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Sonderzug durch den Tunnel

Kombilösung eröffnet: „Das ist der erste Schritt in ein neues Karlsruhe“

Es ist kurz vor Zwölf, als die Karlsruher Kombilösung am Samstag in Betrieb geht. Mit einem Sonderzug dürfen zunächst zahlreiche Promis durch den Karlsruher Untergrund fahren.

Ran an die Schere: In der unterirdischen Haltestelle am Marktplatz durchschnitten Vertreter der Politik das rote Band. Foto: Rake Hora /BNN

Es ist nicht fünf, sondern exakt sechs Minuten vor 12 Uhr, als das rote Band in Stücke geschnippelt wird: Mit der Schere in der Hand eröffnen am Samstag Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und für den Bund Verkehrsstaatssekretär Michael Theurer (FDP) offiziell die Kombilösung.

Alphörner erklingen, Journalisten filmen. Doch wegen Corona wird der große Moment beim Festakt in der Haltestelle unter dem Marktplatz im kleinen Kreis begangen.

Die große Sause wird nachgeholt, versichert Mentrup, als er mit dem gesamten Tross in einen Sonderzug steigt. Ende April, wenn auch der Autotunnel unter der Kriegsstraße fertig ist, soll ein Bürgerfest steigen.

Sonderzug zur Eröffnung der Kombilösung

Jetzt muss es eine Nummer kleiner gehen. Fahrer Khaled El-Jaouni steuert den Sonderzug in Richtung Osten. Es geht über den Kronenplatz zum Durlacher Tor, dort die Rampe hoch. „Das ist das Verblüffende am Tunnel: Kaum drin, ist man schon raus“, scherzt der Oberbürgermeister. Er sagt: „Man kann es gar nicht fassen, aber heute geht es wirklich los.“

Das ist das Verblüffende am Tunnel: Kaum drin, ist man schon raus.
Frank Mentrup, Karlsruher Oberbürgermeister

Nahverkehrschef Alexander Pischon fasst es zusammen: „Wir sind am Ende eines langen Weges.“ Viel Schweiß sei geflossen – und auch die eine oder andere Träne. Das Ganze hat sich aber gelohnt, ist Theurer sicher.

Er sieht in der Kombilösung ein neues Kapitel für den ÖPNV. Der Liberale, der seinen Bundestagswahlkreis in Karlsruhe hat, blickte aus seinem Büro oft auf die Kaiserstraße, wie er berichtet. „Pro Minute fuhr eine Bahn pro Richtung.“ Ohne diese Züge sei das Flanieren sicherer. „Und es ist eine 1.000 Meter lange echte Fußgängerzone.“ Nach Corona gebe es die Chance, all dies mit Handel, Gastro und Kultur zu bespielen.

Mentrup bringt Spaten aus dem Jahr 2010 zur Eröffnung

Ein Mix, der auch Hermann vorschwebt. „Es geht nicht um eine Konsumentenrennbahn.“ Der Minister schwärmt von den Optionen, die sich auftun. Karlsruhe will sie nutzen, daran lässt Mentrup keinen Zweifel. „Das ist der erste Schritt in ein neues Karlsruhe.“

Am großen Tag geht der Blick aber nicht nur nach vorne, sondern ebenso zurück. Mentrup packt einen Spaten aus, mit dem im Januar 2010 symbolisch zum Start des Kombibaus ins Erdreich gestochen wurde. Damals standen sich Befürworter und Gegner des Projekts ziemlich unversöhnlich gegenüber. „Die Bürgerschaft war gespalten, auch in meiner Partei gab es viel Kritik an dem Vorhaben“, erinnert sich Minister Hermann.

Er rät: Rational streiten, ja. Glaubensfragen seien aber nicht angebracht. Wenn eine Entscheidung gefallen sei, müsse die akzeptiert werden. Und rückblickend sei die Sache ihr Geld wert.

So schön können Haltestellen sein..
Winfried Hermann, Verkehrsminister

Hermann erinnert, dass das Land mehr gibt als ursprünglich gedacht: 20 Prozent der förderfähigen Kosten werden übernommen, ein Deckel des Betrags wurde aufgehoben. Mentrup lächelt. Die Debatte um die Förderung sei ein heißer Ritt gewesen.

Der Sonderzug gleitet ziemlich geräuschlos durch die Erde. Mit an Bord sind die Alt-Oberbürgermeister Gerhard Seiler und Heinz Fenrich (CDU), die beide für das Projekt gekämpft haben. Dieser Samstag ist auch ihr großer Tag. Der Wagen dreht im Betriebshof Ost, es geht zurück zum Marktplatz. Unter der Pyramide steigen alle aus. Hermann strahlt: „So schön können Haltestellen sein.“

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