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Programm wegen Corona reduziert

Endlich wieder Kultur: Kamuna zieht Karlsruher nachts in die Museen

Nach einer Corona-bedingten Pause kann 2021 die 22. Karlsruher Museumsnacht stattfinden. Trotz langer Schlangen sind die meisten Besucher glücklich über ein Stück Normalität.

Viele Kamuna-Besucher schätzen die besondere Atmosphäre und die Möglichkeit, bei Dunkelheit in hell erleuchteten Museen stöbern zu können. Foto: Julia Weller

Einiges ist anders dieses Jahr. Nachdem die Karlsruher Museumsnacht (Kamuna) 2020 wegen Corona komplett pausieren musste, sind diesmal wieder zehn Museen am Start.

Die Staatliche Kunsthalle bleibt wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, auch auf ein großes Rahmenprogramm müssen Besucher wegen Corona verzichten. Anstelle der bekannten Buttons berechtigen Bändchen in limitierter Zahl zum Einlass, die allerdings dieses Jahr nicht als Ticket für den KVV gültig sind.

Das alles hält die Karlsruher aber nicht davon ab, ab 18 Uhr wieder in die Museen zu strömen. Im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) kaufen gleich bei Öffnung viele Menschen an der Abendkasse ein grünes Bändchen.

Umwelt und Natur sind Thema in vielen Ausstellungen bei der Kamuna 2021

Im Lichthof 8 stehen Monika Hasenfuß und Judith Gaab-Hey vor dem Bild „Pollution“ (Umweltverschmutzung) aus dem Jahr 2011. „Leider brandaktuell“, lautet Hasenfuß’ Urteil. Die beiden Frauen sind extra aus der Pfalz zur Kamuna angereist. „Es ist schön hier“, sagt Gaab-Hey. „Aber auch erschreckend, weil die Exponate extrem zeitgenössisch sind.“

Um die Umwelt und die Stoffe der Natur geht es auch im „Bio Design Lab“ der Hochschule für Gestaltung (HfG), das an diesem Abend ebenfalls einige Werke zeigt. Im Bio-Design gehe es darum, nachhaltig und mit lebendigen Materialien zu arbeiten, erklärt Labor-Leiterin Julia Ihls. So hätten Studierende der HfG beispielsweise Pilze als Baumaterial genutzt oder mit Bioplastik experimentiert. „Im Karlsruher ‘Bio Design Lab’ legen wir den Fokus auf regionale Ressourcen“, erklärt Ihls den Besuchern.

Aus dem japanischen Staudenknöterich etwa, einer invasiven Pflanze, könne man ein Substrat für Pilze gewinnen. Zu sehen bekommen die Kamuna-Gäste außerdem einen Regenmantel aus Bioplastik – der sich allerdings bei Kontakt mit Wasser zu zersetzen droht.

Gleich um die Ecke, in der Städtischen Galerie, gibt es rote Luftballons anlässlich des 40. Geburtstages der Einrichtung. Hier werden außerdem bunte Origami-Blumen gefaltet, was vor allem die jüngeren Besucher freut. Die zieht es aber naturgemäß eher an den Friedrichsplatz: Vor dem Naturkundemuseum bilden sich dementsprechend den ganzen Abend über immer wieder längere Schlangen.

Corona-Regeln lassen Schlangen vor Karlsruher Museen entstehen

Der Grund ist aber nicht etwa ein Einlass-Stopp, sondern die nötige Corona-Bürokratie: Weil alle Museen die Kontaktverfolgung sicherstellen müssen, müssen sich Besucher registrieren. Das geht in den meisten Häusern unkompliziert per QR-Code und Handy-App, nicht jedoch im Naturkundemuseum. „Wir machen das auf die altmodische Art“, sagt ein Mitarbeiter und händigt Zettel aus.

Bis alle Haushaltsmitglieder schriftlich angemeldet sind, dauert es bei den meisten Besuchergruppen etwas – das aber verhindert zumindest ein größeres Gedränge im Inneren. Die Räume mit den ausgestopften Tieren sind gegen 22 Uhr schon fast so ausgestorben wie ihr Inhalt, nur im Vivarium ist noch reger Betrieb.

Familie Kauer aus Karlsruhe ist zum ersten Mal mit den Kindern bei der Kamuna. Dem 12-jährigen Vincent gefallen am besten die Aquarien, obwohl er vorher auch schon im Schloss und beim Kunstverein war. „Es ist interessant, das alles hier mal abends zu sehen, wenn die Lichter in den Aquarien aus sind“, sagt Vincent, der das Naturkundemuseum sonst nur bei Tageslicht kennt.

Besucher freuen sich über Rückkehr des Kulturbetriebs und der Kamuna

Auf den Turm des Karlsruher Schlosses hatte es die Familie zuvor nicht geschafft, denn dort heißt es den ganzen Abend lang: Schlange stehen. Durch das gesamte Treppenhaus und bis ins Foyer des Badischen Landesmuseums zieht sich die Reihe derjenigen, die auf eine Chance zum Aufstieg hoffen. „Wir waren schon mehrere Male bei der Kamuna, aber so langatmig wie heute war es früher nie“, sagt Thomas Lipp, der mit seiner Frau in der Schlange steht. „Aber wir sind trotzdem froh, wieder ein bisschen Kultur zu erleben.“

Diese Aussage würden wohl auch alle unterschreiben, die im Erdgeschoss des Schlosses dafür anstehen, einen Blick in den nagelneuen Thronsaal zu werfen. Wie an vielen Schauplätzen dieser 22. Kamuna ist auch hier eine ordentliche Portion Geduld gefragt – die die Menschen aber gern aufbringen im Tausch gegen ein Stück Normalität und Kulturgenuss.

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