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Von Nordsee bis Mittelmeer

Menschenkette vor dem Karlsruher Schloss für mehr Menschlichkeit

Eine halbe Stunde standen Menschen am Samstag vor dem Karlsruher Schloss, um zu zeigen, dass immer noch Flüchtlinge auf verschiedenen Fluchtrouten sterben. Mit der Aktion wollen sie auf das Versagen der EU aufmerksam machen.

Die Menschenkette war zwar nicht lückenlos über drei Kilometer durch die Innenstadt zu schließen, doch die Botschaft kam an. Foto: Jörg Donecker

„Menschlichkeit ist unverhandelbar“ steht auf dem selbstgemalten Schild einer Frau. Andere kommen mit Regenbogenfahnen, auf denen „Peace“ steht und wieder andere zeigen mit dem Transparent „Flüchtlingshilfe“, wofür sie sich engagieren: Sie alle sind Teil der Menschenkette, die am Samstag, pünktlich um 12 Uhr, vor dem Karlsruher Schloss geschlossen wird.

Symbolisch führt die Rettungskette, die an das Schicksal von Geflüchteten erinnern soll, von Hamburg bis ans Mittelmeer. Eine Reihe von Städten aus Deutschland, Österreich und Italien beteiligen sich an der Aktion, die vom Verein „Rettungskette für Menschenrechte“ initiiert wurde.

„In allen Städten engagieren sich verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen“, sagt Magdalene Leytz. Sie arbeitet für die Evangelische Landeskirche in Baden und ist eine der Karlsruher Organisatorinnen.

Sie erzählt, dass sich in Karlsruhe die Teilnehmer an vier Orten versammeln, um eine geschlossene Menschenkette durch die Innenstadt zu bilden. Die Strecke von der Moltkestraße bis zur Richard-Willstätter-Allee ist fast drei Kilometer lang.

Veranstalter haben rund 400 Menschen in der Kette gezählt

Neben dem breiten Unterstützerkreis, der aus verschiedenen Organisationen besteht, zu denen unter anderem die Caritas, die AWO, die Evangelische und die Katholische Kirche in Karlsruhe oder Amnesty International gehören, waren auch Privatpersonen dazu eingeladen, sich an der Rettungskette zu beteiligen.

„Die Aktion setzt ein Zeichen für Menschlichkeit“, sagt Leytz. „Wir setzen uns dafür ein, die Abschottungspolitik, die dafür sorgt, dass Menschen sterben, zu beenden“, meint sie und weist darauf hin, dass seit 2014 im Mittelmeer rund 20.000 Flüchtlinge ertrunken sind. „Man kann davon ausgehen, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist“, erklärt sie und fordert ein offizielles Seenotrettungsprogramm.

Friedensarbeit, das ist unser Lebensthema.
Ingrid Kühn, Teilnehmerin

„Friedensarbeit, das ist unser Lebensthema“, sagt Ingrid Kühn, die mit ihrem Mann, Dieter Kühn, in der Rettungskette steht und eine Regenbogenfahne trägt. „Wir sind im Krieg geboren und wissen, was Krieg und Vertreibung bedeuten“, sagt sie. „Das vergisst man nicht.“ Beide setzen sich dafür ein, die Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, zu beschützen.

So sieht das auch das junge Ehepaar, das mit seinen zwei kleinen Kindern an der Aktion teilnimmt: „Wir können die Menschen nicht einfach ertrinken lassen“, meint die Frau und ihr Mann fügt hinzu, dass es natürlich am schönsten wäre, wenn Menschen erst gar nicht flüchten müssten.

Nach der Veranstaltung zieht Leytz eine positive Bilanz: „Natürlich waren einige Lücken in der Kette, denn wir hätten rund 1.400 Teilnehmer benötigt, um die knapp drei Kilometer komplett zu schließen. Aber immerhin sind etwa 400 Menschen gekommen“, freut sie sich. „Wir hatten eine gute Stimmung und haben mit unserem Anliegen viele Leute erreicht.“

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