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Große Disziplin, großer Andrang

Karlsruher Marktbesucher nehmen es mit Corona-Regeln sehr genau

Maske und Abstand: Die Kundschaft auf den Wochenmärkten verhält sich meist vorbildlich. Manchmal allerdings ist der Andrang beängstigend groß.

Vorsicht: Auf den am Samstag stark frequentierten Märkten wie hier am Gutenbergplatz geht nichts ohne Maske. Händler und Kunden nehmen die Lage ernst. Foto: Jörg Donecker

Wer sich bewusst ernährt und seine Lebensmittel frisch auf dem Markt ersteht, geht auch mit Maskenpflicht und Corona-Abstand verantwortungsvoll um. Das ist zumindest die These von Jekaterina Lem-Schmitt. Geduldig steht sie auf dem Gutenbergplatz in der Schlange des Ettlinger Feinkosthändlers Eksi. Die Frischkäsepaste soll’s sein, 200 Gramm davon, wie die junge Mutter wissen lässt. Dafür muss sie gut und gern zehn Minuten warten. Und während sie das tut, kreuzen Dutzende anderer Marktgänger die Warteschlange.

Was kein Wunder ist, denn Jekaterina Lem-Schmitt hat zu ihrem Vordermann mehr als zwei Meter Abstand gelassen - was jetzt der ideale Durchschlupf für den ambulanten Querverkehr ist. Manche der Passanten entschuldigen sich bei der Frau mit dem Kinderwagen. „Es kann nicht viel passieren“, meint die und zupft ihre Mund-Nasen-Bedeckung zurecht. Denn es sei hier ja weit und breit niemand ohne Maske zu sehen.

Zum Trinken an den Rand

Das ist wahr. Auch vor der kleinen Theke der Kaffeerösterei Bono nicht. Hier warten elf Leute darauf, ein Heißgetränk „to go“ erstehen zu dürfen - selbstredend alle mit Maske. Sobald sie den erquickenden und dampfenden Muntermacher in Händen halten, bewegen sie sich meist ganz an den Rand des Geschehens.

Denn im Getümmel traut sich offenkundig niemand, die Maske zum Trinken herunterzuziehen. „Maske ist ja Vorschrift“, meint Sebastian Gleitop. Die Maskendisziplin erklärt er sich aber auch mit der Aussicht darauf, dass jeder, der hier keine trüge, von den anderen mit Nachdruck auf sein Fehlverhalten hingewiesen würde. „So stelle ich mir das wenigstens vor.“

Deutlicher Hinweis: Mit zahlreichen Plakaten macht die Stadt Karlsruhe auf die Maskenpflicht auf den Wochenmärkten aufmerksam. Foto: Jörg Donecker

Die Märkte sind gut bis sehr gut frequentiert am Samstag. Trauben von Menschen wünschen Weintrauben. Nicht nur auf dem Gutenbergplatz. Auch vor der Rüppurrer Christkönigskirche und im Herzen von Durlach machen sie gute Geschäfte. Das hat mehrere Gründe. „Das Wetter ist super“, nennt Simone, die hier Obst und Gemüse verkauft, einen davon.

Nie ist das Angebot besser

Ihre Standnachbarin erinnert ergänzend daran, dass die Restaurants sämtlich geschlossen sind. „Da besinnen sich dann viele auf ihre eigenen Kochkünste“, mutmaßt die Händlerin. Und eine nicht mehr ganz junge Kundin ergänzt, dass der Herbst ja ohnehin die beste Marktzeit sei: „Nie ist das Angebot so gut wie jetzt.“ Also gehen mehr Menschen als sonst auf den Markt, und es wird richtig eng. Da helfen dann nur Rücksichtnahme und Disziplin.

Ohne Wochenmarkt kann ich mir diese sonderbare Zeit überhaupt nicht vorstellen.
Denise Hartmann/Marktbesucherin

Den Beschickern jedenfalls kann man auf keinem der Märkte mangelnde Kommunikation vorwerfen: Überall haben sie Masken-Piktogramme aufgeklebt, alle paar Meter wird die Kundschaft per Sticker auf das Abstandsgebot hingewiesen. Und auch das städtische Marktamt nimmt die weiter wachsenden Infektionszahlen ernst: Per Flatterband sind auf dem Gutenbergplatz Einbahn-Korridore eingerichtet, Händler haben sie um Markierungen mit Klebeband erweitert.

Vor dem Stand des Käsehändlers Kirsch weist weißes Tape darauf hin, dass in vier Reihen bedient wird, und auch das Freiburger Team von „Schlossbergpilze“ verkauft seine Pfifferlinge und Morcheln hoch diszipliniert unter Beachtung von Abstand und Maskengebot.

Ein Stück Normalität

„Der Samstagsmarkt ist für mich ein Stück Normalität in diesen Zeiten“, meint Denise Hartmann, die vor dem Durlacher Rathaus geduldig am Pfälzer Dampfnudelstand wartet, bis sie an die Reihe kommt. Bei Ralf Gensheimer aus dem pfälzischen Offenbach hat sie gerade Endiviensalat erworben, jetzt sollen es noch ein paar Tomaten vom Früchteparadies Weiler sein. „Es wird kein großes Abendessen“, sagt sie, „wir sind nur zu zweit.“ Aber gerade deshalb müsse die Qualität stimmen. „Ohne Wochenmarkt kann ich mir diese sonderbare Zeit überhaupt nicht vorstellen.“

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