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Wichtig für die technische Infrastruktur

Leitstellen brauchen im Krisenfall einen Ersatz

Eine Großstadt wie Karlsruhe verfügt über eine verletzliche Infrastruktur. Gesteuert oder überwacht wird diese Infrastruktur von unterschiedlichen Leitstellen. Doch was ist, wenn die ausfallen?

Zentrale Einrichtung: Die Integrierte Leitstelle (ILS) in der Wolfartsweierer Straße steuert Feuerwehr und Rettungsdienst im Stadt- und Landkreis. Unser Bild zeigt die ILS in Vor-Corona-Zeiten. Für den Notfall gibt es künftig eine Ersatzleitstelle in Bruchsal. Foto: Jörg Donecker

Polizei an Bahnübergängen, Zusammenstöße, Fahrausfälle: Der Stromausfall über mehrere Stunden in der Leitstelle der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) im Oktober hat gezeigt, wie komplex die Folgen derartiger Ausfälle sind.

Wichtige Leitstellen sind ohne Noteinrichtung nicht denkbar. Die Integrierte Leitstelle (ILS) an der Wolfartsweierer Straße koordiniert Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst im Stadt- und Landkreis.

Doch was ist, wenn etwa Baggerarbeiten im Umfeld eine zentrale Leitung durchtrennen oder die ILS wegen Weltkriegsbombenfunden in der Umgebung geräumt werden muss? Dann braucht es eine „Redundanzeinrichtung“.

Fahrtausfälle bei den Stadtbahnen können immer wieder passieren. Dann koordiniert die Leitstelle. Foto: Jörg Donecker

Handlungsdruck entstand, da die bisherige Notleitstelle sich bei der Branddirektion in der Ritterstraße befindet. Diese zieht aber bald in die neue Hauptfeuerwache neben der Integrierten Leitstelle um. Direkt neben der ILS ergibt aber eine Noteinrichtung keinen Sinn. Die Träger (DRK Kreisverband, Landkreis und Stadt) haben sich nun auf eine neue Notleitstelle beim DRK in Bruchsal verständigt, teilte Bürgermeisterin Bettina Lisbach unserer Redaktion mit.

Das Gebäude in Bruchsal bietet aufgrund seiner Lage, technischen Grundausstattung und der gemeinsamen Nutzung mit dem DRK ideale Voraussetzungen. Die Umbaumaßnahmen im Gebäude haben bereits begonnen. Die Redundanzleitstelle soll im Frühjahr 2021 zur Verfügung stehen, so Lisbach weiter. Die ILS-Leitung hatte Bruchsal präferiert.

Verkehrsbetriebe arbeiten zweigleisig

Das Notfallkonzept für die Mitarbeiter der Leitstelle der Verkehrsbetriebe in der Gerwigstraße, von der aus die Schienenfahrzeuge der VBK und der AVG gesteuert werden, sieht einen Umzug ans Mühlburger Tor vor. Im Stadtgebiet wurde im Oktober von dort aus der Betrieb die gesamte Zeit über aufrechterhalten, so die Verkehrsbetriebe. Die Außenanlagen haben eigene Stromkreise. Zudem fahren die Fahrzeuglenker in der Innenstadt laut VBK auf Sicht und stellen Weichen notfalls von Hand.

Anders bei den Zügen der AVG: Deren System funktioniert nicht autark wie im Stadtgebiet. Bei einem Totalausfall der Leitstelle Gerwigstraße müssen für die AVG Notbedienplätze in Eppingen, Pforzheim-Brötzingen, Gernsbach, Ubstadt und Ettlingen besetzt werden.Bis die betriebsfähig sind, dauert es allerdings eine gewisse Zeit.

Stadtwerke haben Notleitwarten

Bei den Stadtwerken wird das Strom-, Gas-, Trinkwasser- und Fernwärmenetz in rund um die Uhr besetzten Leitstellen geführt. Hier laufen alle Störmeldungen unmittelbar auf. Von hier aus bewerten Experten die Situation, um die Reparaturteams zur sofortigen Störungsbehebung zu schicken.

Das erklärte Ziel: Eine Wiederversorgung muss so schnell wie möglich erfolgen, so Stadtwerkesprecher Markus Schneider. Und bleibt tatsächlich etwa durch ein defektes Kabel einmal der Strom in einem Stadtteil weg, können Fehler in der Leitstelle – angesiedelt in einem speziell gesicherten Gebäude – eingegrenzt und häufig mittels Fernsteuerung auf intakte andere Kabelverbindungen umgeschaltet werden.

Derartige Leitstellen werden bei den Stadtwerken redundant vorgehalten. So gibt es auch bei den Stadtwerken Notleitwarten. Dies nützt zurzeit doppelt. Denn in diesen Notleitstellen kann das (hoch spezialisierte) Schichtpersonal getrennt voneinander arbeiten, um etwa das Corona-Infektionsrisiko zu senken.

MiRO setzt auf Ersatz-System

Eine der größten Industrieanlagen der Stadt ist die Raffinerie MiRO, ein Betrieb mit naturgemäß höchsten Sicherheitsanforderungen. Die MiRO hat zwei Werkteile, die weitgehend unabhängig voneinander betrieben werden.

In jedem Werkteil gibt es eine Zentrale Messwarte, in der die Anlagen mithilfe eines Prozessleitsystems durch die Messwarte zentral gesteuert und überwacht werden, erklärt MiRO-Sprecherin Yvonne Schönemann. Dieses Prozessleitsystem ist redundant ausgelegt, das heißt, im Falle eines Ausfalls übernimmt automatisch ein Ersatz-System – und dies ohne Unterbrechung.

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