Skip to main content

Im Alter von 86 Jahren

Karlsruher Modehaus-Chefin Melitta Büchner-Schöpf ist tot: aufrecht und mutig bis zuletzt

Die Karlsruher Unternehmerin und Modehaus-Chefin Melitta Büchner-Schöpf ist tot. Messerscharfer Verstand, knallhartes Urteil, Herz für Notleidende: Die 86-Jährige war auf vielfältige Weise in der Stadt präsent.

Außergewöhnliche Persönlichkeit: Melitta Büchner-Schöpf brachte sich auf vielerlei Weise ins öffentliche Leben von Karlsruhe ein. Foto: Jörg Donecker

Melitta Büchner-Schöpf, Chefin des renommierten Modehauses Carl Schöpf am Karlsruher Marktplatz, ist am vergangenen Samstag im Alter von 86 Jahren verstorben.

Die Fächerstadt hat damit eine außergewöhnliche, weithin respektierte Unternehmerpersönlichkeit verloren, die sich auf vielerlei Weise ins öffentliche Leben einbrachte.

Ihr messerscharfer Verstand, knallhartes Urteil, Herz für Notleidende, Humor, Charme, Fantasie, Sinn für guten Stil, Pragmatismus, Verantwortungsbewusstsein, Kompromissfähigkeit und Zielstrebigkeit zeichneten sie aus und werden in etlichen Verbänden und Organisationen, vor allem natürlich in ihrem Unternehmen, vermisst werden.

Melitta Büchner-Schöpf war Tochter der ersten Karlsruher FDP-Stadträtin

Die Tochter der ersten Karlsruher FDP-Stadträtin Melitta Schöpf und von Carl Schöpf besuchte als erstes, lange einziges Mädchen das humanistische Bismarck-Gymnasium und lernte früh, immer ermutigt von der Mutter, sich zu emanzipieren. Nach dem Abitur 1953 studierte sie Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten in Tübingen, Bonn, Hamburg und Freiburg und promovierte 1962 zum Dr. jur. Auslandsstudien führten sie 1958 bis 1965 nach Paris, London und Den Haag.

1965 legte sie die zweite juristische Staatsprüfung ab und arbeitete zwei Jahre für die Kanzlei von Philipp Möhring, Rechtsanwalt beim Bundesgerichtshof, bis zur Heirat mit Georg Büchner. Fortan, ab 1967, wirkte sie unter dem Namen Büchner-Schöpf im Bundeswirtschaftsministerium in Bonn und Berlin, auch auf internationaler Ebene.

Verstorbene lenkte jahrzehntelang die Geschicke des Modehauses Carl Schöpf

Dies, wohlgemerkt, bis 1999, was sie nicht hinderte, nach dem Tod ihres Vaters 1980 das von ihrem gleichnamigen Onkel gegründete Modehaus zu übernehmen. Ab da ging’s 19 Jahre lang allwöchentlich jeden Freitagabend von Bonn nach Karlsruhe und am Sonntagabend zurück. Und das Modehaus entwickelte sich prächtig. Im Bewusstsein, dass es für den Erfolg eines Modeunternehmens nicht genügt, nur die Tür aufzumachen und zu sagen, „hier gibt’s Klamotten“, initiierte sie Kundenaktionen.

Die wurden in den folgenden Jahren in beispiellos perfektionierter Form, sensibel abgestimmt auf die eigene Klientel, zur Routine. Kinderbastelangebote mit gestelltem Material und Anleitung in Hülle und Fülle, mit kleinen Empfängen abgerundete Modenschauen, die festtagsbezogene Reihe „Talk im Modehaus“ in Zusammenarbeit mit der evangelischen Erwachsenenbildung, Kunstversteigerungen für wohltätige Zwecke, Equal-Pay-Day-Aktionen und und und.

Keine Frage, dass dies alles nur funktionierte, weil die oft seit vielen Jahrzehnten fürs Haus arbeitenden kompetenten Mitarbeiterinnen, für die ihre Chefin gleich anfangs ein Prämiensystem und feste Verantwortungsbereiche eingeführt hatte, voll mitgezogen haben. So gelang es, allen Unbilden an vorderster Kombi-Baustellenfront und dem Coronavirus zum Trotz, dass auch heute noch „der Laden brummt“, wie sie sich noch vor wenigen Wochen gegenüber den BNN freute.

Traditionelles Modehaus am Puls der Zeit

Als Modehaus im traditionellen Stil und gleichzeitig dicht am Puls der modischen Zeit, mit Spitzenservice und einem Ruf als erste Adresse für festliche Bekleidung in der Region, hatte Melitta-Büchner Schöpf mit ihrem treuen Team und vielen prominenten Gastrednern 2019 das 120. Firmenbestehen gefeiert.

Ein Gedenkgottesdienst in der Stadtkirche war vorausgegangen für ihren Ende 2018 nach 52 Ehejahren verstorbenen geliebten Gatten und ideenreichen Ratgeber.

Als „aufrecht und mutig“ war sie im Lutherjahr geehrt und in einer der 22 Büsten des Bildhauers Harald Birck verewigt worden. Ihr unermüdliches – tatkräftiges und finanzielles – Engagement auf wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Ebene hatte ihr zuvor schon viele offizielle Auszeichnungen vom Bundesverdienstkreuz, über den Stifter(innen)preis der Evangelischen Landeskirche bis zum Mittelstandspreis für soziale Verantwortung eingetragen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang