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Hoffnung auf 2021

Kein „Fest” in Karlsruhe: Der Hügel bleibt dieses Wochenende leer

Der Hügel bleibt leer: Das für dieses Wochenende eigentlich geplante Fest in der Günther-Klotz-Anlage fällt wegen Corona aus.

Allein auf dem Hügel: Martin Wacker organisiert seit Jahren Das Fest. Dieses Jahr fällt das Open Air wegen Corona aus. Foto: Jörg Donecker

Einer von 80 Millionen? Nö. Und auch nicht einer von sonst 45.000 Menschen am Hügel: Als Martin Wacker zum BNN-Interview auf der höchsten Stelle der Günther-Klotz-Anlage eintrifft, ist es dort ziemlich einsam. Nur wenige Menschen sind auf dem Areal unterwegs, auf dem an diesem Wochenende eigentlich „Das Fest” stattfinden sollte. Corona verhindert das. In der Klotze ist jetzt keine Party angesagt.

Bikini statt Büro-Container

Wacker, der seit Jahren das große Karlsruher Open Air organisiert, ist in ein Das Fest-T-Shirt geschlüpft und blickt von oben auf das Gelände. „Da stünde die Hauptbühne, dort der Container mit meinem Büro...”

Akzent zu später Stunde: Der Hügel erstrahlte am Donnerstag rot. Zuletzt richteten bundesweit Veranstalter unter der Überschrift „Night of light” einen Appell und Hilferuf an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft. Foto: Jörg Donecker

Nun sonnt sich eine Frau im Bikini am Fuße des Mount Klotz. Zwei Radler fahren die Alb entlang. Auf dem Kinderspielplatz quietscht eine Schaukel, von der Südtangente ist Autolärm zu hören. Der Rasen ist ausgetrocknet und gelb. „Normal verlegen wir kilometerlange Leitungen und bewässern im Vorfeld vom Fest das Grün. Das fiel dieses Jahr aus”, so Wacker.

Wo er steht, würden eigentlich Zehntausende an diesem Wochenende Künstler wie Joris und Passenger feiern. Die Musiker bleiben daheim. Sie reisen 2021 an. Dann soll das für dieses Jahr geplante Fest-Programm komplett nachgeholt und wieder am Hügel gefeiert werden.

Sonst kommen 250.000 Menschen zum „Fest”

„Wir bekommen zahlreiche Mails, in denen uns Fest-Fans schreiben, dass ihnen diesen Sommer etwas fehlt”, berichtet Wacker.

„Das Fest” ist schließlich nicht nur das größte Kulturfestival in der Stadt, sondern auch ein wichtiger Ort der Begegnung. Viele Karlsruher, die längst in anderen Städten leben, nehmen zum Teil weite Anreisen in Kauf, um am Hügel alte Bekannte zu treffen.

Bis zu 250.000 Menschen versammeln sich im Schnitt beim Fest und dem Vor-Fest. „Einige wollen jetzt zumindest im ganz kleinen Stil daheim im Garten eine Party feiern”, weiß Wacker aus Nachrichten, die ihn erreichen. Einige baten ihn um Poster für die Fest-Deko daheim.

Das Fest-Team selbst ist an diesem Freitag in Durlach im Einsatz. Fest-Partner Ikea spendete Möbel für die AWO, die Wacker mit seinen Leuten aufbaut. Am Samstag wird dann - mit dem nötigem Abstand - gegrillt, nicht in der Klotze, versteht sich.

Das Entenrennen gab´s dennoch

Man hört zusammen die Fest-Sondersendung auf SWR3 und besucht später den „Eigentlich wäre heute Das Fest“-Abend im Tollhaus. Und am Sonntag kommentiert Wacker das Entenrennen, das dieses Jahr bereits vorab aufgezeichnet und nun online ausgestrahlt wird. Zu sehen gibt es den Live-Kommentar mit Auftritten der Karlsruher Band Destiny Unknown und dem Künstler Sascha Kart ab Sonntag, 18 Uhr, auf www.entenrennen-ka.de .

In der Klotze gibt es keine Fest-Aktivitäten, aber eine Botschaft an den Laternenmasten: „Das Fest-Team grüßt seine Fans. Wir vermissen Euch! 2021 rocken wir wieder gemeinsam den Hügel”, steht auf an den Bannern.

Das Fest-Team hat sich einige Aktionen überlegt. In der City ist bis Ende August zum Beispiel mittwochs und samstags der rote „Das Fest”-Citymobil unterwegs. Bands aus der Region finden dort eine Bühne. „Es ist uns wichtig, den Künstlern diese Möglichkeit zu geben”, sagt Wacker.

Beim Fest sorgen 1.000 Mitarbeiter für Technik, Infrastruktur und Sicherheit. Darüber hinaus stehen 1.000 Musiker und Kleinkünstler auf der Bühne. Ihnen fehlen jetzt die Zuschauer - und vielen nicht zuletzt die Einnahmen.

Genau 2020 Solidaritäts-Shirts erhältlich

Das Fest-Team verkaufte nach der coronabedingten Absage des Festivals zum symbolischen Preis von 20,20 Euro genau 2.020 Solidaritäts-T-Shirts. Nun soll Geld an das Substage, das Tollhaus und den Sau e.V. und damit an die Alte Hackerei fließen. Kunst und Kultur fördern, das ist den jetzt selbst ausgebremsten Festival-Machern wichtig.

Die Klotze ist für sie in normalen Fest-Zeiten für einige Wochen Arbeits- und Wohnzimmer. Schon acht Wochen vorher startet der Aufbau. In diesem Jahr gibt es wenige Einsätze in der Klotze. Am späten Mittwoch ließ das Wacker-Team den Hügel rot strahlen.

Zuletzt gab es bundesweit ähnliche Aktionen, um auf die Sorgen und Nöte der Veranstalter hinzuweisen. Ein weiterer Einsatz steht noch an: Auch wenn es keine DJ-Bühne gibt, muss der Modellboot-See doch turnusgemäß abgelassen werden. „Da helfen wir sonst auch mit”, sagt Wacker.

Hoffnung aufs nächste Jahr

Er sagt offen: „Ein bisschen unwirklich ist das gerade alles.” Dass zudem jetzt quasi ideales Fest-Wetter - nicht zu heiß, nicht zu kalt, leichter Wind, kein Gewitter - wäre: Geschenkt.

Wacker meint: „Gefühlsmäßig befinde ich mich in einem Dreifach-Zustand: „Da sind Trauer, Dankbarkeit und Entschlossenheit.” Dankbar ist er für die Solidarität der Besucher und Partner. Und dafür, dass die gebuchten Künstler inklusive der Top-Acts 2021 allesamt ihr Kommen für 2021 zugesagt haben.

Da kommt dann die Entschlossenheit ins Spiel. „Wir wollen 2021 wieder unser Bestes geben.” Und am Hügel feiern. Die Fest-Fans wollen das offenkundig auch: Von den bereits verkauften 100.000 Tickets - die 2021 ihre Gültigkeit behalten - wurden nicht einmal 100 zurückgegeben.

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