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2000 Biker vor dem Karlsruher Schloss

Massenprotest der Motorradfahrer

Angesichts der Debatte um Motorradlärm und den Protest von Anwohnern betroffener Gemeinden plant die Politik Gesetzesverschärfungen. Das bringt wieder die Biker-Community auf die Palme.

Motorräder so weit man blickt: Rund 2000 Biker versammelten sich vor dem Schloss Foto: Theo Westermann

Schon Stunden vor dem eigentlichen Termin rollt ein Motorradfahrer nach dem anderen an, bald stehen zahllose Motorräder vor dem Karl-Friedrich-Denkmal am Schloss, viele Biker gehen erst mal Eis essen oder shoppen. Und es werden immer mehr und mehr. Unter den großen Augen der Passanten und zur Überraschung der Polizei drängen sich bis 14 Uhr rund 3.000 bis 4.000 demonstrierende Motorradfahrer am Schlossplatz und der näheren Umgebung. Und so mancher lässt den Motor heulen.

Doch vor den Toren Karlsruhes sind es noch mehr. Denn am vereinbarten Treffpunkt Messe Karlsruhe in Rheinstetten versammeln sich nach einer Schätzung der Polizei rund 7000 bis 8000 Biker. Mit Lautsprecherdurchsagen versucht die Polizei in Rheinstetten den Andrang zu kanalisieren, auch der Veranstalter bittet darum, dass nicht alle in die Innenstadt fahren. Zahlreiche Biker fahren daraufhin wieder nach Hause. Aber ein großer Teil kommt an das Karlsruher Schloss. Organisiert haben die Veranstaltung Karin Birkel, Inhaberin einer Eventagentur aus Schramberg und Ricky Lowag, Polizist aus Östringen und Rennorganisator. Sie wollen die immer schärfer werdende Diskussion um Motorradlärm aufgreifen, um diese „ zu versachlichen und einer zunehmenden Diskriminierung der Motorradfahrenden entgegen zutreten“, so ihre Begründung in den sozialen Netzwerken. Im Visier dabei eine Bundesratsinitiative, die auch Fahrverbote nicht mehr ausschließt.

Viele Klagen wegen Motorradlärm

Das verstärkte Vorgehen der Politik hat einen Hintergrund, nämlich den Protest von Bürgern, Gemeinderäten und Bürgermeistern aus massiv vom Motorradlärm betroffenen Orten und Regionen. Auch im Verbreitungsgebiet der BNN gibt es viele Klagen über unerträglichen Lärm vor allem an Wochenenden, betroffen die Zufahrtsrouten zum Dobel, sämtliche Zufahrtsstrecken zur Schwarzwaldhochstraße,das Albtal, das Murgtal, die Ortenau oder das Hanauer Land.

Unter den Bikern, die sich am Schloss versammeln, wird dies aber gänzlich anders gesehen. „Wir wollen uns das Motorradfahren nicht verbieten lassen“, sagen vier junge Männer aus Mannheim, deren Lederkluft sie als Mitglieder des „MC Bad Seven“ aus Mannheim ausweist. Und weiter: „Die Autos sind doch viel lauter als wir“. Ein anderer aus der Gruppe fügt hinzu: „Unsere Wochenendausflüge haben doch einen wirtschaftlichen Wert. Wir suchen doch viele Lokale auf“. Ein anderer schimpft: „Wir lassen uns nicht alles bieten.“ Eine Gruppe von Trikefahrern aus Bruchsal hat sich ebenfalls der Demo angeschlossen,obwohl für sie andere Verkehrsregeln gelten. „Wir sind aber alles Helmträger,“bekunden sie ihre Solidarität, auch sie seien gegen jegliche Verbote. Und Alexandra aus Bruchsal zieht einen Vergleich: „Ich bin Mutter, bin aber auch mal vom Lärm kleiner Kinder auf dem Spielplatz genervt. Deshalb bin ich doch nicht gleich für Verbote”.

Überforderte Demo-Organisation

Vor dem Karlsruher Schloss müht sich die Polizei unterdessen, das Chaos in den Griff zu bekommen. Eine überforderte Organisationsleitung ist praktisch ohne Einfluss, Polizei-Einsatzleiter Jürgen Koger versucht die Organisatorin zu erreichen, was ihm erst nach längerer Zeit gelingt. Sie erscheint, spricht kurz mit der Polizei und verkündet praktisch das Ende der Kundgebung. Sie führt gegenüber den BNN diesen Andrang auf die Absage einer Motorradfahrer-Demonstration in München zurück, somit habe sich die süddeutsche Bikerszene auf Karlsruhe konzentriert. Sie betont, dass sie die Lärmproblematik in den betroffenen Gemeinden sieht. „Aber wegen einzelner Ausreißer kann man doch nicht eine ganze Gruppe bekämpfen“. Anschließend werfen sie und eine kleine Gruppe von Mitstreitern einen Umschlag mit Thesen in den Briefkasten des Bundesverfassungsgerichts.

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