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Straßenbahntunnel und Autotunnel

Kombilösung Karlsruhe: Alle Infos zum Milliarden-Projekt vor der Fertigstellung 2021

Über zehn Jahre halten die Baustellen für die Kombilösung Karlsruhe die Bürger in Atem. Dabei sollen ein Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße sowie ein Autotunnel unter der Kriegsstraße entstehen. Alles zum Milliarden-Projekt im Überblick.

Unter der Kaiserstraße entstehen im Rahmen der Kombilösung vier neue Haltestellen, auf dem Südabzweig drei weitere. Foto: Rake Hora

Die Kombilösung Karlsruhe ist ein riesiges Bauvorhaben, das aus zwei Teilprojekten besteht: einer unterirdischen Straßenbahn und einem Autotunnel.

Zum einen entsteht eine U-Strab, eine unterirdische Straßenbahn mit Oberleitung, zwischen Mühlburger Tor und Durlacher Tor sowie im Süden des Marktplatzes in der Ettlinger Straße. Dadurch wird die Karlsruher Fußgängerzone zu einem von Straßenbahnen befreiten Gebiet.

Der zweite Teil des Projekts umfasst einen Autotunnel und eine Stadtbahntrasse in der Kriegsstraße. Durch die Verlagerung eines Großteils des Autoverkehrs in den Tunnel soll an der Oberfläche Raum für Stadtbahnen, Fußgänger und Fahrradfahrer entstehen.

Über zehn Jahre sorgten die Arbeiten für die Kombilösung für zahlreiche Baustellen in der Karlsruher Innenstadt. Das Projekt dauerte länger und wurde deutlich teurer als ursprünglich geplant. Das lag unter anderem an mehreren unvorhergesehenen Problemen.

Inhalte auf dieser Seite:

  • Fertigstellung der Kombilösung Karlsruhe 2021
  • Milliarden-Projekt in Karlsruhe: Das kostet die Kombilösung
  • Stadtbahntunnel unter der Karlsruher Kaiserstraße
  • Autotunnel unter der Kriegsstraße und City-Boulevard
  • Warum gibt es die Kombilösung Karlsruhe überhaupt?
  • Historie der Kombilösung Karlsruhe: Wie das Projekt begann
  • Probleme bei den Bauarbeiten für die Kombilösung
  • Fertigstellung der Kombilösung Karlsruhe 2021 – so ist der aktuelle Stand

    Im Dezember 2021 sollen die Bauarbeiten für die Kombilösung Karlsruhe abgeschlossen sein – mitsamt der Inbetriebnahme der unterirdischen Straßenbahn und der Gleistrasse in der Kriegsstraße. Konkret ist der Fahrgastbetrieb ab dem 12. Dezember 2021 vorgesehen.

    Ziel ist es, dass die Menschen in Karlsruhe um Weihnachten 2021 mit der Straßenbahn durch den Tunnel beispielsweise direkt ins Ettlinger Tor gelangen.

    Auch das Ende der Bauarbeiten am Autotunnel in der Kriegsstraße ist nach viereinhalb Jahren Bauzeit Ende 2021 geplant. Ob das aber klappt, ist noch nicht klar. Der Pressesprecher der Kasig gab im August 2021 bekannt, dass es für den Tunnel zeitlich eng werden könnte. Hintergrund sei Materialmangel. Die Inbetriebnahme verzögert sich möglicherweise um einige Wochen. Dabei war der Rohbau des Autotunnels bereits im Mai 2021 abgeschlossen.

    ProjektKombilösung Karlsruhe
    Fertigstellung12. Dezember 2021
    Planer und BauherrKasig (Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft)
    Baubeginn21. Januar 2010
    Kostenrund 1,5 Milliarden Euro

    Zwölf Jahre lang haben die Baustellen für die Kombilösung die Karlsruher dann in Atem gehalten. Dabei war ursprünglich geplant, dass der Bau der U-Bahn sieben Jahre und die Umgestaltung der Kriegsstraße mit Autotunnel vier Jahre dauern würde. Damit war die Fertigstellung eigentlich Ende 2018 geplant – letztendlich wurden es drei Jahre mehr. Über 19 Jahre sind seit dem Bürgerentscheid zur Kombilösung Karlsruhe dann vergangen.

