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Verschärfte Corona-Regeln

Mehr Masken und viele offene Fragen in Karlsruhe

In der Karlsruher Innenstadt tragen am ersten Tag der neuen Corona-Verordnung deutlich mehr Menschen eine Maske als bisher. Trotzdem werfen die verschärften Regeln viele Fragen auf. Für den Christkindlesmarkt sind die Aussichten durch die neuen Beschränkungen düster.

Verändertes Bild: Am ersten Tag der verschärften Maskenpflicht tragen viele in der Karlsruher Innenstadt zumindest an Engstellen einen Mund-Nasen-Schutz. Foto: jodo

Am Dienstag will der Karlsruher Gemeinderat den coronakonformen Christkindlesmarkt auf den Weg bringen. Mit Blick auf die neuen Beschränkungen steht der nun aber auf der Kippe, weil wohl nur noch 100 Besucher erlaubt wären. „Das sieht unter den gegebenen Umständen nicht gut aus“, bestätigt ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage der BNN.

Am Dienstagmittag werden sich die Verantwortlichen beraten, um die Verwaltungsempfehlung an das Stadtparlament zu überarbeiten. Eine Entscheidung im Gemeinderat soll definitiv am Dienstag fallen – sonst sei ohnehin die Vorbereitungszeit zu kurz.

Sofort sichtbar ist am Montag eine weitere Neuregelung der Corona-Verordnung: Die verschärfte Maskenpflicht fällt besonders in der Innenstadt auf. Dort sind deutlich mehr Menschen unter freiem Himmel mit Maske unterwegs als bisher. Einige nutzen allerdings den Spielraum, den die Verordnung ihnen bietet. Die Mund-Nasen-Bedeckung müsse in Fußgängerbereichen getragen werden, „es sei denn, es ist sichergestellt, dass der Mindestabstand einhalten werden kann“, heißt es in der Anordnung aus Stuttgart.

Neue Verordnung kommt mit viel Klärungsbedarf

Als Maskenpflicht in allen Fußgängerzonen interpretiert Ordnungsamtsleiter Björn Weiße das Papier entsprechend nicht. „Jeder hat mittlerweile ein Gefühl für die 1,50 Meter“, sagt er. „Da ist die Verordnung aus meiner Sicht recht eindeutig.“ Trotzdem glühen in seiner Behörde am Montag die Telefondrähte. Es gebe an vielen anderen Stellen der Neufassung Unsicherheiten, die geklärt werden müssen, sagt Weiße.

Besonders im Blick hat der Amtsleiter etwa die Einführung einer Maskenpflicht in „für den Publikumsverkehr eröffneten Bereichen öffentlicher Einrichtungen“. Das lasse offen, ob damit lediglich Institutionen in öffentlicher Hand gemeint seien. In diesem Fall würde die Maskenpflicht beispielsweise im Staatstheater greifen, im Kammertheater jedoch nicht.

„Wir gehen davon aus, dass es im Sinne der Norm um alle Orte geht, an denen viele Menschen zusammentreffen“, erklärt Weiße. Aber weil es um juristische Feinheiten gehe und viele Fragen weitreichende Folgen hätten, müsse man das mit dem Sozialministerium klären.

Keine allgemeine Maskenpflicht in der Fußgängerzone

Die verschärfte Maskenpflicht und die Abstandshintertür in Fußgängerbereichen hält Weiße für wenig problematisch. „Die Logik ist erkennbar. Damit kommt man zurecht. Wo es eng wird, muss die Maske auf“, sagt er. „Ich glaube aufgrund der bisherigen Erfahrungen, dass die allermeisten Karlsruher das ernst nehmen.“

Ein Blick in die Kaiserstraße bestätigt seine Vermutung am Montag größtenteils. Vor allem an Engstellen, wie im Bereich der Haltestelle Herrenstraße, belassen viele den Schutz vor Mund und Nase. Ist mehr Platz, verschwindet die Bedeckung bei vielen aber sofort in der Tasche.

