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Wenig Hoffnung auf baldige Öffnung vieler Geschäfte

Karlsruher Einzelhändler stellen sich auf Verlängerung des Lockdowns ein

Der aktuelle Lockdown dauert offiziell noch bis 10. Januar. Doch die Stimmen, die eine Verlängerung befürworten, werden lauter. Die Karlsruher Einzelhändler und Gastronomen gehen nicht davon aus, dass sie am 11. Januar wieder öffnen dürfen. Mancher hält Mitte Februar für realistischer.

Gähnende Leere: Auf der Kaiserstraße verlieren sich am Samstagnachmittag nur wenige Passanten, weil die Läden dicht. sind. Foto: Peter Sandbiller

Wer dieser Tage durch das Ladencenter Ettlinger Tor schlendert, erlebt statt des gewöhnlichen Trubels eine geradezu besinnliche Stille. Die Weihnachtsdeko hängt noch in dem Einkaufszentrum, der riesige Christbaum, der sich über zwei Stockwerke erstreckt, ist ein beliebtes Fotomotiv bei den wenigen Besuchern, die durch die Gänge flanieren. Der Großteil der Geschäfte auf den drei Etagen hat am zweiten Samstag nach Weihnachten die Rollläden runtergelassen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Postgalerie. Hier ist die Hauptattraktion ein Roboter, der am Stand von MyAppCafé Latte Macchiato ausgibt und den Kunden zum Abschied freundlich winkt. Im „Frittenwerk“ warten die Lieferando-Boten mit ihren orangen Rucksäcken darauf, dass sie die georderten Gerichte einpacken und zum Kunden bringen können. Sonst sind fast alle Läden zu.

Wir kommen nicht umhin, diesen Schritt mitzutragen.
Frank Theurer, Citymanager in Karlsruhe zur Lockdown-Verlängerung

Fragt man Citymanager Frank Theurer, wird sich daran so schnell nichts ändern. Er rechnet fest damit, dass der Einzelhandel nicht, wie ursprünglich angedacht, am 11. Januar wieder öffnet und stattdessen der Lockdown verlängert wird. „Wir kommen nicht umhin, diesen Schritt mitzutragen“, sagt er. „Denn ein Lockdown, der nur halbherzig gemacht wird, wird einen weiteren Lockdown mit sich bringen.“

Wann die Läden wieder aufmachen dürfen, hänge vom Fortschritt bei den Impfungen, von der Vernunft der Menschen und vom Wetter ab. Der Sommer hat gezeigt, dass es das Virus bei höheren Temperaturen schwerer hat.

„Es wird jetzt nochmal ganz schon hart für den Handel“, sagt Theurer. Die Krise zwinge die Händler dazu, kreativ zu sein, die Digitalisierung voranzutreiben, alte Konzepte zu überdenken. Früher oder später wäre das sowieso nötig gewesen, um mit den großen Handelsketten mitzuhalten. „Einfach zu sagen, ich mach meinen Laden auf und die Leute kommen, das wird es nicht mehr geben“, sagt er.

Mit Online-Angeboten und Lieferdiensten durch die Krise

Andreas Preißler vom Unikat Store in der Kaiserstraße hat sich mit kreativen Ideen ganz gut durchgehangelt. Auch er befürchtet, dass der Lockdown im Januar nicht aufgehoben wird. Doch er ist auf eine Verlängerung vorbereitet. Mit seinen fünf Mitarbeitern hat er das komplette Sortiment digitalisiert und bewirbt es im Netz. Via WhatsApp oder Telefon können Kunden sich beraten lassen. Per Radkurier kommen bestellte Produkte zu ihnen an die Haustür. Wie viele andere Händler nutzt Preißler den Lieferdienst, der in der Corona-Zeit von der Wirtschaftsförderung unterstützt wird.

Ich kenne viele, wo die Hilfen noch gar nicht angekommen sind.
Andreas Preißler, Inhaber Unikat Store Karlsruhe

Wie Citymanager Theurer hofft auch Preißler, dass die Förderung verlängert wird. Sie war auf den 31. Dezember 2020 terminiert, ein neuer Beschluss liegt noch nicht vor. Zwar könne er mit den Lieferungen nur etwa zehn bis 15 Prozent seines normalen Umsatzes machen, aber immerhin. Die staatlichen Ausgleichszahlungen für Unternehmer machten die im Corona-Jahr entstanden Einbußen auch nicht wett - wenn sie denn überhaupt schon da sind: „Ich kenne viele, wo die Hilfen noch gar nicht angekommen sind.“

Wenn der Staat uns nicht hilft, sind wir weg vom Fenster.
Holger Witzel, Geschäftsführer Modehaus Nagel Durlach

Einer davon ist Holger Witzel, Geschäftsführer des Modehauses Nagel in Durlach. Die Verlängerung des Lockdowns, die er kommen sieht, sei eine „eine einzigartige Katastrophe“. Er lebe inzwischen allein von Rücklagen. Einen Online-Shop hat er nicht aufgebaut.

Das Geld, das er dafür gebraucht hätte, hat er lieber in seine Angestellten investiert. Witzel hat 20 Mitarbeiter, manche von ihnen besitzen wie er Anteile an dem Traditionsgeschäft, bauen ihre Altersvorsorge darauf. Die aktuelle wirtschaftliche Situation raubt ihm den Schlaf. „Wenn der Staat uns nicht hilft, sind wir weg vom Fenster.“ Doch ob und wann die staatlichen Hilfen kommen, steht in den Sternen.

Dehoga-Chef: Ein Drittel der Gastronomen wird nicht überleben

Ähnlich geht es den rund 1.200 Gastronomen, die im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Karlsruhe organisiert sind. Dessen Vorsitzender Waldemar Fretz befürchtet, dass der Lockdown bis nach Fastnacht verlängert wird. „Es sieht sehr, sehr schlecht aus für unsere Branche“, sagt er.

Ein Drittel der Betriebe werde die Pandemie nicht überleben, schätzt er. Das Take-Away-Geschäft lohne sich nicht wirklich, Straßenverkauf funktioniere nur „in den exponierten Lagen“. Die laufenden Kosten bleiben dabei gleich: Pacht, Versicherungen, Steuern. Wer keinen großen finanziellen Puffer hat, ist schnell am Anschlag. Und Hilfen seien bisher kaum geflossen.

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