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Stimmen hätten die Tat befohlen

Mann stößt Frau in Karlsruhe auf die Straße und landet in der Psychiatrie

Im September hat ein Mann eine Frau in Karlsruhe auf die Fahrbahn gestoßen, weil Stimmen ihm dies befohlen hätten. Der Mann wurde vor dem Landgericht Karlsruhe angeklagt und freigesprochen. Er muss nun aber in die Psychiatrie.

Lange Latte an Vorstrafen: Das Landgericht Karlsruhe hat einen Mann Foto: Uli Deck picture alliance/dpa

Ein 1968 in der Pfalz geborener Deutscher hat eine lange Latte von Vorstrafen, zumeist im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelgesetz. Aber auch etwa wegen schwerer Körperverletzungen. Am gestrigen Montag hätte das Register noch um einen Eintrag länger werden können. Aber er wurde vom Vorwurf der schweren Verkehrsgefährdung sowie schwerer versuchter und vollendeter Körperverletzung freigesprochen.

Gleichwohl hat er den Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe nicht als freier Mann verlassen. Denn Richter Ralf Kraus und seine Kammer mit zwei weiteren Berufs- und zwei Laienrichtern hat ihn in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Ein bereits bestehender Einweisungsbeschluss vom Dezember vorigen Jahres blieb aufrecht. Seither befindet sich der Mann im Psychiatrischen Zentrum in Wiesloch.

Folgen hätten schlimmer sein können

Gegen Mittag des 19. September vorigen Jahres war eine 61-jährige Frau aus Ettlingen mit ihrer 26 Jahre alten Tochter unterwegs in Richtung Karlsruher Innenstadt. Vor den beiden Frauen ging ein etwas verwahrloster Mann und rauchte. Angesichts der Corona-Pandemie fand dies die Mutter nicht angebracht– wohl, weil er statt einer Maske eine Zigarette am Mund hatte.

Sie machte ihn auf diesen Umstand aufmerksam. Dann überholten die beiden Frauen den Mann und blieben an der Fußgängerampel an der Kreuzung Ritterstraße/Kriegsstraße stehen. Plötzlich verspürte die Mutter einen heftigen Stoß von hinten. Sie fiel auf die Straße und verletzte sich.

Schlimmer hätten die Folgen sein können, wenn ein gerade anfahrender Ungar sein Fahrzeug nicht hätte scharf abbremsen können. Zugleich war er nach links ausgewichen. Anderenfalls, so gab er bei der Polizei an, wäre es zum Zusammenstoß gekommen und die Frau wäre viel schwerer verletzt oder sogar getötet worden. Diese Aussage des Fahrers wurde gestern unter Einverständnis aller Beteiligter verlesen, weil er der Ladung als Zeuge nicht folgen konnte.

Angeklagter leidet an Psychose und Schizophrenie

Sowohl die betroffene Frau, die als Zeugin auftrat, aber auch Nebenklägerin war, ihre Tochter sowie der damals vernehmende Polizeibeamte bestätigten wesentlich die Angaben, wie sie auch in der Anklageschrift von Staatsanwalt Pätzold aufgeführt waren. Auch der Angeklagte räumte die Fakten ein – außer, dass sein Stoß Folge der Ermahnung der Frau gewesen sei. Stattdessen sagte er, er habe Stimmen gehört, die ihm eine Tat auferlegt hätten. Dann würden sie schweigen. Die Frau war ein komplett zufälliges Opfer.

Dass er, wohl wegen jahrzehntelangen Drogenkonsums, an einer Psychose leidet und schizophren ist, gab er unumwunden zu und auch die psychiatrische Gutachterin bescheinigte ihm in einem ausführlichen Gutachten die Erkrankungen. Der Staatsanwalt hätte ihn für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis geschickt, war aber auch mit der Unterbringung einverstanden.

Ein sehr milder Antrag, wie der Nebenklagevertreter meinte, dem er sich wie Verteidigerin Semra Wangler dennoch anschloss. Auch, weil sich der Mann bei den Opfern entschuldigt hatte.

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