    Die unterirdische Haltestelle Marktplatz ist Drehkreuz für Anschlüsse in Richtung Mühlburger Tor sowie in Richtung Hauptbahnhof. Foto: Rake Hora

    Milliarden-Projekt in Karlsruhe: Das kostet die Kombilösung

    Die Kosten für die Kombilösung Karlsruhe kletterten im Laufe der Jahre immer weiter in die Höhe. Der Stadtumbau wird inzwischen rund 1,5 Milliarden Euro kosten. Finanziert wird das Karlsruher Großprojekt zu 60 Prozent durch den Bund sowie zu 20 Prozent durch das Land Baden-Württemberg. Die verbleibenden Kosten übernimmt die Kasig, die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft. Dabei handelt es sich um ein 2003 gegründetes Tochterunternehmen der Stadt, das auch Bauherrin der Kombilösung Karlsruhe ist.

    Diese Aufteilung ist generell noch immer gültig, allerdings ist nicht alles im Rahmen der Kombilösung zuschussfähig. Bestimmte Ausstattungen, die eine Kommune bauen möchte, die aber nicht notwendig oder standardmäßig sind, muss die Stadt selbst bezahlen. Es wird davon ausgegangen, dass die Stadt Karlsruhe rund 500 Millionen selbst tragen muss. Dabei sollten es einst nur 100 Millionen sein.

    Ursprünglich wurden die Kosten beim Bürgerentscheid im Jahr 2002 auf rund 500 Millionen Euro geschätzt, die Bauzeit war auf neun Jahre angesetzt. Die Kombilösung Karlsruhe wurde also fast drei Mal so teuer wie ursprünglich geplant.

    Die Mehrkosten fallen hauptsächlich auf die Bauarbeiten für die U-Bahn unter der Kaiserstraße zurück. Insbesondere die anhaltend gute Baukonjunktur trieb die Preise nach oben und sorgte für eine immer teurere Kombilösung. Der Boulevard auf der Kriegsstraße samt Autotunnel war auf rund 230 Millionen Euro angesetzt.

    Karlsruher Kombilösung: Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße

    Die Kombilösung umfasst eine Ost-West-Achse für die unterirdische Straßenbahn. Der Tunnel beginnt im Osten in der Durlacher Allee mit der Rampe am Gottesauer Platz und führt dann bis zu einer Rampe am Mühlburger Tor.

    Am Mühlburger Tor kommen die Straßenbahnen aus der Kombilösung über eine Rampe wieder nach oben. Foto: Kasig

    Am Marktplatz beginnt zudem ein Abzweig in Richtung Süden in die Ettlinger Straße bis zum Karlsruher Zoo bei der Augartenstraße, wo die Straßenbahn wieder nach oben fährt. Insgesamt entstehen damit auf 3,4 Kilometern Länge unterirdisch zwei Gleise. Oberirdisch bleibt dann eine Straßenbahn-freie Fußgängerzone übrig.

    Sieben Haltestellen entstehen im Straßenbahntunnel der Kombilösung Karlsruhe, vier unter der Kaiserstraße, drei auf dem Südabzweig.

    • Durlacher Tor
    • Kronenplatz vor dem KIT
    • Lammstraße – wird später „Marktplatz (Kaiserstraße)„ heißen
    • Europaplatz
    • Marktplatz
    • Ettlinger Tor
    • Kongresszentrum

    Ursprünglich war im Rahmen der Kombilösung Karlsruhe auch noch eine achte Haltestelle am Mühlburger Tor geplant. Aus Kostengründen wurde diese aber bereits vor dem Bürgerentscheid 2002 gestrichen.

