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Streng geschützte Tiere

Mauerechsen aus Stuttgarter Straße in Karlsruhe umgesiedelt - Umbau kann fortgesetzt werden

Streng geschützte Mauereidechsen haben den Zeitplan des Karlsruher Millionenprojekts südlich der Stuttgarter Straße ins Wanken gebracht. Nun wurden die Tiere in letzter Minute mit Angeln und Stoffbeuteln umgesiedelt.

Die Bagger rollen: Seit dieser Woche fällen Arbeiter Bäume und Sträucher und reißen die ehemaligen Gartenhäuschen im westlichen Bereich des Gebiets. Foto: jodo

Der Umbau des Bereichs südlich der Stuttgarter Straße kann wie geplant weitergehen. Gerade noch rechtzeitig vor Ablauf der Fangperiode haben Experten die letzten streng geschützten Mauereidechsen eingesammelt. Im Sommer war der Zeitplan des Millionenprojekts ins Wanken geraten, es drohte ein Verzug von einem Jahr.

Damals diskutierten das städtische Gartenbauamt (GBA) und das Regierungspräsidium über die Vorgaben für die Umsiedlung der Tiere. Der größte Knackpunkt war der geforderte Platzbedarf pro Echse. Nach der Einigung „angelte“ die beauftragte Fachfirma aus Freiburg in der westlichen Hälfte der ehemaligen Kleingartenanlage fast 1.500 Eidechsen – gerade noch rechtzeitig vor Beginn des winterlichen Fangverbots.

Eidechsen fängt man mit Angeln

„Es waren deutlich mehr Tiere als erwartet“, ist aus dem GBA zu hören. Auch deshalb reizte man den vorgegebenen Zeitrahmen zwischen August und Oktober bis zum letzten Tag aus. Möglich machte es die milde Witterung, bei der die Eidechsen noch deutlich aktiver sind. Zum Einfangen nutzten die Helfer Angeln mit Schlingen aus Angelgarn, ist im Umsiedlungsbericht zu lesen. Die Schlingen werden den Tieren um den Hals gelegt und zugezogen. Danach werden sie aus dieser Falle befreit. Ist die Ausgleichsfläche in der Nähe, ziehen sie einzeln in einem Stoffbeutel um. Bei weiteren Strecken nutzt man blickdichte Terrarien. Es gebe klar definierte Vorgaben und Fangmethoden für den Eidechsen-Umzug, erklärt das Gartenbauamt.

Die reine Umsiedlung kostet die Stadt rund 110.000 Euro – das beinhaltet etwa 950 Tiere, die schon in den vergangenen beiden Jahren temporär an andere Stellen gebracht wurden. Dazu kommen Kosten für den Bau der Ersatzanlagen an fünf Standorten, unter anderem im Mühlburger Kurzheckweg, im Citypark Südost und über dem Edeltrudtunnel. Für den Artenschutz sind bei dem auf 74 Millionen Euro geschätzten Projekt 2,8 Millionen veranschlagt. Darin enthalten sind aber auch andere Ersatzlebensräume, zum Beispiel für Vögel und Fledermäuse.

Abriss der alten Hütten hat begonnen

Direkt nach Abschluss der Umsiedlung hat das Gartenbauamt in dieser Woche mit der Räumung der Kleingärten und der Rodung von Bäumen und Sträuchern im westlichen Bauabschnitt begonnen. Die Behörde rechnet beim Rückbau der vielen Gartenhütten Marke Eigenbau mit der ein oder anderen Überraschung. Dort hätten viele verbaut, was sie in die Hände bekamen, heißt es. Entsprechend aufwendig müsse das Material nun getrennt und entsorgt werden.

Ist die Oberfläche frei, stehen im Winter Boden- und Kampfmittelarbeiten auf dem Zeitplan. Im kommenden Jahr soll das Areal wie zuvor der östliche Abschnitt des Baufeldes den sogenannten „geordneten Zustand“ erreichen, also frei von geschützten Tieren, Abfall oder Gehölz sein. Auf dem Areal südlich der Stuttgarter Straße sind über 200 neue Kleingarten-Parzellen geplant. Außerdem soll die ESG Frankonia dort bis Ende 2024 ihr neues Zuhause beziehen.

In der Mitte des Baufelds gibt es noch Kleingärten

Die Arbeiten im dritten und letzten Abschnitt, der zwischen den beiden anderen liegt und an Kleingärtner verpachtet ist, beginnen erst später. In diesem Bereich spielen die Eidechsen dann allerdings eine Nebenrolle. Die dort lebenden Tiere werden nur wenige Meter weiterziehen. Sie kommen in die neue Kleingartenanlage, die im westlichen Baufeld bis dahin entstehen soll. In deren Entwurf sind Lebensräume für die geschützten Reptilien sowieso zu finden.

„Abgeschlossen werden die Umsiedlungen erst nach Fertigstellung dieser Kleingartenanlage und der internen Eidechsen-Lebensräume“, teilt das GBA auf Nachfrage schriftlich mit. Dann würden auch die Tiere, die nicht dauerhaft an anderer Stelle bleiben können, wieder an die Stuttgarter Straße zurückkehren.

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