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„Coding da Vinci“

Kultur-Hackathon in Karlsruhe: Im ZKM rauchen die Köpfe

Beim Kultur-Hackathon im Karlsruher ZKM haben am vergangenen Wochenende Programmierer, Designer und Studierende neue Ideen für die Zukunft des Museums entwickelt.

Beim Kultur-Hackathon im ZKM entwickeln etwa Programmierer, Designer und Studierende neue Ideen für die Zukunft des Museums, hier Kathrin Radtke und Marcus Frey von Ideenpitches. Foto: Jörg Donecker

Jetzt geht es mit der Arbeit endlich los: Ende vergangenen Jahres ging ein Aufruf an Institutionen in Baden-Württemberg, ihre Daten für eine breit angelegte Veranstaltung zur Verfügung zu stellen – Initiative „Coding da Vinci“.

Die Initiative wurde 2014 in Berlin gegründet, sie bringt Kultureinrichtungen mit Studierenden sowie den Open-Data- und Creative-Tech-Communities zusammen, um innovative Anwendungen für verschiedene Zielgruppen zu entwickeln.

Am vergangenen Wochenende trafen sich die Institutionen und über 180 Programmierer, Designer, Spieleentwickler und Soundspezialisten in Karlsruhe. Ein ganzes Seminar von der Universität Tübingen war dabei, ebenso eine Gruppe vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Das Medientheater des ZKM war jedenfalls voll, als die ersten 16 kleinen Gruppen und einzelnen Personen ihre Ideen vorstellten. Manche waren schon richtig ausgereift, andere hatten nur einen Ansatz, alle aber waren offen für das, was sich im Lauf der nächsten Wochen und Monate ergibt.

Sprudeln vor Kreativität

Vor allem suchten sie noch nach Mitstreitern mit Fähigkeiten und Ideen, die sie selber nicht haben. Die Kommunikationsdesignerin Ronja aus Düsseldorf fand die Geschichte spannend, wie ein Praktikant vor einigen Jahren in der Kunsthalle Karlsruhe entdeckte, dass zwei Alben mit 297 Blättern nicht von Weinbrenner, sondern vom italienischen Architekten und Künstler Giovanni Battista Piranesi stammten.

Ihre Idee ist eine Art Detektivspiel, mit dem man diese Entdeckung nachverfolgen kann und wie Zuschreibungen funktionieren. „Niederschwellig und spannend soll es werden“, sagte sie. Jan interessiert sich für die Sammlung „Weltkultur“ des Badischen Landesmuseums und möchte, dass die Daten sprechen lernen.

Gleich drei Gruppen waren begeistert von den emakimono aus dem Stadtmuseum Hornmoldhaus in Bietigheim-Bissingen: japanische Querrollen, die der Arzt Erwin von Baelz aus Japan mitbrachte, wo er sogar Leibarzt des Kronprinzen Yoshihito war. Die Rollen zeigen klassische japanische Epen wie die „47 Rōnin“, die „Acht Ansichten des Biwa-Sees“ – ein beliebtes Motiv japanischer Künstler – oder die Kunst des Bogenschießens.

Der Datensatz besteht aus zehn hochauflösenden Fotografien japanischer Querrollen (japanisch Emakimono) im JPEG-Format, die alle einzeln auf dem Server hochgeladen sind. Eine Gruppe aus Tübingen will die Geschichten auf den Rollen weitererzählen, weitere Space-Invader-Spiele erfinden.

Die Illustratorin Regina will die 91 Wasserspeier des Freiburger Münsters zum Leben erwecken, die KIT-Gruppe die Flugblätter der Stuttgarter Spartakisten aufbereiten, Florian die archäologischen Funde um Heidelberg in einem Flug über die Geschichte verdeutlichen.

Es gibt Ideen für Apps und Kartenspiele, 3D-Modelle oder interaktive Karten und Stadtführungen – die Ideen sprudelten nur so, wie man aus manchmal doch trockenen Daten etwas Spannendes machen kann. Sieben Wochen haben die Initiativen jetzt Zeit, zusammenzuarbeiten, im Juni werden die besten Arbeiten im Landesmuseum Württemberg prämiert.

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