    Auch waren – wie beim Ettlinger Tor – direkte unterirdische Zugänge von den Haltestellen der Kombilösung Karlsruhe zu beispielsweise der Postgalerie oder dem Kaufhaus Karstadt im Gespräch. Aus diesen wird allerdings vorerst nichts, obwohl die zuständige Kasig diese Möglichkeiten von den unterirdischen Haltestellen geschaffen hat.

    Es gibt zwar diese Sollbruchstellen an den Haltestellen „Lammstraße“ und „Europaplatz“. Der Warenhauskonzern Karstadt ist allerdings Mieter und der Vermieter müsste diese Investition, eine Röhre für Fußgänger zur U-Bahn, tätigen. Bei der Postgalerie erschwert die Bausubstanz unter dem Gebäude eine unterirdische Anbindung aber deutlich.

    So sehen die unterirdischen Haltestellen aus

    Die meisten unterirdischen Haltestellen der Kombilösung Karlsruhe liegen etwa zwölf Meter unter der Oberfläche. Die Haltestelle Kongresszentrum ist am höchsten, sie liegt nur in rund sieben Metern Tiefe und ist auch tageslichtdurchflutet. Der tiefste Punkt des Bauprojekts ist dagegen nahe des Ettlinger Tors gelegen. Dort liegt in etwa 13 Metern Tiefe der Bahnsteig der U-Strab, darüber der Autotunnel unter der Kriegsstraße sowie die Gleistrasse am City-Boulevard an der Oberfläche.

    Die unterirdischen Haltestellen sollen sich vor allem durch ihre Helligkeit auszeichnen. Zusätzlich sind zahlreiche Videoschutzanlagen installiert. Um zur U-Strab zu gelangen, gibt es Rolltreppen, herkömmliche Treppen sowie Aufzüge. Die Bahnsteige sind barrierefrei gestaltet.

    Die unterirdischen Haltestellen, die alle barrierefrei gestaltet sind, verfügen über Rolltreppen, feste Treppen und mindestens einen Aufzug. Foto: Rake Hora

    Am Europaplatz werden weiterhin auch an der Oberfläche Bahnen fahren und hier wird es auch eine oberirdische Haltestelle geben – allerdings nur für die Linien aus der Kaiserallee und der Karlstraße. Ähnlich läuft es am Durlacher Tor. Dort gibt es noch eine oberirdische Haltestelle für die Linien in Richtung Hauptfriedhof und Hagsfeld.

    Die neue Haltestelle Lammstraße hingegen gibt es ausschließlich unterirdisch unter der Straßenbahn-freien Fußgängerzone. Am Marktplatz – später „Marktplatz (Pyramide)“ – können die Straßenbahnen in Richtung Süden zum Ettlinger Tor und weiter in Richtung Hauptbahnhof fahren. Am Ettlinger Tor gibt es einen direkten Übergang von der unterirdischen Haltestelle in das Untergeschoss des Einkaufszentrums. Sollte es regnen, bleiben die Shopping-Begeisterten also trocken.

    Das spezielle Lichtkonzept in den Haltestellen der Kombilösung Karlsruhe sorgt für bunte Schatten. Foto: Rake Hora

    Karlsruher Liniennetz ab Dezember 2021: So fahren die Bahnen

    Im März 2020 haben die Verkehrsbetriebe Karlsruhe den neuen Liniennetzplan ab Dezember 2021 bekanntgegeben. Ist das Projekt Kombilösung Karlsruhe abgeschlossen, rollen alle Stadtbahnlinien durch den Tunnel unter der Kaiserstraße. Auf dem oberirdischen neuen City-Boulevard der Kriegsstraße sind ab Jahresende zudem die Tramlinien 4 und 5 unterwegs.

