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400 Teilnehmer

Kundgebung am Schloss: Karlsruhe setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus

400 Menschen haben am Karlsruher Schloss gegen Antisemitismus demonstriert. Auch ein Vertreter der Muslime meldete sich zu Wort.

Israel-Fahnen im Herzen der Stadt: Rund 400 Menschen sagten am Freitagnachmittag am Schlossplatz Nein zu Antisemitismus. Die Kundgebung wurde von der Evangelischen und Katholischen Kirche sowie diversen Freikirchen organisiert. Foto: Jörg Donecker

Rund 400 Menschen haben am Freitagnachmittag am Karlsruher Schlossplatz ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. Gleichzeitig legten sie ein klares Bekenntnis zum Staat Israel ab.

Die Kundgebung wurde organisiert von der Katholischen und Evangelischen Kirche sowie von diversen Freikirchen. Rabbiner Moderchai Mendelson dankte ihnen dafür in seinem Redebeitrag.

Zu Wort meldete sich auf der Bühne auch ein Vertreter der Karlsruher Muslime: Ibrahim Aslandur bezeichnete es als abscheuliche Tat, wenn „vulgäre Aussagen vor Synagogen gemacht, Steine geworfen oder Israelflaggen angezündet werden“.

Reaktion auf Pro-Israel-Demonstration auf dem Karlsruher Marktplatz

Aslandur sagte: „Antisemitismus ist keine Meinung, sondern eine Hassideologie.“ Der zeige sein hässliches Gesicht auch in den Reihen der Muslime, sei aber ein gesamtgesellschaftliches Problem. Gegenseitiges Vertrauen dürfe nicht zerstört werden.

Tatsächlich gab es bei jüdischen Karlsruhern zuletzt Unsicherheit, nachdem vor 14 Tagen eine sehr emotionale und in Teilen aggressive Pro-Palästina-Demo auf dem Marktplatz stattgefunden hatte. Die Redebeiträge dort waren vorwiegend auf Arabisch. Als eine einzelne Frau sich mit einer Israel-Flagge den 400 Demonstranten näherte, drohten 150 von ihnen, sie zu überrennen. In der Folge erteilte die Polizei der Frau einen Platzverweis und beschlagnahmte die Israel-Fahne.

Unter anderem Israels Generalskonsulin Sandra Simovich sprach in der Folge von einem falschen Signal. Bei der Demo gegen Antisemitismus an diesem Freitag zeigten Araber eine große Palästina-Flagge und gingen, Palästina-T-Shirts in der Hand schwenkend durch die Menge. Die Polizei griff nicht ein.

Klares Zeichen bei Kundgebung gegen Antisemitismus: Nein zu Hassreden

„Dass es nach der Demo in Karlsruhe vor zwei Wochen zu einem Klima der Angst kam, hat unser Herz bewegt“, sagte Steffen Beck als Vertreter der Freikirchen. Volksverhetzende Hassreden auf öffentlichen deutschen Plätzen seien nicht zu akzeptieren. „Antisemitismus ist eine Straftat“, so Beck. Die Kundgebung stehe im Geist der Solidarität und sei ein klares Ja zu Israel.

Die Juden in Karlsruhe sind ein Teil von uns.
Erhard Bechtold, stellvertretender katholischer Dekan

Der stellvertretende katholische Dekan Erhard Bechtold erklärte: „Die Juden in Karlsruhe sind ein Teil von uns. Und wir treten denen entschieden entgegen, die das noch oder wieder in Frage stellen.“ Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz (CDU) sagte: „Unsere Geschichte zeigt, dass es unserer Stadtgesellschaft immer dann gut ging, wenn Toleranz gelebt wurde, und immer schlecht, wenn es keine Toleranz gab und Menschenrechte mit Füßen getreten wurden.“

Und weiter: „Uns ist es wichtig, dass die Menschen unabhängig von Herkunft und Religion gut in Karlsruhe leben können – und zwar nicht nur nebeneinander, sondern miteinander und sich gegenseitig bereichernd.“

Der Traum von der offenen Synagogen-Tür

Rabbiner Mendelson, der seine Chabad-Synagoge in der Innenstadt betreibt, forderte: Auch wenn es einen Konflikt im Nahen Osten gibt, müssten jüdische Kinder ohne Angst in die Schule gehen können. Er habe während der jüngsten Auseinandersetzungen Anrufe erhalten von Gläubigen, die nicht wussten, ob sie sicher in die Synagoge gehen könnten. Er sei dankbar, dass diese das ganze Jahr über von der Polizei geschützt wird. „Ich habe aber den Traum, dass unsere Türen ebenso wie die der Kirchen einfach offen bleiben können.“

Moderiert wurde die Veranstaltung von Friedeman Kalmbach. Seine Botschaft lautete: „Wir stehen zusammen. Wir wollen in Frieden und Eintracht miteinander leben.“ Ein Wunsch, der gegen Ende der Kundgebung auch musikalisch untermauert wurde: Die Teilnehmer sangen „Shalom aleichem – wir wollen Frieden für alle“.

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