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Trotz Corona Planungen für 2021

Mitglieder des Karlsruher Weihnachtscircus schlagen sich mit Aushilfsjobs durch

Normalerweise würde auf dem Karlsruher Messplatz Mitte Dezember längst weithin sichtbar das rot-gelbe Zelt des Weihnachtscircus stehen. Im Corona-Jahr ist alles anders. Ein Teil der Zirkusmacher plant zumindest für das Jahr 2021.

Unfreiwilliges Heimspiel: Die Zirkusfamilie Sperlich sitzt zuhause in Waldenburg statt auf dem Messplatz. Chef Joachim Sperlich (links) plant mit Schwiegersohn Gino Kaselowsky, seinen Söhnen Maik und René sowie Schwiegertochter Geraldine schon für 2021. Foto: Kevin Leppien

Im schillernden Kostüm haben viele Karlsruher Giovanni Biasini in den vergangenen Jahren erlebt. Als Ansager begleitet er rund um die Feiertage den Karlsruher Weihnachtscircus. Zwischen Frühjahr und Herbst tourt er mit dem ebenfalls von der Zirkusfamilie Sperlich produzierten Zirkus des Horrors durch Deutschland. 2020 war alles anders.

Das Mikrofon musste er in diesem Jahr gegen die Gartenschere tauschen. In einem kleinen Freizeitpark schlug sich Biasini als Gärtner durch. Das Zirkuszelt bleibt verpackt am Firmensitz in Waldenburg. Unterkriegen lasse man sich trotz aller Rückschläge nicht, verspricht Pressesprecher Kevin Leppien. Die Arbeit am Programm für 2021 hat schon begonnen. Und ganz verzichten müssen die Karlsruher auf den Weihnachtscircus nicht.

Shows aus den vergangenen Jahren via Youtube

Am Wochenende vor und an den beiden nach Weihnachten zeigt der Weihnachtscircus Aufzeichnungen von Shows aus den vergangenen Jahren kostenlos über Youtube. Die Streams beginnen jeweils samstags um 19.30 und sonntags um 15.30 Uhr.

„So wollen wir ein kleines Stückchen Weihnachtscircus nach Hause bringen und uns für die vielen Zuschriften und Durchhalteparolen bedanken“, erklärt Leppien. Nichts zu tun habe man hingegen mit Spendensammlern, die angeblich für den Zirkus in Karlsruhe unterwegs waren. „Das ist betrügerisch, uns ist damit nicht geholfen.“ Das Zirkusteam hat Anzeige erstattet.

„Emotional war das ein ganz schweres Jahr“, sagt Leppien. Der erste Lockdown hatte die Zirkustruppe kalt erwischt. In Saarbrücken stand schon das Zelt, die neue Spielzeit des Zirkus des Horrors sollte gerade Fahrt aufnehmen. Dann kam das Spielverbot.

Der Glaube an einen Neustart nach zwei, vielleicht drei Monaten schwand früh. Viele der freischaffenden Ensemble-Mitglieder suchten nach Alternativen. Ein Artist verdiente sich auf einem Bauernhof im Allgäu Geld beim Kühe melken, mittlerweile arbeitet er in einer Münchner Backstube. Die Licht- und Tontechniker fuhren für Bauern Gemüse aus.

Hoffnung auf Zirkus-Neustart im März

Als die Infektionszahlen zurückgingen, kam im Sommer Hoffnung auf, dass wenigstens der Weihnachtscircus mit Einschränkungen über die Bühne geht. Die Verantwortlichen erstellten Konzepte, schraubten am Programm. Sogar der Ticketvorverkauf startete, ehe das Team am 20. Oktober die Reißleine zog. „Es gab für uns wenig Licht am Ende des Tunnels“, berichtet Leppien. Nun klammert man sich an die Aussage von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Veranstalter sollten doch für die zweite Hälfte des kommenden Jahres planen.

Die Zirkusfamilie Sperlich hofft sogar auf einen früheren Start. Im März will man mit dem Zirkus des Horrors in Berlin in die neue Spielzeit starten – mit ausgefeiltem Hygienekonzept und weniger Zuschauern. Auch über den Einsatz von Antigen-Schnelltests hat man schon nachgedacht. Sollten die verfügbar sein, sei man dafür offen, so Leppien.

Der Glaube an einen pünktlichen Start hält sich allerdings in Grenzen, das wird im Gespräch zwischen den Zeilen deutlich. Eine Verschiebung sei möglich, vor der Sommerpause ist neben dem zweimonatigen Gastspiel in der Bundeshauptstadt nur ein weiteres in Hamburg vorgesehen.

Programm für 2021 steht schon in Teilen

In gut einem Jahr will die Zirkustruppe dann mit seinem rot-gelben Zelt auf den Karlsruher Messplatz zurückkehren. Ein Teil des Programms steht schon heute. „Wir hatten mit vielen Künstlern Verträge gemacht, die bei einer Absage auch für 2021 gelten“, erklärt Leppien. Fest stehen damit ausschließlich Artisten, die noch nie in der Karlsruher Manege standen. Es ist aber gut möglich, dass bekannte Gesichter mit dabei sind, verrät der Zirkussprecher. „Eine Truppe hat die Zeit genutzt, um an einer neuen Nummer zu arbeiten. Da stehen wir in Kontakt.“

Fast 2.000 Tickets hatte man vor der Absage der diesjährigen Spielzeit schon verkauft. Etwa 200 wurden zurückgegeben. „Einige Stammbesucher haben uns gesagt, dass sie die Gebühr spenden wollen“, sagt Leppien. Wer das nicht möchte, kann seine Karten alternativ auch gegen neue eintauschen, wenn wahrscheinlich im August der Vorverkauf für die Spielzeit im Jahr 2021 beginnt. Bis dahin will Giovanni Biasini die Gartenschere auch wieder gegen sein Kostüm tauschen.

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