    Das Ende der Bauarbeiten für die Kombilösung Karlsruhe ist für Dezember 2021 geplant. Dann fahren die Bahnen in Karlsruhe auch nach einem neuen Liniennetzplan. Foto: VBK

    Fahrplan der Tram-Linien:

    • 1: Durlach – Marktplatz (Tunnel) – Europaplatz – Neureut-Heide
    • 2: Wolfartsweier – Innenstadttunnel – Ettlinger Straße – Hauptbahnhof – Europaplatz – Knielingen
    • 3: Rintheim – Kronenplatz – Hauptbahnhof – Mathystraße – Europaplatz – Rappenwört
    • 4: Waldstadt – Durlacher Tor – City-Boulevard Kriegsstraße – Karlstor – Schillerstraße – Oberreut
    • 5: Durlach Bahnhof – Schloss Gottesaue – Ettlinger Tor (Kriegsstraße) – Mathystraße – Kühler Krug – Rheinhafen
    • 6 gibt es nicht mehr

    Fahrplan der S-Bahn-Linien:

    Alle Stadtbahn-Linien fahren durch den neuen Tunnel der Kombilösung Karlsruhe. Das betrifft die Linien S1 und S11 sowie S4, S7 und S8. Auch die S52 wird durch den U-Bahn-Tunnel geleitet. In Ost-West-Richtung fahren die Linien S2, S5 und S51 durch den Tunnel.

    Kunst in der Kombilösung: Markus Lüpertz entwirft Reliefs für Haltestellen

    Der Künstler Markus Lüpertz arbeitete bis 1986 als Professor an der Karlsruher Kunstakademie. Für die Kombilösung Karlsruhe entwirft er das Werk „Genesis – Werke und Tage“. Konkret sind 14 Reliefs für die Haltestellen der U-Strab geplant. Sie müssen in Einzelteilen aufwändig produziert und gebrannt werden. Die Tafeln sollen zweimal vier Meter groß sein.

    Im Dezember 2020 präsentierte Markus Lüpertz dem Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup und Kulturbürgermeister Albert Käuflein das erste vollendete Relief des Genesis-Zyklus für die Kombilösung. Die Produktion fand anfangs in der Karlsruher Majolika statt, allerdings kam man unter anderem beim Preis nicht zusammen. Die restlichen 13 Werke fertigt Lüpertz in der Zeller Keramik Manufaktur im Schwarzwald an.

    Kombilösung: Autotunnel unter der Kriegsstraße und City-Boulevard

    Die Kriegsstraße ist eine der Hauptverkehrsadern in Karlsruhe – mit Folgen: Täglich rollen hier unzählige Autos über die Straße, regelmäßig kommt es zu langen Staus. Um Pendlern ein schnelleres Durchkommen durch die Innenstadt zu ermöglichen, wird der Verkehr zwischen dem Karlstor und der Ludwig-Erhard-Allee unter die Erde verlegt.

    Der Autotunnel unter der Kriegsstraße ist eine Betonröhre von etwa 1,6 Kilometern Länge. Für die Autofahrer geht es im Osten am Mendelssohnplatz nach unten in die Tiefe, die Rampe am Ende des Autotunnels im Westen ist beim Karlstor. Autofahrer haben die Möglichkeit, den Tunnel über die Rampen Ritterstraße und Lammstraße zu verlassen. Der Rohbau des Autotunnels zwischen Karlstor im Westen und Ostendstraße im Osten wurde Ende Mai 2021 fertiggestellt.

    Zwischen dem Karlstor und dem Mendelssohnplatz in Karlsruhe entsteht ein City-Boulevard. Unter der Kriegsstraße fahren die Autos durch den neuen Autotunnel. Foto: Kasig

    Über dem Autotunnel entsteht der neue City-Boulevard Kriegsstraße. Um Karlsruhe grüner werden zu lassen, wird die Kriegsstraße mit größtenteils vier Baumreihen umgestaltet. In der Mitte des mit Rasen besetzten Boulevards entsteht eine Gleistrasse, sodass auf der Kriegsstraße Straßenbahnen für den ÖPNV rollen. Daneben bieten breite Wege Platz für Fußgänger und Radfahrer.

