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Ungewöhnliche Aktion

Warum im Karlsruher Europabad nachts 4.000 Gummienten rutschen durften

Normalerweise ist das Karlsruher Erlebnisbad nachts der Putzcrew vorbehalten. Am 22. Oktober eroberten aber zahlreiche gelbe Gummienten das Europabad. Sie hatten lange auf den Tag gewartet.

Ins Netz gegangen: Mitglieder des Vereins Round Table 46 fischen die ersten 50 Enten eines Vorlaufs aus dem Rutschenauslauf. Sie dürfen im Finale nochmal starten. Foto: Jörg Donecker

Mit Augenklappe und Piratenhut thront eine XXL-Gummiente standesgemäß auf dem Schiff im Kinderbereich des Europabades. Um sie herum wuseln aber keine Sechsjährigen, sondern ausgewachsene Männer mit kurzen Hosen und bunten T-Shirts. Es ist Freitagabend, kurz nach 23 Uhr. Gerade haben die letzten Besucher das Bad verlassen. Nun laufen die Vorbereitungen für eine ungewöhnliche Nacht, deren Vorbote die Piraten-Ente ist.

Mehr als 4.000 ihrer „Verwandten“ haben die rund 25 freiwilligen Helfer des Vereins Round Table 46 schon die Treppenstufen zum Rutschenturm hochgeschleppt. Verteilt auf zahlreiche graue Transportboxen warten die „Rennenten“ dort auf ihren Einsatz. Üblicherweise fliegen die für einen guten Zweck am „Das Fest“-Sonntag von einer Brücke zum Wettschwimmen in die Alb.

Weil das auch 2021 coronabedingt nicht möglich war, dürfen sie nun einige Meter vom natürlichen Flusslauf entfernt im Europabad um die Wette rutschen. „Wir können hier den Betrieb nicht stören“, erklärt Vereinspräsident Gottfried Lumpi die nächtliche Aktion. „Damit erfüllen wir uns gleich einen Kindheitstraum, das Bad für uns alleine zu haben“, ergänzt er lachend.

Organisatoren des Entenrennens im Karlsruher Europabad brauchen Improvisationstalent

Mit der Planung der Ausweichstrecke hatten er und seine Mitstreiter schon vor Monaten begonnen. Nichts wollte man dem Zufall überlassen. „Wir waren mehrmals hier und haben beispielsweise ausprobiert, wie viele Enten gleichzeitig in die Rutsche können, damit es fair bleibt“, sagt Vereinsmitglied Tim Böltken. Schließlich steht fest: Es soll vier Vorläufe auf der Reifenrutsche geben. Die jeweils schnellsten 50 Enten erreichen das Finale in der „Green Viper“.

Trotz der Vorbereitung sind in der Nacht Improvisationstalent und viel Geduld gefragt. Kurz vor Mitternacht werkelt ein Teil der Entencrew in der trockengelegten, 170 Meter langen Tunnelröhre der Reifenrutsche. Sie bringen zahlreiche Strahler und Action-Kameras an.

Die Rennen werden aufgezeichnet und vermutlich Anfang November bei Baden TV ausgestrahlt. Auf den ersten Tunnelmetern sind Helfer damit beschäftigt, eine bunte Lichterkette anzubringen – mit Handtüchern und Klebeband. Es soll ja auch hübsch aussehen.

Um kurz vor halb zwei wird es für die Gummienten ernst

Knapp 30 Minuten später fließt in der Finalrutsche endlich Wasser. Eine erste Ladung Enten darf den Kurs testen. Im Zielbereich ernten sie skeptische Blicke. Die Gewinner sind nicht wie erhofft in der Entenfalle gelandet, die auch in der Alb zum Einsatz kommt. „Im Rutschenauslauf lässt der Wasserdruck nach“, erklärt Böltken das Problem. Nachjustieren ist angesagt. Im Hasendraht, der die Enten zum Ziel leitet, landen ein paar zusätzliche Tackernadeln. In der zweiten Probe läuft es besser.

Kurz vor halb zwei wird es langsam ernst. Auf dem Rutschenturm landen die ersten 1.000 Enten auf einer Plane. Rund 80 Kilogramm bringen sie auf die Waage, vier Vereinsmitglieder wuchten sie in den Startbereich.

Kaum 20 Sekunden später ist der Spaß schon wieder vorbei. Die „Spitzengruppe“ landet in einem Netz, den Rest fischen die Vereinsmitglieder mit vereinten Kräften aus dem verwirbelten Wasser. „Für uns ist das Teambuilding“, grinst Tim Böltken. „Und es ist ja für einen guten Zweck.“

Service

Fünf Euro kostete eine Startnummer für das Entenrennen. Gut 20.000 Euro sind damit in diesem Jahr zusammengekommen. Sie gehen an verschiedene Karlsruher Organisationen. Die Gewinner werden erst nach der Ausstrahlung unter entenrennen-ka.de verkündet.

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