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Neue Corona-Regeln fürs Nachtleben

Kneipengänger in Karlsruhe äußern Verständnis und Kritik für Corona-bedingte Sperrstunde

In Karlsruhe müssen Bars und Restaurants ab Sonntag um 23 Uhr schließen. Ein nächtlicher Besuch auf dem Ludwigsplatz zeigt, dass viele den Schritt verstehen. Sie berichten von zunehmender Sorglosigkeit zu späterer Stunde. Doch es gibt auch Kritik.

Gute Stimmung: Im Aposto ist am Samstag auch um 23.30 Uhr noch viel los. Eine halbe Stunde später ist das Restaurant am Ludwigsplatz leer, weil die neue Allgemeinverfügung der Stadt in Kraft tritt. Foto: jodo

Am Karlsruher Bar-Hotspot Ludwigsplatz gehen am Samstag um Mitternacht die Türen zu. Schirme werden eingeklappt, Stühle hochgestellt. In diesem Moment tritt die neue Allgemeinverfügung der Stadt in Kraft – und damit auch eine Sperrstunde, die künftig schon ab 23 Uhr gilt.

Die Vorgabe sorgte bei Besuchern den ganzen Abend für heiße Diskussionen. Für viele Betreiber und Mitarbeiter ist der Schritt verständlich. Sie berichten von zunehmender Sorglosigkeit und nachlassender Disziplin der Gäste. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Und immer wieder schwingt die Sorge vor einem erneuten Lockdown mit.

Verunsicherung ist seit Freitag zu spüren

Um 22 Uhr ist die Lage am Ludwigsplatz fast normal. Bars und Restaurants sind gut besucht, viele Plätze im Freien sind trotz einstelliger Temperaturen belegt.

Bei uns ist jede dritte Reservierung ohne Absage weg geblieben.
Sven Walter, Betriebsleiter Enchilada

„Man spürt die Unsicherheit aber schon seit gestern“, berichtet Sven Walter, der Betriebsleiter des Enchilada. „Bei uns ist jede dritte Reservierung ohne Absage weg geblieben.“

Ruth und Axel sind trotz veränderter Regeln auf den Ludwigsplatz gekommen. Das Ehepaar sitzt im Außenbereich des Aposto. „So ist es für uns okay. Aber wir sind vorsichtig, nach drinnen würden wir nicht gehen“, sagt Axel. „Ich genieße das Nachtleben. Trotzdem habe ich volles Verständnis für die Sperrstunde. Es muss etwas passieren.“

Jetzt ziehen sich viele sicher in private Räume zurück.
Lara, Gast im Aposto

Lara hält die verordnete Schließzeit hingegen nicht für den richtigen Weg. Die junge Frau ist mit drei Freundinnen in der Stadt. Die Gruppe ist oft bis spät in der Nacht unterwegs. „Das Virus macht doch nicht um 23 Uhr Feierabend“, argumentiert sie. „Jetzt ziehen sich viele sicher in private Räume zurück.“

Sorge vor einem erneuten Lockdown

Ganz glücklich ist Stefan Bernas mit der städtischen Anordnung nicht. Der Betriebsleiter des Aposto steht selbst den ganzen Abend an der Tür, weist Gäste auf die Maskenpflicht hin, überwacht die Belegung der Tische.

Er verweist auf Hygienekonzepte in Bars und Restaurants. „Wir sind da von Anfang an sehr streng. Im Privaten ist keine Kontrolle mehr da.“ Trotzdem sei die neue Einschränkung verschmerzbar und teilweise sogar verständlich. „Dass es weiter eingeschränkt wird oder sogar ein Lockdown kommt, glaube ich aber nicht. Das ist nicht leistbar“, sagt er.

Die Fahrlässigkeit hat quer durch alle Altersgruppen zugenommen.
Pam, Schichtleiterin Lehners

Mehmet ist hingegen nicht so sicher, dass keine weiteren Beschränkungen zurückkommen. Der junge Mann sitzt kurz vor 23 Uhr mit vier Freunden im Aposto. Die Sperrstunde sorgt sogar in der Gruppe für Diskussionen.

„Es ist okay. Man muss etwas machen“, findet Mehmet. Lieber reiße man sich vier, fünf Monate zusammen und dann gehe wieder richtig was. „Quatsch“, widerspricht sein Kumpel. „Ob 23 oder 1 Uhr – was macht das schon für einen Unterschied?“

Mit späterer Stunde wächst die Sorglosigkeit

Die Frage ist immer wieder zu hören, wenn man sich mit Menschen auf dem Ludwigsplatz unterhält. „Wir merken, dass die Disziplin leidet, je später es wird. Man muss viel mehr ermahnen“, berichtet aber Enchilada-Betriebsleiter Walter.

„Die Fahrlässigkeit hat quer durch alle Altersgruppen zugenommen“, ergänzt Pam, die am Samstag als Schichtleiterin im Lehners arbeitet. „Bei manchen nervt es besonders, weil sie sich absichtlich nicht an Regeln halten.“

Es ist ein deutliches Signal und darum geht es.
Kaan, Gast im Aposto

Kaan sitzt eine halbe Stunde vor Mitternacht im noch immer gut gefüllten Aposto. Über die Startzeit der Sperrstunde will er sich gar keine Gedanken machen. „Ob das in dieser Form Sinn macht, sei dahingestellt. Aber es ist ein deutliches Signal und darum geht es“, meint er.

Viele hätten die Situation zuletzt auf die leichte Schulter genommen, das sei nun die Folge davon. Zwei Tische weiter kann Alwina sich so gar nicht mit dem Gedanken an eine Sperrstunde anfreunden. „Das hat so keinen Sinn. In Bars und Restaurants wären die Regeln viel besser zu kontrollieren“, sagt sie.

Was passiert nach der Sperrstunde?

Für viele Gäste tickt nun die Uhr. Sie bestellen ihre letzte Runde. Immer wieder fragen neue Besucher, wie lange noch offen ist. Vor der Shotz-Bar weist ein Türsteher zehn Minuten vor zwölf eine Vierergruppe ab. „Feierabend“, sagt er. Auch vor dem La Cage hat sich ein Sicherheitsmann aufgebaut.

In anderen Restaurants sammeln Mitarbeiter schon die Karten von den Tischen und klappen Schirme ein. Pünktlich um Mitternacht strömen in den meisten Läden die letzten Gäste aus der Tür. Auch in anderen Teilen der Stadt gab es mit dem Inkrafttreten der Allgemeinverfügung keine Probleme, berichtet die Polizei auf Nachfrage der BNN.

Auf dem Ludwigsplatz stehen viele kleinere und größere Gruppen auch zehn, 15 Minuten nach Mitternacht noch zusammen. Einige machen sich auf den Weg. Wohin, bleibt unklar.

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