    Auf der Kriegsstraße mit der begrünten Straßenbahntrasse sollen zunächst zwei Straßenbahnlinien rollen, die Linien 4 und 5. Die Bahnen halten an den neuen Haltestellen Karlstor Ost, Ettlinger Tor und Rüppurrer Tor und fahren im Zehn-Minuten-Takt.

    Warum gibt es die Kombilösung Karlsruhe überhaupt?

    Das übergeordnete Ziel der Kombilösung Karlsruhe besteht darin, die Innenstadt zu entlasten – für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer. Im Bereich zwischen dem Kronenplatz und dem Europaplatz fahren Straßenbahnen im Minutentakt. Menschen, die zum Shoppen in Karlsruhe unterwegs sind, müssen immer die Augen offenhalten, um sich keiner Gefahr auszusetzen. Gleichzeitig müssen Straßenbahnen-Fahrer immer wieder abbremsen, um keine Passanten zu gefährden – was wiederum zu Verspätungen im Straßenbahnverkehr führt.

    Im Rahmen der Kombilösung entsteht ein Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße, der dieses Problem lösen soll. Der Tunnel für die U-Strab führt außerdem vom Karlsruher Marktplatz am Ettlinger Tor vorbei in Richtung Süden bis zur Augartenstraße. Am Ettlinger Tor gibt es zudem eine eigene Haltestelle, von der aus man direkt in das Untergeschoss des Einkaufszentrums gelangt.

    An der Haltestelle Marktplatz entsteht unterirdisch ein Gleisdreieck, ein Drehkreuz für die Anschlüsse in Richtung Mühlburger Tor und Durlacher Tor sowie in Süden in Richtung Hauptbahnhof. Anfang 2019 wurden die Gleise montiert. Foto: Kasig

    Der zweite Teil des Projekts umfasst einen Autotunnel unter der Kriegsstraße. Konkret führt er vom Karlstor in der westlichen Innenstadt von Karlsruhe bis zum Mendelssohnplatz im Osten. Autofahrer, die durch die Innenstadt müssen, sollen so Ampeln und stockenden Verkehr umgehen können. Oberirdisch entstehen eine Straßenbahntrasse, Radwege und eine Allee aus Bäumen.

    Historie der Kombilösung Karlsruhe: Wie das Projekt begann

    Am 22. September 2002 stimmten 73 Prozent der stimmberechtigten Karlsruher beim Bürgerentscheid über die Kombilösung ab. Mit einer knappen Mehrheit von rund 56 Prozent wurde dem Projekt der Weg geebnet – der Start der Kombilösung.

    2003 wurde die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft, die Kasig, gegründet. Sie war von nun an für die Planung, den Bau und den Betrieb des Stadtbahntunnels zuständig.

    Baubeginn der Kombilösung Karlsruhe war acht Jahre später, im Jahr 2010. Am 21. Januar fand der offizielle Baustart mit Spatenstich für den Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße auf dem Europaplatz statt. Mit Sprechchören, Trillerpfeifen und Transparenten machten Tunnelgegner zeitgleich ihrem Unmut über das „Millionengrab“ Luft.

    Karlsruher Schüler packten beim Spatenstich für die Kombilösung am 21. Januar 2010 mit an. Mit dabei waren auch die damaligen Amtsträger: Nahverkehrs-Chef Walter Casazza, Oberbürgermeister Heinz Fenrich, Ministerpräsident Günther Oettinger und Staatssekretär Rainer Bomba. Foto: Kasig/Uli Deck

    Im Januar 2014 fand die ZDF-Show „Wetten, dass …?“ mit Markus Lanz in Karlsruhe statt. Die Wette beinhaltete, dass sich im Verlauf der Sendung keine 100 Bauarbeiter finden würden, die zu „Y.M.C.A“ tanzen würden. Lanz verlor die Wette und musste folglich einen Tag später auf der Baustelle der Kombilösung Karlsruhe mithelfen.

