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Solidaritätsaktion in Karlsruhe

KSC-Fans unterstützen mit „Fußball macht satt“ wohnungslose Frauen

In der Pandemie sind die KSC-Fans dazu verurteilt, den Wildpark zu meiden. Ihr Hunger nach Fußball im Stadion wird nicht gestillt. Doch bei allem Frust sehen sie nicht tatenlos zu, wo die Not viel größer ist. Mit Herzblut engagieren sie sich für Menschen, für ein warmes essen nötig haben.

Das etwas andere Fanprojekt: KSC-Anhänger organisieren in der Krise Unterstützung für Wohnungslose, von links Meta Ballas, Volker Körenzig, Jonas Scherghuber Foto: Fußball macht satt

Bevor im Frühjahr der erste Lockdown spruchreif wurde, überlegte der Karlsruher SC gemeinsam mit der Karlsruher Fanszene, dem Fanprojekt und den Supporters, wie Fußballfans während der Pandemie helfen können. Gemeinsam entstand das Projekt „Fußball macht satt”, welches drei Mal in der Woche Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe mit warmen Mahlzeiten beliefert.

„Der Grundgedanke von Fußball macht satt ist zu mehr Solidarität aufzurufen und an diejenigen zu denken, die von der Corona-Krise viel stärker betroffen sind als wir, die lediglich nicht ins Stadion gehen können”, erklärt ein Vertreter von Ultra 1894 gegenüber dieser Zeitung. Getreu der KSC-Hymne, in der es heißt: “Jeder für Jeden, Alle für dich”, werde sich die KSC-Familie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst.

Köche aus Neureut und Durlach unterstützen Projekt

„Ursprünglich wollten wir Mahlzeiten aus Lebensmittelspenden im Fanprojekt zubereiten und dann an Bedürftige ausliefern”, erklärt Volker Körenzig, der Leiter des Karlsruher Fanprojektes und einer der Köpfe von “Fußball macht satt”. Doch das Ordnungsamt erteilte dafür keine Genehmigung. Schnell musste eine andere Idee her und diese fand das damals noch junge Projekt in der Gastronomie.

Kevin Wilde, der Koch des Restaurants „Nagels Kranz” in Neureut, erklärte sich dazu bereit, die Gerichte für einen geringen Preis zuzubereiten. Durch die Wiedereröffnung der Gaststätten endete die Zusammenarbeit und Judith Conlon, die Inhaberin von „Judy´s Pflug” in Durlach übernahm den gastronomischen Teil.

„Derzeit liefern wir an drei Tagen in der Woche je 40 Essen an zwei Einrichtungen für wohnungslose Frauen”, erklärt Volker Körenzig. Eine dieser Einrichtung ist TafF, der Tagestreff für Frauen. Das ist ein Ort, um gehört und wahrgenommen zu werden, sich aufwärmen zu können, eine Postadresse zu haben, oder fachliche Beratung zu erhalten.

„Wir erleben viel Solidarität, aber ich habe in 25 Jahren noch nie so ein Engagement und solch einen Ehrgeiz erlebt, wie es bei diesem Projekt der Fall ist”, schwärmt Lissi Hohnerlein, die Einrichtungsleitung, über „Fußball macht satt”.

Die Corona-Pandemie macht die Arbeit von Hohnerlein nicht einfacher, denn auch der Tagestreff muss sich an die Corona-Verordnungen halten und kann nahezu keine Angebote bieten. „Menschen die kein Dach über dem Kopf haben, können aber nicht zuhause bleiben”, formuliert Hohnerlein das Problem. Umso wichtiger ist das Mittagessen durch „Fußball macht satt”, welches sich den Hygienemaßnahmen anpasst und fast kontaktlos übergeben wird.

KSC-Fans spenden Kleidung, Bahntickets und Süßigkeiten

„Die Mahlzeit stellt für die Frauen einen festen Anhaltspunkt im Tag dar”, sagt Maike Bänsch von den KSC-Fans. Um den Bedürftigen ein schönes Weihnachtserlebnis zu bescheren, wollte die KSC-Familie gemeinsam mit dem Tagestreff ein großes Weihnachtsessen veranstalten, doch auch dieses fiel der Pandemie zum Opfer. „Wir sind guter Dinge, dass wir das Weihnachtsessen im Frühjahr nachholen können”, meint die Einrichtungsleiterin. Weihnachtsgeschenke gab es trotzdem, denn Ultras und Supporters spendeten 100 Weihnachtspakete, gefüllt mit Kleidung, Hygieneartikeln, Süßigkeiten und KVV-Tickets. „Es ist erschreckend, wie wenig Gedanken wir uns über soziale Probleme machen und dass Obdachlose beispielsweise Bahn fahren müssen, um sich aufwärmen zu können”, erklärt Maike Bänsch.

Abgerundet wurde die Weihnachtsüberraschung durch die zweite Mannschaft des Karlsruher SC. Dieses Mal wurden Schlafsäcke, Winterjacken, Schals und Mützen gespendet. “Wenn wir etwas brauchen, dann sind die Jungs und Mädels vom KSC sofort zur Stelle”, erzählt Hohnerlein.

Das Ziel aller Beteiligten ist es, das Projekt langfristig und corona-unabhängig weiterzuführen. „Es gehört für uns zum Selbstverständnis von Ultra, dass man sich um die Menschen in der Stadt, vor allem benachteiligte Menschen kümmert”, erklärt ein Vertreter der Karlsruher Fanszene. Um dieses Projekt am Leben zu halten, setzt „Fußball macht satt” auf neue Spenden. „Jede noch so kleine Spende zählt und hilft dabei, dieses Projekt am Leben zu halten”, erklärt Körenzig.

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