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Im Ernstfall

Karlsruher Tiernotruf: An wen sich Tierbesitzer im Notfall wenden und wann sie es lieber lassen sollten

Wenn der Hund oder die Katze kränkelt, gehen bei vielen Karlsruher Tierbesitzern die Alarmglocken an. Wie erreichen sie nachts einen Tierarzt und handelt es sich wirklich um einen Notfall?

19.06.2018, Bayern, München: Eine Tierärztin verbindet bei einem Erste-Hilfe-Kurs für Notfälle bei Haustieren bei Hund Max eine Pfote. (zu dpa "Notfall mit Fifi - Tierärzte schulen Hotelmitarbeiter" vom 27.06.2018) Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Wetterabhängig: Wenn viele Hunde draußen unterwegs sind, ist in den Tierarztpraxen mehr los. Foto: Sven Hoppe picture alliance/dpa

Es ist mitten in der Nacht und der Hund winselt vor Schmerzen oder die Katze taucht abends mit einer offenen Wunde auf. Was nun? Die Karlsruher Tierärzte haben sich gemeinsam organisiert, damit im Notfall immer ein Arzt erreichbar ist. Aber nicht jede Krankheit muss nachts behandelt werden, denn das kann auch teuer werden.

Unser Redaktionsmitglied Sidney-Marie Schiefer beantwortet die wichtigsten Fragen zum Tierärztlichen Notdienst.

Wie ist der Tiernotdienst in Karlsruhe organisiert?

Der Tierärztliche Notdienst ist in Karlsruhe rund um die Uhr zu erreichen. Dafür ziehen alle Praxen im Landkreis an einem Strang. Jede Nacht und jeden Samstag und Sonntag ist ein anderes Team im Dienst. So auch Tierärztin Susanne Arndt vom Kleintierzentrum Karlsruhe-Durlach. Ihr Mann Sven Jan Arndt ist Geschäftsführer und hat online Informationen über den Notdienst zusammengestellt. Er sagt: „In Karlsruhe sind wir organisierter als in anderen Landkreisen.“ Anderswo gäbe es teils drei verschiedene Rufnummern.

Wie erreichen Karlsruher den tierärztlichen Notdienst?

Im Notfall erfahren Kleintierbesitzer unter der Nummer (07 21) 49 55 66 welche Praxis Notdienst hat. Unter der Nummer hören die Anrufer eine Bandansage von dem Karlsruher Tierarzt Hannes Spörle, er informiert welche Praxis geöffnet hat. Am vergangenen Wochenende waren nur Karlsruher Ärzte im Dienst. Teils müssen die Betroffenen aber mit einer langen Anfahrt rechnen, wenn sie beispielsweise von Karlsruhe nach Bruchsal müssen.

Was ist dann das weitere Vorgehen?

Karlsruher sollten den zuständigen Tierarzt telefonisch informieren, bevor sie sich auf den Weg machen. Dann kann der Arzt alles vorbereiten. Trotz Stress sollte die Anreise in Ruhe geschehen, damit keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Außerdem sollten die Tierhalter eine Transportbox einpacken.

Wie viel ist dort los?

„Bis 22 oder 23 Uhr sind die Praxen gut besucht, danach ist der Andrang überschaubar“, sagt Arndt. Die Tiere werden nach der Dringlichkeit ihrer Beschwerden behandelt.

Welche Tiere kommen meistens wegen Notfällen?

Zu jeweils 40 Prozent seien es Katzen oder Hunde, schätzt Arndt. Bei den Kleintieren seien es vor allem Kaninchen, die wegen Problemen mit der Verdauung kommen. „Das ist aber auch immer ein Notfall“, sagt Arndt. Wenn Kaninchen Nahrung verweigern, ist das lebensbedrohlich.

War im heißen Sommer mehr los?

„In diesem Jahr nicht“, sagt Arndt. Er vermutet, dass es vielen Tierbesitzern zu heiß war und sie mit ihren Hunden weniger rausgegangen sind. Das ist auch gar nicht so falsch, denn vor allem „Kurznasen“ wie Bulldoggen leiden unter der Hitze. Für den Notfall halten Tierärzte Kühlwesten bereit. Wenn die Tiere weniger draußen sind, komme es außerdem zu weniger anderen Notfällen wie Bissverletzungen.

Wann handelt es sich um einen Notfall?

Hier ein paar Beispiele: Bei einer offenen Wunde, einem verschluckten Fremdkörper oder einer Verbrühung sollte auf jeden Fall ein Tierarzt aufgesucht werden. Auch eine Katze, die sich bei einem Sturz verletzt hat, kann ein Notfall sein. Verschlechtert sich der Allgemeinzustand von einem Hund, hat er einen aufgetriebenen Bauch, ist das auch ein Notfall. „Eine Magendrehung ist für einen Hund sehr gefährlich“, weiß Arndt.

Was passiert, wenn am Wochenende ein Tier stirbt?

Dann stehen in den Praxen Kühlboxen bereit. Dort kann das Tier aufbewahrt werden, bis sich der Besitzer entschieden hat, wie er weiter vorgehen möchte. Er müsse sich also nicht am Wochenende um einen Bestatter kümmern, erklärt Arndt.

Wann ist es kein Notfall?

Ein Zeckenbiss ist kein Notfall und wenn der Hund sich den ganzen Tag übergibt, sollte das nicht erst im Notdienst behandelt werden. Sven Jan Arndt kennt beide Situationen aus der Praxis. Den Notdienst in Beschlag zu nehmen, um der Wartezeit tagsüber zu entgehen, sei zudem für alle Beteiligten ärgerlich. Denn der Einsatz ist nicht günstig.

Was kostet der Notdienst?

Seit 2020 müssen Tierhalter eine Notdienstpauschale in Höhe von 50 Euro zahlen. Außerdem darf der behandelnde Arzt das Vierfache des regulären Gebührensatzes abrechnen.

Service

Im Notfall erfahren Kleintierbesitzer unter der Nummer (07 21) 49 55 66 welche Praxis Notdienst hat. Die Kleintierklinik Ettlingen hat zudem rund um die Uhr für Notfälle geöffnet: (0 72 43) 77 9 77.



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