Skip to main content

Konzerte im Jubez

„JazzClassix“ in Karlsruhe: Wer hinter der Erfolgsreihe des Jazzclubs steckt

Musiker, Instrumente oder sogar mal eine einzige Platte – was die Jazzgeschichte geprägt hat, kann Thema der Karlsruher „JazzClassix“ werden. Der Kopf hinter der Konzertreihe ist Gernot Ziegler.

Meister der Tasten und Musik-Netzwerker: Gernot Ziegler organisiert seit etlichen Jahren die Themenreihe „JazzClassix“ im Jubez. Foto: Paul Needham

Bei zwei Anlässen pro Monat kommt man ganz umsonst zu einem Konzert im Jazzclub. Okay, eine Spendenbox wird herumgereicht, aber zwingend etwas hineinwerfen muss man nicht.

Die eine Gelegenheit ist die Jamsession. Hier wird Neues ausprobiert. Neues Repertoire wird getestet, neue Besetzungen werden geprüft oder finden sogar erst hier zusammen. Die andere Gelegenheit ist die Reihe „JazzClassix“.

Der Name deutet es schon an: Hier hat das seinen Platz, was im Jazz bereits Spuren hinterlassen hat. Das können Musikerinnen und Musiker sein (die Beispiele hierfür sind zahlreich), das können Stile sein (Andreas Krennerich führte zum Beispiel mal mitreißend in den Free Jazz ein), das können Instrumente oder Instrumentengruppen sein.

Demnächst im Januar wird die Rolle der Orgel eine ebensolche spielen. Selbst ein Plattenlabel kann Thema der JazzClassix sein (Reiner Ziegler wusste manch Erhellendes zu Blue Note zu erzählen und zu spielen), und manchmal ist sogar eine einzige Platte für den Jazz wichtig – Miles Davis’ „Bitches Brew“ war mal Thema eines Abends.

Konzerte bei „JazzClassix“ mit viel jungem Publikum

Nun darf man sich das alles nicht wie eine Vorlesung vorstellen. Klar, es wird erläutert und erklärt, aber immer wird versucht, das Wissen, die Erkenntnis in klingender Form an das Publikum zu bringen. Das ist Didaktik, die Spaß bereitet. Und zwar ganz offensichtlich ziemlich vielen Menschen, denn die JazzClassix sind so gut wie immer voll und jede Menge junges Publikum gehört dazu.

Wie ist diese Erfolgsreihe eigentlich entstanden und wer kümmert sich darum, dass sie weitergeht? Fragt man beim Jazzclub nach, bekommt man die Antwort: „Das macht der Gernot“.

JazzClassix

Nächste Termine im Jubez am Kronenplatz: 22. November, 20 Uhr „Die goldene Ära der 30er und 40er Jahre“ / 20. Dezember, 20 Uhr „A Tribute to Tadd Dameron“. www.jazzclub.de

Gemeint ist der Jazzpianist und -trompeter Gernot Ziegler. Der ist ein Schwergewicht der Karlsruher Jazzszene, kommt aber gar nicht aus Karlsruhe, sondern ist erst mit Mitte 30 hier aufgetaucht, bald nach der Jahrtausendwende.

Ziegler kam damals frisch von der Musikhochschule in Mannheim. Dort hatte der gebürtige Freiburger in der Jazzabteilung studiert. Zum Klavier kam der Mann auf Umwegen: „Ich brauchte es zunächst als Harmonie- und Theorieinstrument“. Denn seine erste Liebe war die Trompete, seit er als Zehn- oder Elfjähriger Louis Armstrong in der Plattensammlung seines Vaters entdeckte. „Die Trompeter sind die Chefs, habe ich damals gedacht.“

Wir hatten keine Lust mehr, jede Woche die gleichen Standards zu spielen.
Gernot Ziegler, Organisator der „JazzClassix“

Noch heute unterrichtet er neben dem Klavier auch Trompete, sein Bühneninstrument aber ist das Klavier. Von 2003 bis 2010 gestaltete er mit Jörn Reitz, Christian Ammann und Andi Nolte die „Jazzbühne“ im Musik- und Kulturcafé „Radio Oriente“. Ursprünglich war das eine wöchentliche Jamsession, „aber bald hatten wir keine Lust mehr, jede Woche die gleichen Standards zu spielen“.

Darum veränderten sie das Konzept und aus den Jamsessions wurden Mottosessions. Dazu luden sie auch andere Musiker ein, von denen sie dachten, dass die zum geplanten Thema passen würden. „Wir wollten einfach Musik feiern, die wir liebten, aber sonst nie spielen konnten.“

Idee der Mottokonzerte im Jubez in Karlsruhe hatte Vorgeschichte

2010 stieg Ziegler aus und Matthias Klittich führte die Jazzbühne noch einige Zeit weiter. Einem anderen Musiker aber, dem Schlagwerker Christopher „Giga“ Brunner, hatte es die Idee der Mottokonzerte angetan. Er übernahm sie für den Jazzclub und taufte sie „JazzClassix“.

Dort gehöre es auch hin, meint Ziegler, denn hier wird der Musik der nötige Respekt entgegengebracht: „Man kann hier auch mal leise spielen und den Bassisten neben sich trotzdem hören.“

Ab der Saison 2012/13 übernahm er die Jazzclassix von Brunner. Damals wurde auch der didaktische Anspruch auf eine Formel gebracht: 80 Prozent Musik und 20 Prozent Moderation.

„Wir möchten dabei einfach ein Stück gelebter Jazzgeschichte auf die Bühne bringen.“ Zum Beispiel ein Stück Jazzgeschichte, wie es am Montag, 22. November um 20 Uhr im großen Saal des Jubez beleuchtet werden wird. „Die goldene Ära der 30er und 40er Jahre“ heißt das Motto, und auf der Bühne stehen wird das Sextett der Sängerin und Geigerin Linda Kyei.

Gemeinsam zelebrieren sie den warmen, knisternden, intensiven aber immer locker hüpfenden Sound der Swing-Ära. Und man kann auch erfahren, verspricht das Programm, warum diese Jahre musikalisch die besseren 20er sind. Wer’s wissen will, nix wie hin.

nach oben Zurück zum Seitenanfang