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Rechnungshof drängt auf Nachbesserungen

Karlsruher Hochschule betont: Professorengehälter in normaler Höhe

Fundamentale Kritik üben die obersten Finanzprüfer an der früheren Hochschulleitung - und das Haus von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will aus ihrer Sicht zu langsam gegensteuern.

Mit dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) teilt sich die Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) das Gebäude. Der hohe Anspruch der kleinen Akademikerschmiede wurde nach Ansicht des Rechnungshof bisher nicht eingelöst. Foto: Jörg Donecker

Fundamentale Kritik hat der Rechnungshof Baden-Württemberg an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) geübt. Der wissenschaftliche Anspruch, die eingeworbenen Forschungsgelder, die Vorzeigekooperation mit dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) - vieles blieb aus Sicht der obersten Finanzprüfer hinter den hohen Erwartungen zurück.

Zu hoch ist ihnen dagegen der Etat für Professorengehälter, der den Karlsruhern theoretisch zur Verfügung steht.

Man orientierte sich eher an den Gehältern der Universitäten.
Andreas Knapp, Direktor beim Rechnungshof

„Da steckte anfangs die Vorstellung dahinter, dass man lauter Professoren wie Peter Sloterdijk hat”, sagt Andreas Knapp, Direktor beim Rechnungshof, im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. „Man orientierte sich eher an den Gehältern der Universitäten.” Formal aber gelte die HfG als Kunsthochschule – und dort liege das Gehaltsniveau etwas niedriger.

Großen Wert legt allerdings die HfG auf die Feststellung, dass sie diesen Verfügungsrahmen überhaupt nicht ausschöpfe. „Es klingt so, als ob die Professoren bei uns mehr Geld verdienen – das ist aber nicht der Fall”, betont HfG-Sprecher Johannes Wiesel.

„Der Vorwurf richtet sich gar nicht an die HfG selbst, sondern an das Wissenschaftsministerium”, sagt Rechnungshof-Direktor Knapp. Denn das Haus von Ministerin Theresia Bauer (Grüne) wolle den großen finanziellen Spielraum „langsam abbauen und nicht mit einem Schlag”. Dies sei aus Sicht der Finanzexperten nicht akzeptabel.

Finanzprüfer: Spendabler Rektor könnte 50.000 Euro mehr ausgeben

„Das Rektorat hätte die Möglichkeit, einen oder mehrere Professoren sehr hoch zu dotieren”, warnt Knapp. „Bei 19 Professoren könnten da jährlich über 50.000 Euro zusätzlich zusammenkommen.” Jährlich rund 2.800 Euro mehr pro Professor konnte die HfG zum Beispiel im Jahr 2017 im Vergleich zu ähnlichen Hochschulen ausgeben.

Der ausreizbare Etat lag bei 100.007 Euro pro HfG-Professor. Im Schnitt aller Universitäten, vergleichbarer Hochschulen und Kunsthochschulen betrug der entsprechende Etat hingegen nur 97.226 Euro.

Zu üppige Prämie für einen Professor?

Intensiv geprüft hat der Rechnungshof die Vorgänge der Jahre 2014 bis 2018. Ein Professor allerdings wurde in dieser Zeit wahrscheinlich zu großzügig bezahlt: „In einem Einzelfall gewährte die HfG einem angestellten Professor ohne Rechtsgrund eine umfangreiche Leistungsprämie”, rügte der Rechnungshof. Das Wissenschaftsministerium prüft den Fall.

Die Versäumnisse, Schlampereien und Fehlentwicklungen, die von den obersten Finanzprüfern angeprangert werden, gehen im Wesentlichen auf die lange Amtszeit des fernsehbekannten Philosophen Peter Sloterdijk zurück. Er war von 2001 bis 2015 Rektor der kleinen Hochschule für Medienforschung und Design. „Wir haben keinen Grund, die jetzige Hochschulverwaltung zu kritisieren”, sagt Andreas Knapp.

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