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Sinkende Einnahmen

Karlsruher Altpapiersammler: Vereine wünschen sich Unterstützung durch die Stadt

Viele Vereine und Organisationen verdienen sich in Karlsruhe durch Altpapiersammlungen ein Zubrot. Doch das fällt nicht mehr so üppig aus wie früher. Der Preisverfall macht den Sammlern zu schaffen. Trotzdem soll es weitergehen.

Zupacken: In der Karlsruher Weststadt sammeln Ehrenamtliche der Lukasgemeinde am Straßenrand abgelegtes Altpapier ein. So lukrativ wie früher ist das Geschäft für viele Vereine und Organisationen aber nicht mehr. Foto: jodo

Die Altpapiersammlungen gehen in Karlsruhe auch 2021 in fast allen Stadtteilen weiter. Die meisten Vereine haben sich nach BNN-Informationen mit dem Dienstleister Rosenburg und Neithardt auf eine Vertragsverlängerung bis Ende des nächsten Jahres geeinigt.

Die Firma stellt die Pressfahrzeuge und kümmert sich um den Weiterverkauf. Die Einigung hat allerdings einen Haken: Altpapiersammler bekommen schon jetzt aufgrund der niedrigen Papierpreise auf dem Weltmarkt weniger Geld als ursprünglich vereinbart, verbunden mit der Garantie, dass keine weitere Preissenkung folgt.

Weil die Sammlungen immer weniger in die Kasse spülen, hoffen viele auf eine Wiederbelebung der städtischen Zuschüsse, die ihnen von 1988 bis 2010 einen Mindestpreis garantiert hatten.

Im Frühjahr durften die Ehrenamtlichen nicht selbst sammeln

Bei nahezu unveränderter Kostenstruktur haben sich unsere Einnahmen signifikant reduziert.
Frank Zahnleiter, Grötzingen

Für die Altpapiersammler hat sich die Lage in den vergangenen Jahren mehrfach verschlechtert. Durch die Einführung der städtischen blauen Tonne sind die eingesammelten Mengen um rund ein Drittel zurückgegangen, schätzen viele Verantwortliche. Zum Verfall der Papierpreise Ende 2019 kam nun auch noch die Corona-Krise. „Bei nahezu unveränderter Kostenstruktur haben sich unsere Einnahmen signifikant reduziert“, sagt Frank Zahnleiter, der sich um die Organisation der Sammlung in Grötzingen kümmert.

Es ist natürlich deutlich weniger geworden. Aber es lohnt sich noch.
Sebastian Kuhn, Canisiushausverein

Im Frühjahr durften die Vereine aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht selbst sammeln. Sie mussten Unternehmen damit beauftragen, das hat die Gewinnspanne nochmals reduziert. Beim Canisiushausverein, der seit mehr als 30 Jahren in der Südstadt sammelt, waren davon die Termine im April und Mai betroffen. Mittlerweile dürfen die Ehrenamtlichen wieder selbst zupacken. Am 19. September tun sie das zum 250. Mal. „Es ist natürlich deutlich weniger geworden. Aber es lohnt sich noch“, sagt der Verantwortliche Sebastian Kuhn.

Städtische Konkurrenz sorgt für Rückgang der Altpapier-Menge am Straßenrand

Fast 13.000 Tonnen Altpapier hat der Canisiushausverein auf den Straßen der Südstadt über die Jahre eingesammelt. Am erfolgreichsten Tag im November 2008 waren es allein fast 90 Tonnen. Seit 2016 gehen die Zahlen zurück. Ein Jahr zuvor hatte die Stadt ihre Altpapiertonne eingeführt.

Von einem „gewissen Kampf“ gegen das Amt für Abfallwirtschaft berichtet deshalb Stefan Schwarzwälder, der die Sammler in Rintheim und der Oststadt vertritt. Das Amt forciere durch Kontrollen und Werbung die eigene Tonne. „In dieser Form war dies nicht besprochen, da wurden viele Gruppen enttäuscht“, sagt er.

Doch während die Corona-Krise sich in diesem Jahr zum Problem für die Ehrenamtlichen entwickelt hat, sorgt sie gleichzeitig für ein wenig Entspannung. Viele der Veranstaltungen, für die man die Einnahmen verwenden wollte, sind ausgefallen. „Der Großteil des Geldes fließt in unser Sommerlager“, sagt beispielsweise Maximilian Schmidt von der KJG Rüppurr. „Das fiel aus, daher hielt sich der Schaden in Grenzen.“ Bei der SG Daxlanden müsse man die fehlenden Einnahmen für die Jugendarbeit hingegen teilweise bei den Eltern erheben, erklärt deren Altpapier-Beauftragter Markus Schlimm.

Der Rückschläge zum Trotz wollen alle Altpapiersammler, die mit den BNN gesprochen haben, weitermachen – unabhängig von städtischen Zuschüssen. Es stehe nicht ausschließlich der finanzielle Aspekt im Vordergrund, betont Markus Bracht von der TS Durlach. Man wolle den jugendlichen Sammlern auch den Nachhaltigkeits-Aspekt vor Augen führen, „und dass ihr Engagement auch über das Handball spielen hinaus gehen muss“.

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