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Eltern erleben eine Hängepartie

Kitas und Schulen in Karlsruhe bereiten Notbetreuung vor

Noch unter Vorbehalt steht der erste Tag nach der Ankündigung des erneuten Lockdowns auch für Karlsruhes Schulen und Kitas. Um an die Notbetreuung für Kinder arbeitsbedingt unabkömmlicher Eltern einen Haken zu setzen, fehlen noch wichtige Vorgaben.

Betreuung für den Notfall: Die Karlsruher Kindertagesstätten organisieren derzeit, dass Eltern, die nachweislich arbeiten müssen, ihre kleinen Kinder tagsüber gut versorgt wissen. Foto: Jörg Donecker

Nur noch am Dienstag sehen Henri, Raik und Erik ihre kleinen Freunde in der Kita. Und für den Zweitklässler Jonathan sind plötzlich schon Weihnachtsferien. Karlsruhes Kindertagesstätten gehen in den zweiten Lockdown, ebenso wie die rund 90 öffent­li­chen und die privaten Schulen in der Stadt. Viele Mütter und Väter bringt das mächtig in die Klemme.

Dass schon wieder die Betreuung für ihre zwei und fünf Jahre alten Jungs wegfällt, nennt Katharina Schmitt aus der Weststadt „eine echte Katastrophe“. Besonders fehlt die Bewegungsfreiheit in der Kita: „Die Kinder toben zuhause dermaßen rum, dass ich dauernd gucken muss, dass beide heil bleiben.“ Wegen Kurzarbeit musste die Apothekerin Resturlaub und Überstunden komplett abbauen: „Urlaub habe ich jetzt nicht mehr.“

Notbetreuung für den kleinen Bruder?

Jonathan geht in die Gartenschule und ist mit dem kleinen Bruder Henri in der Südweststadt daheim. Zehn Tage früher Weihnachtspause – das stemmen ihre Eltern, beide systemrelevant berufstätig, mit Ach und Krach. Einen Tag Urlaub nimmt der Vater, und ein Bruder springt ein. Henri soll vielleicht in die Notbetreuung gehen, sagt die Mutter: „Wir erinnern uns, wie extrem anstrengend die Familiensituation über Ostern war.“

Ein Vater eines Vierjährigen erlebt derzeit eine nervenaufreibende Hängepartie. Der Arbeitgeber weigert sich, ihm freizugeben, aber erledigen soll er seine Arbeit weiter im Homeoffice. Zurück ins Büro darf er nicht. Da die Mutter ebenfalls unabkömmlich arbeitet, sieht er sich geistig schon vor der unmöglichen Situation, gleichzeitig seinen Vollzeitjob zu erfüllen und die Betreuung seines lebhaften Jungen zu leisten.

Vater ringt mit dem Arbeitgeber

Die Maßgabe des Kultusministeriums sagt klar: Anspruch auf Notbetreuung haben Kinder, bei denen beide Erziehungsberechtigte beziehungsweise die oder der Alleinerziehende von ihrem Arbeitgeber als unabkömmlich gelten. Dies gilt für Präsenzarbeitsplätze und Home-Office-Arbeitsplätze gleichermaßen. Auf dieser Grundlage ringt der Karlsruher kurz vor dem Lockdown mit seinem auswärtigen Arbeitgeber.

Noch feilen die Träger der Kitas an der Notbetreuung. Für die städtischen Einrichtungen zuständig ist Elke König. Noch sei unklar, wie es ab Mittwoch laufen soll: „Die Orientierungshilfe aus dem Ministerium fehlt noch.“ Das große Fragezeichen: Gibt es noch andere Einschränkungen als bisher bekannt? Wenn nicht, ist König optimistisch: „Es sollte gelingen, bisher scheint alles zu klappen.“ Mindestens zwei Fachkräfte pro Einrichtung sind dann anwesend, um Kinder zu betreuen, deren Eltern eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung vom Arbeitgeber haben.

Nachfrage für Schüler startet schwach

Fünft- und Sechstklässler allein zu Haus – dabei ist vielen Eltern nicht wohl. Die Schulen haben ihre Mailabfrage am Montagvormittag gestartet, antworten kann man bis Dienstagvormittag. „Wir haben bisher keine einzige Inanspruchnahme“, berichtet am Montagnachmittag Klaus Kühn. Einblick in die anderen Karlsruher Grundschulen hat der Leiter der Pestalozzischule in Durlach und geschäftsführende Leiter der Grundschulen in der Stadt zu dem Zeitpunkt nicht. Doch er weiß: „Bei den Eltern sind die Sorgen groß.“ Es gab Corona-Fälle, mehrere Klassen und Lehrer waren in Quarantäne. Und auch Notbetreuung bedeutet Ansteckungsrisiko.

Dagmar Ehret aus Grötzingen hat Kinder in der zehnten, elften und zwölften Klasse im Gymnasium. „Mein Jüngster hat plötzlich Ferien, für die älteren geht es mit Online-Unterricht weiter. Ich kann nicht verstehen, dass sie es nicht schaffen, alle digital zu unterrichten. Das wäre doch auch eine Chance, zu sehen, ob das jetzt klappt.“ Uwe Müller, Direktor des Max-Planck-Gymnasiums und geschäftsführender Schulleiter dieses Schultyps, gibt ihr Recht. „Aus der Perspektive der Gymnasien wäre das kein Problem“, sagt er. Auch Kühn findet: „An den Grundschulen wäre digitaler Unterricht noch bis Ende der Woche möglich gewesen. Wir sind zunehmend gut ausgestattet, im Digitalen hat sich viel verändert. Sogar für Erstklässler gibt es Lernpakete.“

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