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Reallabor ohne Autos

Karlsruhe denkt über nächtliche Blitzer in der Karlstraße nach

In der nördlichen Karlstraße hat vor knapp zwei Wochen ein Verkehrsversuch begonnen. Autos sollen größtenteils draußen bleiben. So ganz klappt das bislang aber noch nicht.

Innenstadt Karlsruhe
Durch die nördliche Karlstraße führt seit knapp zwei Wochen nur noch eine verengte einspurige Fahrbahn. Doch die nutzen nicht wie gewünscht nur noch Anlieger. Foto: Jörg Donecker

Auf Parkplätzen stehen gelbe Sitzmöbel, vor dem Prinz-Max-Palais locken Bücher, Liegestühle und Sonnenschirme, und neben der provisorisch verengten Fahrbahn der Karlstraße ragen kleine Bäume aus großen Kübeln in die Luft.

Neben einem davon erklärt Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) am Freitagvormittag, wieso der vor knapp zwei Wochen gestartete Verkehrsversuch in der Karlstraße aus seiner Sicht gut und wichtig ist. Vor allem in einem Punkt besteht aber noch Handlungsbedarf.

Bis Ende Oktober ist der nördliche Karlstraßenabschnitt zwischen Amalien- und Stephanienstraße für die meisten Autofahrer gesperrt. Die Stadt möchte in einem sogenannten Reallabor ausprobieren, wie sich der freigewordene Raum neu verteilen lässt.

Doch auch wenn der Durchfahrtsverkehr weniger geworden ist, sind noch immer viele Autos unterwegs. Ab und an muss Mentrup seine Stimme erheben, um vorbeifahrende Lkw zu übertönen. Er spricht von „Schwierigkeiten“ der Autofahrer mit der neuen Verkehrsführung. Der ein oder andere nehme sie sicher bewusst nicht ernst.

Stadt will Durchgangsverkehr stärker kontrollieren

Ordnungs- und Tiefbauamt haben bereits nachgesteuert. An der Ecke Amalienstraße wurde die Straße verschwenkt, zusätzliche Schilder weisen auf die Kennzeichnung als Anliegerstraße hin.

Eine Barriere vergleichbar mit den Pollern im Passagehof oder dem Zirkel gibt es aber nicht. Ordnungsamtschef Maximilian Lipp mahnt zur Geduld. „Es gibt keinen Schalter, den wir einfach umlegen können“, sagt er.

Es gibt keinen Schalter, den wir einfach umlegen können.
Maximilian Lipp, Ordnungsamtschef

50 Euro kostet das unberechtigte Befahren laut Bußgeldkatalog. Kontrollen durch den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) sind allerdings keine Option. Den fließenden Verkehr darf nur die Polizei anhalten.

Mit der stehe man in Kontakt, so Lipp ohne konkreter zu werden. Außerdem prüfe seine Behörde, ob sie in einigen Nächten eine mobile Radarfalle in den auf 20 Kilometer pro Stunde begrenzten Abschnitt stellen kann – vor allem um gegen dort häufig gemeldete Autoposer vorzugehen.

Verkehrszählungen in der Karlstraße und der Umgebung

Dem Reallabor bescheinigt Rathauschef Mentrup dennoch viel Potenzial. Die aktuelle Aufteilung des öffentlichen Raumes entspreche schon lange nicht mehr dem veränderten Bedarf von Autos, Radfahrern und Fußgängern. Vor allem an der Querung der Fußgängerzone im Bereich des Europaplatzes komme es zu „unguten Situationen“ und es gebe viel Unsicherheit.

Die Stadt hofft, dass Anwohner, Händler und Wirte den frei gewordenen Raum intensiv nutzen. Erste Ideen dafür gibt es. Der Irish Pub Scruffys etwa hat mehrere Live-Konzerte angekündigt und seine provisorische Terrasse erweitert.

Dass aus dem Versuch ein Dauerzustand wird, sei aber nicht in Stein gemeißelt, entgegnet der OB Kritikern. Ähnlich wie beim gerade zu Ende gegangenen Reallabor im Passagehof wird auch das in der Karlstraße wissenschaftlich begleitet.

Bis Ende Oktober werden viele Meinungen gesammelt und Daten erhoben, beispielsweise durch Verkehrszählungen. „Wir messen auch, was woanders passiert“, kündigt Mentrup an. „Wenn es hier nur begeisterte Menschen gibt und drei Straßen weiter der Notstand ausbricht, hat das auch keinen Sinn.“

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