrog, sowie je ein Palm-, Myrthen- und Weidenzweig. „Jedes für sich steht für einen menschlichen Charakter“, so Mendelson.

Da gibt es die, die die Thora studieren und gute Taten tun, jene, die nur einen Punkt erfüllen. Und die, die weder studieren noch Gutes tun. „Es müssen nicht alle gleich sein. Die Stärke eines Volkes ist, dass die Verschiedenen eine Einheit bilden.“ Den Rabbiner erinnert das an die Bundestagswahl, an der das Laubhüttenfest noch läuft. „Es gibt verschiedene Parteien mit verschiedenen Ideen, aber das Ziel aller sollte sein, Deutschland zu stärken.“

Das Laubhüttenfest endet am Montag, 27. September. Dann steht schon das nächste freudige Ereignis im jüdischen Kalender: Ende September feiern die Gemeinden Simchat Thora, das Freudenfest zu dem Moment, an dem nach einem Jahr die Thora komplett gelesen wurde. „Am gleichen Tag beginnt die Lesung aber auch wieder“, so Mendelson. Denn es gelte: „Wenn ein Projekt beendet ist, soll man ein neues beginnen.“

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