„Hier kann ich doch Abstand halten“, sagt ein Vater, der seine Tochter am Montagmittag im Kinderwagen durch die Stadt schiebt. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Die Maske habe er dabei. In Läden trage er sie natürlich, versichert er. „Aber nur da, wo es wirklich vorgeschrieben ist.“

Mit Einmalmaske läuft Tim einige Schritte entfernt durch die Kaiserstraße. „Das habe ich bisher auch nicht gemacht“, gibt er zu. Der junge Mann arbeitet im Krankenhaus, trägt dort täglich mehrere Stunden Schutzmasken. Privat zieht er sie an, wo es die Verordnung vorgibt. Die Fußgängerzone gehört für ihn trotz der Abstandseinschränkung seit Montag dazu. Meike Ströhle sieht das genauso. Eine blaue Stoffmaske bedeckt das Gesicht der jungen Mutter beim Spaziergang durch die Stadt. „Wenn es ein paar Leute schützt, ist das völlig okay. Mir schadet es ja nicht.“

Noch weiß nicht jeder Bescheid

In der Durlacher Fußgängerzone hingegen ist die verschärfte Regelung am späten Vormittag noch nicht weit vorgedrungen. Ganz maskierte Passanten sind selten. Allerdings haben die Fußgänger in dem für sie reservierten Abschnitt der Pfinztalstraße mehr Raum als zwischen Europaplatz und Kronenplatz.

Sascha Hertweck aus Baden-Baden arbeitet in Durlach und passiert das Rathaus mit Maske unterm Kinn. „Ich wusste gar nichts“, sagt der 22-Jährige, „aber hier ist ja nicht viel los.“ Mit ihrer korrekt getragenen Maske fällt eine 14-jährige Schülerin der Friedrich-Realschule richtig auf. Es ist ihr erster Maskengang im Freien: „Das ist ja ab heute Vorschrift.“ Das hören zufällig drei gleichaltrige Mädchen. „Habt Ihr das gewusst?“, fragt eine. Die Antwort ist Kopfschütteln.

Bei einem Schwätzchen vor Auslagen ist das Abstandsgebot vergessen

Auch auf dem Durlacher Wochenmarkt habe die Neuregelung am Montag noch nicht viel bewegt, sagen die Händler. „Man muss viel mehr reden als früher, nicht alle haben Verständnis für die Regeln“, sagt die Gemüsehändlerin Tamara Weiler. „Wir mussten die Kunden heute häufiger ans Abstandhalten erinnern, das ist genauso wie vorher“, berichtet Alexandra Kereszti, Mitarbeiterin am Marktstand des Bio-Regionalvermarkters Kammerer.

„Man merkt schon, dass manche ein bisschen unfreundlicher sind – aber nicht nur heute, auch vorher schon“, stellt Guido Wettstein fest. Am Käsestand der Familie Wettstein wasche er sich die Hände vor jedem Kunden, den er bedient, „und trotzdem wird gemeckert“.

Karlsruhe bleibt unter dem Schwellenwert

Die Infektionslage in der Stadt bleibt zu Beginn der Woche derweil trotz steigender Zahlen vergleichsweise entspannt. Am Montagmorgen meldete das Gesundheitsamt 189 aktive Infektionen im Stadtgebiet. Seit Freitag kamen knapp 60 neu dazu, im Vergleich zum vergangenen Montag stieg die Zahl der Corona-Infizierten um 125.

Die Sieben-Tage-Inzidenz blieb mit 28,2 weiter unter dem ersten Schwellenwert von 35. Schwere Krankheitsverläufe bleiben dabei bisher die Ausnahme. Auf den Intensivstationen der ViDia-Kliniken liegt Stand Montagmittag ein Covid-19-Patient, in der des Städtischen Klinikums keiner.

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