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Einbrecher verurteilt

Kurioser Fall am Karlsruher Gericht: Der Einbrecher, der Frauenkleider anzog und verschwand

Ein Mann bricht in die Wohnung einer jungen Frau ein, drapiert das dort gefundene Sexspielzeug, zieht sich Frauenklamotten an und flüchtet vom Tatort. Jetzt hat ihn das Amtsgericht verurteilt.

Urteil: Ein Einbrecher, der sich in Frauenkleidern vom Tatort entfernt hat, muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Foto: Jörg Donecker

Für einen klassischen Wohnungseinbruch war das Vorgehen des Täters reichlich untypisch: Nachdem der Mann in das Souterrain-Appartement in der Karlsruher Hardecksiedlung eingedrungen war, genehmigte er sich zunächst zwei Sektflaschen, dann nahm er die Räumlichkeiten unter die Lupe. Er stieß auf die Sexspielzeug-Kollektion der Wohnungsinhaberin und dekorierte mit den Gerätschaften die Wohnung, ein Kondom hinterließ er mit der eigenen Spucke, seinen Pass deponierte er im Heizungsraum.

Dann entledigte er sich des eigenen T-Shirts und seiner Socken, bevor er die Klamotten der Frau anzog: eine dunkle Leggins, darüber einen ledernen Rock, ein ärmelloses Top, die Damen-Sonnenbrille, die Mütze und die Sneakers.

Bevor der 50-Jährige die Wohnung mit weiteren kleinen Beutestücken verließ, präparierte er noch das Bett der Mieterin: Es sollte so aussehen, als schlafe hier gerade jemand – eine am Kopfende platzierte Schirmmütze machte die Täuschung perfekt.

Frauenkleidung

Gehüllt in Frauenkleidung – so suchte er einen Schuppen in der Nähe auf, um auch dort zu klauen. Die Überwachungskamera des Besitzers zeichnete ihn allerdings auf: Einen männlichen Dieb mit Rock und Bluse.

Warum das alles? Auf der Anklagebank im Schöffengerichtssaal des Amtsgerichts Karlsruhe kann es sich der Mann nicht erklären. Am Ende verurteilt ihn das Schöffengericht unter Vorsitz von Simon Bohnen wegen der Tat sowie mehrerer Diebstähle teurer Fahrräder zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis.

Ein Spaß sollte es sein

„Ich wollte mir wohl einen Spaß erlauben“, so lautete der Erklärungsversuch für sein absonderliches Tun in der Wohnung. Die Frau, bei der er eingebrochen war und deren Foto er in dem Appartement entdeckt hatte, gefiel ihm. „Die hätte ich gern auf normalem Weg kennengelernt.“ Auf Gegenseitigkeit beruht das eher nicht.

„Die Angst ist seither immer da“, sagte das Opfer im Zeugenstand unter Tränen. Und dass die Hinterlassenschaften des Einbrechers übel gerochen hätten und total eklig waren. Die medizinische Sachverständige Andrea Dettling führte das schräge Verhalten des Täters auf den Alkohol zurück. Enthemmtes Verhalten ja, aufgehobene Steuerungsfähigkeit nein, so ihre Expertise.

Zeitweise ganz unten

Der, der ihr das eingebrockt hat, hat Abitur, eine abgeschlossene Ausbildung und jahrelange Berufstätigkeit hinter sich. Als er etwas erbte, erfüllte er sich den Traum vom eigenen Unternehmen, erlitt damit aber Schiffbruch. Im vergangenen Jahr war er ganz unten: Kein Geld, zeitweise obdachlos, keine Unterstützung durch die Eltern.

Er klaute aus den Sozialräumen einer Bank ein Rennrad im Wert von 12.000 Euro, bekam aber nur einen Hunderter dafür. Ähnlich bescheiden war die Ausbeute beim Diebstahl eines teuren E-Bikes. Statt der vereinbarten 220 Euro waren es am Ende nur 20. Und als er mit einem weiteren geklauten Pedelec unterwegs war, ging er einer Zivilstreife der Polizei ins Netz. Angesichts der Beamten kletterte er zunächst kurzerhand auf einen Baum. Erst die Feuerwehr konnte ihn auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Jetzt will er alles besser machen.

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