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Von 23 Rotlichtsündern sind nur noch fünf übrig

Kaum Anzeigen nach Radlerkontrolle in Karlsruhe

Bei einer Verkehrskontrolle im November am Übergang der Hirschstraße über die Kriegsstraße hagelte es zunächst Knöllchen für Radfahrer, die bei Rot über die Ampel fuhren. Dort stehen drei Ampeln hinter- und nebeneinander. Ist das irritierend? Die Ordnungshüter erklären, dass die Sachlage klar sei. Dennoch ist die Zahl der Anzeigen inzwischen stark geschrumpft.

Alle Signale auf Rot: Radfahrer in der südlichen Hirschstraße müssen warten. Grün an der Ampel neben Autospur und Aufstellfläche erlaubt ihnen nicht, die Kriegsstraße zu überqueren: Dafür gelten Extraampeln für Fußgänger und Radfahrer. Foto: Jörg Donecker

Über Neujahr dominieren in der westlichen Kriegsstraße weiter rotweiße Absperrungen. Die Kombi-Bauarbeiten ruhen nur. Auch an der Kreuzung der Hirschstraße mit der großen Verkehrsader ist es noch zu früh fürs endgültige Ab- und Aufräumen. Danach wird es rund um den breiten Überweg für Fußgänger und Radfahrer mit eigenen Ampeln wieder übersichtlicher. Dennoch bleibt die Lage womöglich knifflig.

Denn Radfahrer, die aus der südlichen Hirschstraße kommen, rollen auf drei Ampeln zu. Für sie zählt nur die Ampel für die Radwegfurt. Zeigt sie Grün, darf man quer über die Kriegsstraße Richtung Kaiserstraße radeln.

Reihenweise Rotlichtsünder auf zwei Rädern hatten Polizeibeamte an diesem Überweg bei einer knapp zweistündigen Kontrollaktion Mitte November aus dem Strom gefischt. Die Uniformierten stellten sich an einem Werktag auf die Nordseite der Kriegsstraße, zählten 29 querende Fahrräder und drei E-Scooter und hielten fest, dass nur etwa jeder dritte Rad- oder Rollerfahrer pflichtgemäß an der roten Ampel stoppte.

23 Rotlichtverstöße seien registriert worden, meldete das Polizeipräsidium Karlsruhe anschließend. Drei Radfahrer seien zudem in falscher Richtung auf dem Radweg und sechs Radfahrer auf dem Gehweg unterwegs gewesen. Auch zwei Fußgänger überquerten demzufolge den Überweg bei Rotlicht.

Irrtümer bei Knöllchen kommen vor

Eine Karlsruher Radfahrerin wurde als Rotlichtsünderin aufgeschrieben, wehrt sich aber gegen den Vorwurf. Sie hat der Bußgeldstelle im Ordnungsamt geschrieben, die Ampel für Autofahrer noch bei Grün passiert zu haben. Die Ampel für Radfahrer im Baustellenbereich sei dann auf gelb umgesprungen, während sie die Kriegsstraße überquert habe. Deshalb sei sie abgestiegen und habe gewartet, bis das Signal ihr die Weiterfahrt erlaubte – auf die Seite des kontrollierenden Polizeibeamten, der sie anhielt.

Grundsätzlich gibt es zu Unrecht verhängte Knöllchen, sagt Joachim Zwirner, der Leiter des Referats Verkehr im Polizeipräsidium Karlsruhe. „Solche Vorkommnisse sind selten, aber es gibt sie, manchmal sind sie auch spektakulär“, sagt Zwirner, der als Referent für Verkehrssicherheitsfragen bundesweit gefragt und vernetzt ist. Sei es ein falsch eingestellter Blitzer, fehlende oder falsche Beschilderung: Die Beanstandung ist dann jeweils hinfällig. A

uch in Karlsruhe wurden schon Radfahrer auf der Brücke zwischen dem Kronenplatz und dem ehemaligen „Dörfle“ gestoppt und aus dem Sattel geholt in der irrigen Annahme, dort gelte ein Radfahrverbot.

Ampelanlage gilt als unmissverständlich

An der Kreuzung von Kriegs- und Hirschstraße liegt die Sache nun anders. Bürgermeister Albert Käuflein ist für städtische Ordnungsangelegenheiten zuständig, hat auf Anfrage der BNN recherchieren lassen und teilt mit, die Zahl der Rotlichtsünder sei inzwischen stark geschrumpft.

Laut Bußgeldstelle habe die Verkehrsüberwachung der Polizei Karlsruhe nur fünf Bußgeldverfahren gegen Radfahrer wegen Missachtung einer roten Ampel zur Anzeige gebracht. Drei Betroffene hätten den Verstoß zugegeben, diese Bußgeldbescheide seien versandt. Zwei Betroffene gäben an, dass die Ampel für Radfahrer auf Gelb geschaltet hatte und lediglich die Fußgängerampel auf Rot stand. Die Verkehrsüberwachung sei um Stellungnahme gebeten, die stehe noch aus. In diesen beiden Fällen sei bisher kein Bußgeldbescheid ergangen.

Verkehrssteuerung und Verkehrstechnik im Tiefbauamt Karlsruhe erklären, es gebe drei Sekunden Zeitverzug zwischen zwei Ampeln, deren Signale aber eindeutig zuzuordnen seien. Daher könne „nicht nachvollzogen werden, dass es vor Ort zu Fehlinterpretationen kommen soll“. Zu beachten sei schließlich jeweils das Signal der zu überquerenden Fahrbahn, nicht das Signal einer gegenüberliegenden, getrennten und separat signalisierten Fahrbahn.

Klare Linie, aber keine Erklärung

Demnach wäre alles in Ordnung mit den Ampeln – bei der Verkehrskontrolle im November sei aber auch alles einwandfrei gelaufen, sagt das Polizeipräsidium Karlsruhe. Da hätten ausschließlich Radfahrer eine Anzeige kassiert, die von Süden kamen und bereits vor dem Überqueren der Kriegsstraße Rot hatten. Radfahrer, die bei auf Rot springender Ampel noch die Fahrbahn überquerten, seien nicht angezeigt worden.

Damit bleibt unerklärt, was die Zahl der Rotlichtsünder von 23 auf fünf reduziert hat. Aufgefallen sei, heißt es lediglich noch, dass einige der angezeigten Radfahrer erst an der roten Ampel anhielten, den Verkehr rechts und links überprüften und dann über die Straße fuhren.

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