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Neues Tierbuch „Fearless Females“

Karlsruher Autor Mario Ludwig: „Die Königin der Nacktmulle ist schon besonders fies“

Während Nacktmull-Damen gemein sind, gelten weibliche Orang-Utans als besonders liebevoll. Und Gottesanbeterinnen töten ihre Partner. Diesen furchtlosen Tieren hat der Karlsruher Autor ein Buch gewidmet.

Mario Ludwig ist der, der mit den Tieren spricht – oder besser: über sie. Der Karlsruher Autor erzählt in seinem neuen Buch von furchtlosen Frauen im Tierreich. Und faszinierende Bilder gibt es zu den Geschichten noch dazu. Foto: Jörg Donecker

„Fearless Females“ heißt das Werk, in dem der Karlsruher Autor Mario Ludwig seinen Lesern einen Überblick über tierisch mutige Weibchen gibt.

Das über 200 Seiten dicke Buch bietet kleinere Lesehäppchen und größere Bilder und ist jetzt auf Deutsch und Englisch im teNeues Verlag erschienen.

BNN-Redakteurin Tina Mayer sprach mit Ludwig über schubsende Nacktmull-Königinnen, männermordende Insekten und alte, weise Elefantendamen.

Ihr neues Buch heißt „Fearless Females“, es geht also um furchtlose Weibchen im Tierreich. Welches ist denn das furchtloseste?
Ludwig

Die Hyäne! Man denkt ja immer, dass es sich bei Hyänen um feige Aasfresser handelt, aber die nehmen es auch locker mit einem Gepard oder Leopard auf. Bei den Hyänen hat das Weibchen das Sagen, die Männchen haben nicht viel zu melden – das zeigt sich auch in einer Demutsgeste dem Weibchen gegenüber, ähnlich einem Knicks.

Wie schafft es eine Hyäne, mit einem Leoparden fertig zu werden?
Ludwig

Sie hat ein furchterregendes Gebiss und die größte Beißkraft unter den Säugetieren. Mit ihrem Gebiss kann die Hyäne sogar einen Elefantenknochen zermalmen.

Vor der Hyäne nimmt man sich also besser in Acht. Und welches Weibchen ist Ihrer Meinung nach das sympathischste?
Ludwig

Ich mag ja die Orang Utans gern, die sind sehr gute Mütter. Bis zu ihrem achten Lebensjahr bleiben die Jungen bei ihren Müttern. Und auch danach kommen sie immer wieder zu Besuch zu Mama, bis sie so 15, 16 Jahre alt sind. Das ist im Tierreich schon ungewöhnlich.

Und mit welchem Weibchen ist im Tierreich gar nicht gut Kirschen essen?
Ludwig

Mit denen, die die Männchen verzehren, zum Beispiel der Gottesanbeterin. Die frisst das Männchen nach dem Geschlechtsverkehr auf, manchmal beißt sie dem Männchen sogar schon während der Paarung den Kopf ab. Bei letzterem kann das Männchen übrigens trotzdem mit der Paarung fortfahren. Die Nervenzentren, die für die Steuerung der Kopulationsbewegungen verantwortlich sind, befinden sich im Hinterteil des Männchens. Sie können also ohne Kopf Vater werden.

Lohnt sich das für das Männchen – oder ist das nicht ziemlich doof?
Ludwig

Für den Mann ist es hier wichtig, seine Gene weiterzugeben. Dafür nimmt er auch den Tod billigend in Kauf.

Um noch einmal zu den Müttern zurückzukommen: Raben sind gar keine so schlechten Mütter, wie es häufig heißt, oder?
Ludwig

Genau. Der Begriff Rabenmutter beruht auf einer fehlerhaften Beobachtung in der Natur. Junge Raben verlassen nämlich das Nest, sobald sie anfangen, flügge zu werden. Das bedeutet aber nicht, dass sie dann von ihren Müttern im Stich gelassen werden – die kümmern sich auch auf dem Boden nach wie vor rührend um den Nachwuchs.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass im Tierreich Damenwahl herrscht. Warum ist das so?
Ludwig

Die Weibchen wollen die Männchen mit den besten Genen haben, deswegen müssen sich die Männchen hier auch etwas einfallen lassen.

Wer ist denn da besonders originell?
Ludwig

Paradiesvögel machen eine richtige Show für die Weibchen, wie in einer Hollywood-Revue. Die Paradiesvögel tanzen und singen und zeigen sich in ihrer ganzen Pracht und die Weibchen gucken zu. Generell gilt im Tierreich: Wer am schönsten singt oder am lautesten brüllt, setzt sich durch.

Manche Weibchen kommen aber auch ohne Männer aus …
Ludwig

… wie die Anaconda zum Beispiel. Wenn gerade kein Männchen in Sicht ist, kommt es bei der Anaconda zu einer sogenannten Jungfernzeugung. Die Töchter, die durch diese eingeschlechtliche Vermehrung entstehen, sind Klone der Mütter. Paart sich die Anaconda jedoch mit Männchen, tut sie das mit mehreren gleichzeitig, es entsteht dann ein Paarungsknäuel. Teilweise wochenlang konkurrieren die viel kleineren Männchen dann um die Gunst des Weibchens.

Und manche Tiere können sogar ihr Geschlecht ändern, wie die Clownfische …
Ludwig

… die Clownfische leben in Gruppen im Schutz einer Seeanemone. In dieser Gruppe gibt es ein Weibchen, ihr Liebhaber-Männchen und noch weitere Männchen. Wird das Weibchen beispielsweise von einem Hai gefressen, muss ein neues her: Das Liebhaber-Männchen ändert also rasch sein Geschlecht und wird zum Weibchen. Bei den Clownfischen spricht man von Sukzedan-Zwittern, die weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale haben.

Gibt es denn auch Weibchen im Tierreich, die ganz besonders gemein sind?
Ludwig

Die Königin der Nacktmulle ist schon besonders fies. Sie mobbt andere Weibchen durch Schubsen, Fauchen und Beißen, sodass diese gar nicht erst auf die Idee kommen, sich fortzupflanzen. Dennoch sind Nacktmulle faszinierende Tiere, die keinen Schmerz empfinden, keinen Krebs bekommen und mit 30 Jahren ein für Nagetiere geradezu biblisches Alter erreichen können.

Aber Ihre Lieblingstiere in diesem Buch sind andere, oder?
Ludwig

Da würde ich mich tatsächlich für die Elefanten entscheiden, da hat nämlich eine Oma das Sagen. Die alte Dame – die sogenannte Leitkuh – führt die Herde an. Sie verfügt über genügend Erfahrung und weiß zum Beispiel, wo in Trockenzeiten das nächste Wasserloch ist.

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