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Wichtige Ereignisse vor 150 Jahren

Karlsruher Jahrestage 2021: Der Kaiser ritt vor vielen Jahren in die Stadt

Große Ereignisse wirken mit mehr als den Denkmalen und Erinnerungstafeln weiter in der Karlsruher Stadtgeschichte. Was sind 2021 für Karlsruhe die wichtigen Jubiläen?

Umstrittene Heldenverehrung: Karlsruhe würdigt den vor 150 Jahren zum Kaiser ausgerufenen Wilhelm I. mit dem Reiterdenkmal auf dem Kaiserplatz. Foto: Peter Sandbiller

Jahrestage können Geschichte und Gestalten lebendig machen. Ob im zweiten Corona-Jahr Gelegenheit sein wird, die Jubiläen groß zu begehen, ist Anfang 2021 unklar. Deshalb sei das Erinnern an den großen Einschnitt vor 150 Jahren herausgestellt; denn da sind die zwei Hauptfiguren den Karlsruhern immer präsent.

Es ist der 18. Januar 1871: Badens Großherzog Friedrich I. ruft den preußischen König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser aus. Diese Szene im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles bei Paris vor 150 Jahren hat bis heute große Bedeutung für die Nation und ist in Karlsruhes Stadtbild verewigt.

Den Hauptdarsteller der Reichsgründung unter preußischer Führung hat die Fächerstadt mit ihrem monumentalsten Denkmal 1897 geehrt. Ausgerechnet Wilhelm I., der als „der Kartätschenprinz“ 1849 Badens liberale Revolution blutig niederschlug, reitet auf dem Kaiserplatz hoch zu Ross in die Innenstadt.

Immerhin genießen inzwischen auch die durch eine Aktion von Schülern des Durlacher Markgrafen-Gymnasiums angestoßenen Erinnerungstafeln für die 27 jungen Badener, die Opfer der fürstlichen Reaktion wurden, Denkmalschutz.

Auch der politische Kopf der Reichsgründung von oben steht 2021 weiter auf offener Straße: Die überdimensionale Statue des Reichskanzlers Otto von Bismarck befindet sich allerdings heute an der nach ihm benannten City-Straße und vor dem seinen Namen tragenden Gymnasium etwas verborgen zwischen Bäumen.

150 Jahre nach dem Bau stehen wieder Gerüste am Vierordtbad

Diesen Männern, die in vordemokratischer Zeit und ganz besonders vor 150 Jahren über das Schicksal der Deutschen bestimmten, scheint in Karlsruhe auch künftig ihr Platz nicht streitig gemacht zu werden. Schließlich stehen sie als Kunst-Zeugen für Epochen der Geschichte im öffentlichen Raum.

Und so wird auch der vor exakt elf Jahren wegen des U-Strab-Baus verbannte Greif, das badische Wappentier und ein Symbol für die einst bedeutende Militärstadt Karlsruhe, wieder hoch oben auf dem Obelisken über dem Europaplatz landen. Das geflügelte Fabelwesen kehrt aber wegen all der Verzögerungen beim Stadtumbau allerdings 2021 noch nicht zurück.

1871 wurde auch mit dem Bau des Vierordtbads begonnen. Da scheint es ganz natürlich in der Baustellenstadt, dass an diesem Kleinod deutscher Badkultur 150 Jahre später wegen umfassender Sanierungsarbeiten wieder die Gerüste stehen.

Gedenken an die Synagogen

In jenem Jahr, das mit dem triumphalen Militärschlag gegen Frankreich eine blutige Gründung des Zweiten Reichs brachte, brannte die von Friedrich Weinbrenner gebaute Synagoge in der Kronenstraße ab. Ihr Nachfolgebau wurde dann 67 Jahre später am 9. November 1938 in der Pogromnacht von den Nazis zerstört. Und wiederum exakt vor 50 Jahren wurde 1971 die neue Synagoge im Wald beim Adenauerring eingeweiht.

150 Jahre alt wird 2021 das städtische Wasserwerk im Oberwald, direkt an der Südtangente. Übrigens ist Aue der Markgrafenstadt vorangegangen: Was den Durlachern erst 1938 mit der Eingemeindung passierte, das mussten die Auemer bereits vor 100 Jahren ertragen: Ihr Dorf wurde im August 1921 Durlach zugeschlagen.

Schon 100 Jahre vor der Deutschen Einigung von 1871 drehte das Rad der Geschichte mächtig an den Belangen Karlsruhes: Heute vor 250 Jahren wurde die Markgrafschaft Baden-Durlach mit der Markgrafschaft Baden-Baden zur Markgrafschaft Baden vereinigt. Und damit begann der große Aufstieg der Residenzstadt.

So galt Karlsruhe etwa als Hauptstadt des Großherzogtums Baden, das bei der Reichsgründung 1871 die Nummer fünf unter den deutschen Ländern war, als eine Top-Adresse bei den Adels- und Königshäusern Europas.

Vor 25 Jahren war die U-Strab tot

Ein Vierteljahrhundert gibt es die Nordstadt. Der Stadtteil entstand 1996 aus der vom US-Militär verlassenen Ami-Siedlung und der Hardtwaldsiedlung.

Etwas aber, was vor 25 Jahren geschah, hatte nicht lange Bestand: Die Karlsruher schmetterten 1996 die U-Strab per Bürgerentscheid ab. Doch sechs Jahre später setzten sich die U-Strab-Befürworter doch noch bei einem zweiten Volksentscheid mit der Kombilösung durch. Auf sie aber warten die Karlsruher bis heute. Ende 2021 aber soll nun die U-Strab losrollen und die Stadt umgebaut sein.

Und noch etwas zeichnet das Karlsruher Jahr 2021 aus: Am 1. März haben die BNN ein Jubiläum. Am 1. März 1946, also vor 75 Jahren, erschien die erste Ausgabe dieser Zeitung.

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