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Altkatholische Kirche

Karlsruher Pfarrer Markus Laibach setzt wegen Corona-Pandemie auf „Stärkungs-Gottesdienste“

Die Altkatholische Gemeinde plant so genannte Stärkungs-Gottesdienste. Sie wenden sich an Gläubige, denen die Corona-Pandemie besondere Probleme bereitet - etwa, weil Angehörige betroffen sind oder Einsamkeit zunimmt.

Neue Wege: Markus Laibach, Pfarrer der Altkatholischen Gemeinde, setzt auf sogenannte Stärkungs-Gottesdienste. Foto: Jörg Donecker

Die Altkatholische Gemeinde - sie ist nicht zu verwechseln mit den Piusbrüdern - hat in Karlsruhe eine lange Tradition. Seit September 2015 leitet sie Pfarrer Markus Laibach.

Die Altkatholiken sind demokratisch verfasst, die Priester unterliegen nicht dem Zölibat. Wegen der Corona-Pandemie hat sich die Gemeinde nun etwas neues ausgedacht.

Mit dem verheirateten Priester und Familienvater sprach BNN-Redakteur Wolfgang Voigt.

Am Samstag, 13. März, ist bei Ihnen ein Stärkungs-Gottesdienst geplant. Er wendet sich an Menschen, die unter den Folgen von Pandemie und Lockdown leiden. Wie kamen Sie auf die Idee?
Laibach

Die Idee wurde in unserer Gemeinde geboren. Sie speist sich aus der Erfahrung, dass Kirchen Orte sein können, wo Trauer und Schmerz, aber auch Hoffnung und Trost ihren Platz haben. Die Altkatholische Gemeinde ist immer sehr von der Präsenz geprägt.

Uns hat im Sommer sehr geholfen, dass wir auf unserem Außengelände Gottesdienst feiern können. Jetzt wollen wir in der verlängerten Lockdown-Situation die Möglichkeit bieten, dass die Menschen in einer angemessenen Form Gefühle und Gedanken ausdrücken können.

Inwiefern war Ihre Gemeinde bisher von Corona tangiert?
Laibach

Erfreulicherweise gab es keine schlimmen Situationen. Ich weiß von einzelnen Fällen, wo Menschen krank waren, aber es kam nicht zu schweren Verläufen. Es gab auch keine Infektionen durch das Gottesdienst-Geschehen. Wir haben von Anfang an auf Infektionsschutz geachtet, aber auch darauf, dass unsere Gottesdienste dem Anspruch eines Gottesdienstes dennoch gerecht werden.

Wie groß ist der Bedarf nach dem Format eines Stärkungs-Gottesdienstes?
Laibach

Ich finde es wichtig, Präsenz-Gottesdienste anzubieten - auch in Formen, die vereinfacht sind. Unsere Gemeinde hat traditionell einen recht guten Kirchenbesuch. Die Menschen wünschen Gottesdienst in Gemeinschaft. In der Adventszeit haben wir beispielsweise immer am Sonntag Abend eine sogenannte Lichtvesper dem Morgengottesdienst zur Seite gestellt. Wir hatten im November die ‘Nacht der Lichter’ - natürlich ohne Gesang und mit viel Abstand und mit vielen stimmungsvollen Elementen. Das hat gemeinsames Beten möglich gemacht.

Da ist der Weg nicht weit zum Stärkungs-Gottesdienst...
Laibach

...Tatsächlich hat uns diese Erfahrung zum Stärkungs-Gottesdienst motiviert. Wir bieten damit Formen einer einfachen Liturgie, die es ganz unterschiedlichen Menschen mit ihren individuellen Horizonten ermöglicht, ihren Schmerz und ihre Hoffnung auszudrücken.

Das klingt nach einem konfessionsübergreifenden Anliegen?
Laibach

Natürlich, und deshalb haben wir auch die evangelischen und römisch-katholischen Geschwister angefragt. Sie haben sehr positiv auf unsere Initiative reagiert. Die Ökumene ist in unserer Stadt ja oft nach Stadtteilen organisiert, hier am Mühlburger Tor gibt es eine lange ökumenische Tradition. Deshalb bieten wir zunächst für unseren Stadtteil eine ökumenische Feier in der Christuskirche an. Später können entsprechende Feiern auch in anderen Stadtteilen stattfinden.

Warum haben Sie den 13. März ausgewählt?
Laibach

Das ist das Wochenende des Sonntags ‘Laetare’. Er stellt in der österlichen Zeit die Hoffnung auf ein unbesiegbares Leben in den Mittelpunkt. Damit ist er für einen Stärkungs-Gottesdienst sehr geeignet. Wir haben den Samstagnachmittag, 16 Uhr, gewählt. Da können die Menschen nach einem Spaziergang in der Kirche haltmachen und teilnehmen.

Präsenz-Gottesdienste sind eine zweischneidige Sache: Einerseits lebt Kirche von Gemeinschaft, andererseits kann Gemeinschaft zu Corona-Zeiten die Verbreitung des Virus begünstigen.
Laibach

Wir sind als altkatholische Gemeinde demokratisch verfasst. Damit hat der Kirchenvorstand vor Ort die Pflicht, zu entscheiden. In diesem Kirchenvorstand sind Mediziner ebenso wie Juristen, die sich die Entscheidung nicht leichtgemacht haben. Wir haben für unsere Kirche wie für den Freibereich ein gutes Infektionsschutzkonzept. Dieses bietet eine Form zum Feiern. Ich glaube, Kirche muss die Kreativität aufbringen, bei allem Infektionsschutz auch um gute Präsenz-Angebote zu ringen. Ich will niemandem zu nahetreten, der anders entschieden hat, aber: Die Versuchung ist groß, sehr schnell abzusagen, wo es vielleicht auch je nach Kirchengebäude und Außengelände Alternativen gibt.

In der römisch-katholischen Kirche wird meist von oben nach unten entschieden. Empfinden Sie das demokratische Moment bei den Altkatholiken hier als vorteilhaft?
Laibach

Prinzipiell ist das positiv. Die Breite der Entscheidungsträgerinnen und -träger bei uns ist ein Segen. Schließlich ist ein Priester kein Mediziner oder Jurist. Natürlich kann es schmerzlich sein, wenn man selbst überstimmt wird. Die Gemeinde wird jedenfalls ernst genommen. Es geht uns darum, als Gemeinschaft in dieser Zeit einander beizustehen und stärkende Erfahrungen zu teilen.



Welche überraschenden spirituellen Erfahrungen während der Pandemie haben Sie in Ihrer Gemeinde gemacht?
Laibach

Die Intensität der Kontakte in dieser Zeit war überraschend. Es hat sich gezeigt, dass Gemeinde ein Netzwerk von Hoffnung sein kann. Es war schön zu sehen, wie auch unabhängig von mir als hauptamtlichem Seelsorger zum Beispiel Telefon-Netzwerke oder Online-Foren in der Gemeinde entstanden sind.

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