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Fußgänger teilen sich den Raum mit vielen Radfahrern

Speisen statt Parken: Südliche Waldstraße in Karlsruhe verändert sich

Autofrei wird die Südliche Waldstraße nicht. Aber dass parkende Autos verschwinden, soll die Flanierstrecke attraktiver machen. Das Plus an Platz kommt auch den Radfahrern zugute.

Konkurrenz: In der Südlichen Waldstraße belegen geparkte Autos einen erheblichen Teil der Fläche. Der Platz fehlt Fußgängern, Radfahrern, Gastronomen und anderen Geschäftsleuten. Foto: Jörg Donecker

Quirliges Stadtleben mit Fußgängern, Radfahrern und Bistrotischen im Freien: So erleben die Karlsruher und Besucher schon heute die Innenstadt rund um den Ludwigsplatz an sonnigen Wochentagen. Bald präsentiert sich auch die Südliche Waldstraße in vergleichbarer Gestalt.

Dass es dort zwischen Sophienstraße und Amalienstraße künftig keine Parkplätze für Pkw mehr geben soll, haben die Stadträte im Gemeinderat jetzt mehrheitlich beschlossen. Die ansässigen Geschäftsleute befürworten den Schritt.

Die Abschaffung der Autoabstellflächen macht die heute schon verkehrsberuhigte Zone nicht wirklich autofrei. Die Fahrt durch die Südliche Waldstraße wird nicht verboten. Außerdem dürfen Lieferfahrzeuge weiter am Rand der engen Fahrbahn halten.

Frei werdender Platz ist heiß begehrt

Der Platzgewinn werde nicht alle Interessen befriedigen, unterstrichen in der Debatte mehrere Redner. Fußgänger wollen gemütlich flanieren, vielleicht auch draußen sitzen und speisen. Gastronomen drängen darauf, ihr Angebot unter freiem Himmel auszubauen, und das durchaus nicht nur wegen Corona. Geschäftsleute möchten ihr Sortiment gern augenfälliger präsentieren. Das alles konkurriert miteinander.

Zudem fahren viele Radfahrer durch die relativ schmale Straße, und das bleibt zunächst auch so. Im Radverkehrsnetz der City ist die Südliche Waldstraße eine wichtige Strecke. Sie bringt Radler aus dem Südwesten Richtung Ludwigsplatz sowie über die Kaiserstraße hinaus Richtung Zirkel und Schloss. Und sie verbindet an der Amalienstraße die City-Radroute Süd mit der Sophienstraße, dieser stark frequentierten Radverkehrsachse in den Westen, die in weiten Teilen Fahrradstraße ist.

Wohin die Reise letztlich geht, in der Südlichen Waldstraße und beim Stadtumbau allgemein, ist auch nach der aktuellen Gemeinderatsentscheidung noch nicht absehbar. Denn die beschlossene Veränderung für knapp 300 Meter Waldstraße ist Teil des Ringens darum, wie der öffentliche Raum künftig unterschiedlichen Verkehrsarten, Benutzern und Interessengruppen zur Verfügung gestellt wird.

„Dies ist ein erster kleiner Baustein Richtung autofreie Innenstadt”, sagte in der Diskussion Lukas Bimmerle, Vorsitzender der Linke-Fraktion im Gemeinderat. Dem widersprach CDU-Stadtrat Dirk Müller: „Wir wollen den Charakter der verkehrsberuhigten Zone erhalten.” Er forderte auch, das Tempo der Radler zu mindern. Er sieht „in der Fahrrinne zwischen der Bestuhlung” ein Konfliktfeld entstehen.

Beidseits schließen sich knifflige Lagen an

Als „Fahrradzubringer” zur Sophienstraße bezeichnete Stadträtin Petra Lorenz (Freie Wähler/Für Karlsruhe) die Südliche Waldstraße. „Atmosphäre, Flair und Erreichbarkeit” nannte sie als unverzichtbare Zutaten für attraktive Innenstadtstraßen. „Radrennverkehr” sei damit unvereinbar. Sie sieht die Pfinztalstraße in Durlach als Modell. Parkverbot und Fußgängerzone, kombiniert mit einer Umfahrung für Radfahrer, das brauche auch die Südliche Waldstraße - „sonst ist kein Flanieren möglich”.

SPD-Stadtrat Michael Zeh brachte auch die Kreuzung der Waldstraße mit der Karlstraße ins Gespräch. „An dem Übergang fahren künftig drei Bahnlinien. Das ist ungünstig”, sagte Zeh mit Blick auf die querenden Radfahrer und forderte: „Wir müssen beobachten, wie sich das entwickelt.”

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