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Alternativen zum Laternenumzug

Martinstag in der Corona-Zeit: Statt großer Umzüge viele dezentrale Angebote in Karlsruhe

Solidarität und Nächstenliebe: Die Botschaften des St. Martin sind während der Corona-Krise besonders wichtig. Damit der Martinstag während der Pandemie nicht in Vergessenheit gerät, gibt es in mehreren Stadtteilen individuelle Alternativen für die abgesagten Umzüge.

Verboten: Großveranstaltungen zum Martinstag wie auf dem Bild im vergangenen Jahr an der Albkapelle sind im Corona-Jahr nicht erlaubt. Kirchengemeinden beschreiten deshalb neue Wege. Foto: Jörg Donecker

Tütenfalten war in dieser Woche eine der wichtigsten Aufgaben von Nicole Schilz. Wie viele Stunden für das Falten und Zusammentackern von Papiertüten anfielen, kann die Gemeindereferentin der katholischen Seelsorgeeinheit Karlsruhe Nord-Ost zwar nicht mehr sagen. „Es war auf jeden Fall viel Arbeit. Aber so etwas gehört zu meinem Beruf nun einmal dazu“, sagt Schilz mit einem Schmunzeln.

Der Beruf ist in diesem Fall auch eine Berufung, denn Zweierpacks mit Papiertüten wurden bereits an zahlreiche Grundschul- und Kindergartenkinder für den Martinstag verteilt. Eine der Tüten soll mit einem Licht zwischen dem 8. und dem 15. November ins Fenster gestellt, die andere für denselben Zweck an ein anderes Kind verschenkt werden.

Während der Aktionswoche sollen die Kinder oder ihre Eltern nach Möglichkeit noch Bilder von ihren illuminierten Fenstern machen und unter dem Hashtag #stmartin2020 auf sozialen Netzwerken online stellen.

Die Idee mit den Licht-Tüten hat Schilz auf der Internetseite des Bistums Limburg entdeckt und dann für die Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit adaptiert. „Wenn viele Leute mitmachen, wird das bestimmt ein tolles Bild. Dann leuchtet in allen Straßen die Botschaft des heiligen Martin“, sagt die Seelsorgerin.

Neue Wege beschreiten

Neue Wege beschreiten lautet bei den Feierlichkeiten rund um den Martinstag am 11. November wegen des geltenden Corona-Verordnungen auch das Motto in weiteren Kirchengemeinden. Große Laternen-Umzüge wurden ebenso abgesagt wie die traditionellen Martinsfeuer mit Heißgetränken und Martinsgänsen aus Hefeteig.

Dezentrale Beleuchtungskonzepte liegen deshalb im Trend. In Wolfartsweier wollen die Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde selbstgebastelte Hefte mit der Martinsgeschichte, Laternenliedern, Backrezepten und der Aufforderung zum Platzieren einer Laterne am Fenster verteilen. In zahlreichen Kindergärten werden die Mädchen und Jungen ebenfalls zu einer Martinsandacht vor dem Kinderzimmer- oder Wohnzimmerfenster aufgefordert.

Bürgerverein Grünwinkel hat Video mit Martinsgeschichte gedreht

Der Bürgerverein Grünwinkel hat als Alternative zum traditionellen Martinsfeuer an der Albkapelle einen Film produziert. Das Video, in dem Vorstandsmitglied Christian Zumstein die Martinsgeschichte vor der Albkapelle vorliest, kann ab dem Martinstag auf der Internetseite des Vereins angeschaut werden.

„Wir haben lange überlegt, was mir machen können und uns am Ende für diese Variante entschieden“, sagt die Bürgervereinsvorsitzende Karin Armbruster. Ein paar Tage lang habe man sogar mit dem Gedanken gespielt, die Martinsgeschichte am Albufer nachzuspielen und davon ein Video zu drehen. „Aber ein solches Projekt kann in kurzer Zeit ohne professionelle Strukturen nicht gestemmt werden“, so Armbruster.

Martinsmarkt in Durlach wurde abgesagt

Aus dem Durlacher Veranstaltungskalender gestrichen wurden der große Martinsumzug vor der Karlsburg sowie der Martinsmarkt im Rathausgewölbe. „Uns trifft Corona gleich doppelt“, sagt Martinsmarkt-Organisatorin Christiane Fröhlich vom Verein Durlacherleben.

Wer gerne ein nettes, handgemachtes Weihnachtsgeschenk kaufen und dabei die Aussteller unterstützen wolle, könne aber gerne einen Blick auf die Internetseite durlacher-markttage.de werfen. Dort gibt es Links zu den Ausstellern und ihren Angeboten. Handgemachte Kerzen oder Adventsgestecke verkaufen oder online verschicken sei schließlich auch während des Lockdowns erlaubt.

Kirchen sind für stille Andacht geschmückt

Gänzlich ersetzen können eine dezentrale Beleuchtung und Videos die traditionelle Atmosphäre bei den Feierlichkeiten am St. Martinstag in diesem Jahr nach Schilzs Einschätzung nicht. „Die Kirche St. Martin in Rintheim platzt da jedes Mal aus allen Nähten. Das sorgt schon für ein tolles Gemeinschaftsgefühl“, sagt sie.

Deshalb will sie die Kirche im Corona-Jahr zumindest mit typischen Gegenständen aus der Martinsgeschichte wie Mantel und Schwert schmücken und die Leute zum Innenhalten einladen.

Krise als Chance für neue Konzepte

„Der Martinstag ist vor allem für Kinder ein wichtiger Termin im Kirchenkalender“, sagt Schilz. Die Gründe dafür liegen ihrer Einschätzung nach auf der Hand. Die Geschichte des Soldaten, der durch den Glauben seinen Weg ins Leben findet und seinen Mantel mit einem Armen teilt, ist spannend und gut zu erzählen.

Außerdem sind Mitgefühl und Nächstenliebe Kernbotschaften des Christentums und auch auf andere Religionen übertragbar. Deshalb beteiligten sich jedes Jahr auch viele muslimische Kinder an den Umzügen.

Trotz der Wehmut über den abgesagten Umzug will die Gemeindereferentin der Krise etwas Gutes abgewinnen. „Etwas Neues auszuprobieren ist immer richtig“, sagt Schilz. „Und hoffentlich stellen die Menschen auch nach der Corona-Krise am Martinstag Lichter ins Fenster.“

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