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Aktuelle Untersuchungen

Auch in Karlsruhe wird für Insekten die Nahrungssuche schwierig

Wieso man aktuell in Karlsruhe und der Region eventuell weniger Insekten beobachtet als sonst.

Einsatz für die Wildbienen: Imker Marc La Fontaine stellt fest, dass nicht jeder blühende Garten automatisch insektenfreundlich ist. La Fontaine hat das Umweltprojekt PermaBees initiiert, um Insekten Nahrungsquellen zu liefern. Foto: Jörg Donecker

Wer die Natur aufmerksam beobachtet, sei es beim Spaziergang über Felder und Wiesen oder beim Blick in den eigenen Garten, stellt fest, dass es nicht mehr den Reichtum an Insekten gibt, den es vielleicht noch vor 20, 30 oder 40 Jahren gab.

Deckt sich aber diese häufig gehörte persönliche Beobachtung mit der Realität? Ja, meint Artur Bossert, Vorsitzender der Karlsruhe Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu). „Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Insekten leiden und dass die Zahlen sinken.“

Laut Auskunft des Nabu Baden-Württemberg leben in Deutschland rund 10.000 Arten von Hautflüglern, zu denen Wespen, Bienen und Hummeln gehören. Es gibt aber auch rund 3.600 Arten von Schmetterlingen und 80 Arten von Heuschrecken. Im Jahr 2017 waren auf den Roten Listen Deutschlands rund 7.800 Insektenarten zu finden, Arten also, die extrem bedroht sind.

Dies zeigen auch Untersuchungen zu bestimmten Arten, die in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs vorgenommen wurden. So ging zum Beispiel die Anzahl der Nester einer Schmalbienen-Art zwischen 1970 und 2016 um 95 Prozent zurück.

Nabu appelliert an Gartenbesitzer

„Allein von den über 500 Wildbienen-Arten, die es in Deutschland gibt, sind 40 Prozent sehr bedroht“, erklärt Bossert. Dabei seien Insekten wichtig für die Biodiversität, meint er. Als Beispiele nennt er ihre wichtige Rolle beim Bestäuben von Pflanzen, aber auch ihre Funktion als Nahrungsquelle für andere Tiere, etwa für Vögel und Fledermäuse.

Bossert appelliert daher an die Gartenbesitzer, auf Schottergärten zu verzichten und stattdessen lieber naturnahe Gärten anzulegen. Ein großes Problem sei aber auch die industrialisierte Landwirtschaft, die auf Monokultur und „chemische Keule“ setze, meint er.

Blühstreifen seien da nur ein geringer Ausgleich, ist er überzeugt. „Habitate müssen eine bestimmte Größe haben, um den Insekten auf Dauer als Lebensraum zu dienen“, so Bossert.

„Es gibt verschiedene Gründe, warum man vielleicht in der eigenen Umgebung weniger Insekten sieht“, sagt Berufsimker Marc La Fontaine, der sich nicht nur dafür einsetzt, dass seine Honigbienen genug Nahrung finden, sondern der sich auch für Wildbienen und andere Insekten stark macht.

„Insekten sind da, wo sie ihre Lebensgrundlage finden“, erklärt er und stellt fest, dass die Habitate für die Insekten nicht nur kleiner, sondern auch weniger werden. „Nicht jeder Garten, in dem es blüht, ist auch insektenfreundlich“, meint er.

Auch die Witterung hat ihren Anteil

Ein Grund, warum man in den zurückliegenden Wochen eventuell weniger Insekten gesehen hat, könnte auch die Witterung sein, denn Pflanzen produzieren bei Regen fast keinen Nektar. „Auch die Temperatur spielt eine Rolle“, erklärt La Fontaine.

So fängt zum Beispiel bei einem Großteil der Pflanzen die Nektarbildung erst ab 20 Grad an. „Aber auch große Hitze kann die Nektarbildung verhindern“, berichtet er und nennt die Linde als Beispiel, die bei rund 30 Grad aufhöre, Nektar zu produzieren.

„Dann ist es wichtig, dass wir genügend Pflanzen haben, die wetterunabhängig sind“, so der Imker. Dazu gehören zum Beispiel Klee, Löwenzahn, Mädesüß oder auch Disteln. „Sie dürfen natürlich nicht gemäht werden, wenn sie in voller Blüte stehen“, fordert er.

Marc La Fontaine ist der Meinung, dass jeder in der Lage ist, Insekten zu unterstützen – Bürger und Kommunen: So gibt es eine Reihe von Pflanzen, die nicht nur im Beet, sondern auch in Kübeln gut gedeihen. Wertvoll sind zum Beispiel Astern, Salbei, Thymian, Lavendel, Fetthenne oder der Erdbeerbaum. Er selbst hat das Umweltprojekt PermaBees initiiert.

„Wir wollen mithilfe von Permakultur Inseln schaffen, die Nahrung für Insekten liefern“, erklärt er. „Mit diesen Inseln wollen wir einzelne Habitate verbinden und so den genetischen Austausch zwischen verschiedenen Wildbienenpopulationen ermöglichen.“

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