    Das zweite Teilprojekt der Kombilösung startete sieben Jahre nach dem ersten am westlichen Ende der Ludwig-Erhard-Allee. Im Jahr 2017 begann mit drei Jahren Verspätung der Bau des Autotunnels unter der Kriegsstraße. Beim Baggerbiss zum Auftakt am 21. April war dann auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann vor Ort.

    Am 4. August 2020 rollte erstmals eine unterirdische Straßenbahn durch den Tunnel unter der Kaiserstraße – ein historischer Tag für Karlsruhe. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe hatten an diesem Tag im Stadtbahntunnel den Testbetrieb gestartet. Im April 2021 fand eine Generalprobe im Karlsruher Stadtbahntunnel statt, bei der bis zu 33 S-Bahnen gleichzeitig dort verkehrten.

    Probleme bei den Bauarbeiten für die Kombilösung sorgen für Verzögerungen

    Die Kombilösung Karlsruhe hatte während der Bauzeit mit Pleiten, Pech und Pannen zu kämpfen. Das wohl größte Problem kam im Juni 2013: Damals beantragte die Hauptbaufirma, der österreichische Tunnelbauer Alpine, Insolvenz. Für die Verantwortlichen der Kombilösung war dies eine böse und unerwartete Überraschung. Sie führte in der Folge zu kurzzeitigen Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Doch bereits nach kurzer Zeit gingen die Arbeiten weiter, die Tochterfirmen von Alpine wie BeMo Tunnelling wurden verkauft, die Kasig bezahlte Lieferanten direkt.

    Tunnelbohrmaschine lässt Boden der Karlsruher Innenstadt absacken

    Drei Mal war es der Fall, dass der Boden über dem Riesenbohrer „Giulia“ absackte, die Folge waren Löcher an der Oberfläche in der Innenstadt. Dass oberirdisch keine offenen Baufelder entstehen sollten, erschwerte die Baumaßnahmen für die Kombilösung. Im März 2015 verbohrte sich „Giulia“. Im Juni 2015 der nächste Stopp, weil der Boden wegen eines Hohlraums unter der Kaiserstraße einsackte. Überrascht wurden die Arbeiter zudem durch unterirdische Gebäudefundamente an der historischen Karstadt-Front.

    Während sich die Tunnelbohrmaschine unter der Kaiserstraße nach vorne schob, wurde am Südabzweig ab dem Marktplatz mit Bagger und Schaufel gearbeitet. Hier kam der bergmännische Bau unter der Karl-Friedrich-Straße mit aufwändigem Druckluftverfahren zum Einsatz. Damit sollte eine offene Baugrube in diesem Bereich verhindert werden. Zuvor musste aber das Grundwasser durch Druckluftgebläse verdrängt sowie das Erdreich durch Gel-Injektionen verfestigt werden.

    Wasserrohrbruch bringt enormen Schaden im Straßenbahntunnel

    Im September 2016 ereignete sich ein Wassereinbruch an der unterirdischen Haltestelle „Kronenplatz“. Weil eine Wand nicht ganz dicht war, musste der ausgespülte Hohlraum unter der Fritz-Erler-Straße mit Zementinjektionen verfüllt werden.

    In der Nacht vom 23. Auf den 24. Juni 2020 sorgte ein Rohrbruch für einen Wasserschaden in der unterirdischen Tunnelröhre, betroffen war die unterirdische Haltestelle Europaplatz. Rund 200.000 Liter Wasser gelangten dabei in die Station, in den Abschnitt zwischen Europaplatz und Lammstraße sowie in die Technikräume und Kabelschächte.

    Bei dem Vorfall wurden Elektrokabel für die Stromversorgung der Bahnen beschädigt. Die Reparatur des Wasserschadens ab November 2020 führte dazu, dass der Testbetrieb der unterirdischen Straßenbahn vorerst eingestellt werden musste. Vier Monate konnten deshalb keine Bahnen durch die U-Strab rollen. Dadurch verschob sich auch der Start für die U-Strab, der zu diesem Zeitpunkt für Juni 2021 vorgesehen war.

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