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Lockdown ändert Verhaltensweisen

Auswirkungen auf Müll, Stromverbrauch, Schlägereien, Einbrüche: Wie Corona das Leben in Karlsruhe verändert

Der Lockdown ändert tägliche Verhaltensweisen. Und dies hat auch Auswirkungen auf Zahlen, Fakten und Daten des Zusammenlebens in Karlsruhe. Was hat sich beim Thema Müll-, Sicherheit, Energie- und Wasserverbrauch verändert?

Immer mehr Pakete: Im Lockdown und in Corona-Zeiten überhaupt hat sich die Zahl der Bestellungen im Internet stark erhöht. Dies bedeutet aber einen starken Anfall an Verpackungsmüll an den Karlsruher Wertstoffstationen Foto: Sina Schuldt/dpa

Ausgangssperre, Homeoffice oder Geschäftsschließungen – das sind nicht nur Einschnitte, sondern sie haben auch Folgen für Verbrauchsmengen bei Strom, Wasser, Plastik und finden ihren Niederschlag bis in der Polizeistatistik. Die BNN haben unterschiedliche Bereiche unter die Lupe genommen.

Unzweifelhaft hat Corona für eine Verstärkung der Müllflut gesorgt. Das zeigt ein Besuch auf den Karlsruher Wertstoffstationen. Dort beobachten die Mitarbeiter zur Zeit eingehende Berge von Pappe und Styropor, alles Verpackungsmaterial des angestiegenen Paketversands.

Beim städtischen Amt für Abfallwirtschaft hat man zwar noch keine exakten Zahlen, wie viel Müll genau mehr abgegeben wurde. Aber im Vergleich zum coronafreien Jahr 2019 schätzt Amtsleiter Olaf Backhaus ein Drittel mehr Anlieferung vor allem von Verpackungsmaterial. Den verstärkten Trend zur Wohnungsrenovierung und zu neuem Mobiliar oder Küchen beobachten die erfahrenen Mitarbeiter auf den Stationen ebenfalls. .

„Eine neue Küche von Ikea, XXL-Lutz oder anderen SB-Möbelhändlern bringt uns einen Sprinter voll Verpackungsmaterial,“ so die Beobachtung.

Deutlich weniger Vorfälle auf Europaplatz

Die Polizei bemerkt die Folgen von Ausgangssperre, geschlossenen Diskotheken und Bars am Rückgang gleichermaßen in der Kriminalitäts- wie in der Unfallstatistik.

So gibt es laut Ralf Minet vom Polizeipräsidium deutlich weniger Einbrüche als zu Nicht-Corona-Zeiten, früher nutzten Einbrecher die Abwesenheit der Wohnungsinhaber vor allem am Abend aus. Die sind nun aber in aller Regel zu Hause.

Auch das Unfallgeschehen ist zurückgegangen. Exakte Zahlen kann man, was Einbrüche, sonstige Delikte oder Unfälle angeht, noch nicht nennen. Die genauen Zahlen legt das Land erst im März vor, danach folgen die Zahlen für Karlsruhe.

Däumchendrehende Polizisten auf den Revieren gibt aber es nicht. „Uns geht die Arbeit nicht aus,“ so Minet. Zum Beispiel hätten die Fälle häuslicher Gewalt stark zugenommen. Hinzu kommen coronabedingte Einsätze.

Lutz Schönthal, der das Polizeirevier Marktplatz leitet, hat auch eine interessante Erkenntnis. Er verzeichnet zur Zeit rund 75 Prozent weniger polizeirelevante Vorfälle an den sonstigen nächtlichen Brennpunkten Europaplatz oder Stephanplatz. Hinzu kommt der völlige Wegfall von Diskothekenschlägereien angesichts von seit März 2020 geschlossenen Diskotheken.

Geschäftskunden verbrauchten weniger Strom

Beim Energieverbrauch machen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Alltagsgewohnheiten der Karlsruher sowie das Geschäftsleben ebenfalls bemerkbar. Aktuelle Studien zum Stromverbrauch zeigten deutlich, dass sich die Lastgangskurve (Jeder Stromzähler misst alle 15 Minuten den Energieverbrauch Anm.d.Red.) bei den Privathaushalten zeitlich verschoben habe, teilt Pressesprecher Markus Schneider von den Stadtwerken Karlsruhe mit.

Vormittags werde wegen Homeoffice und Distanzunterricht etwas mehr Strom verbraucht als in den Jahren zuvor, so Schneider. Außerdem liege die Kurve am Abend bis nach Mitternacht über dem Durchschnitt der Vorjahre.

Insgesamt hätten Privathaushalte 2020 aber nicht mehr Strom verbraucht als im Jahr zuvor. Anders sieht es laut Schneider bei den Geschäftskunden aus: Dort lag der Jahresverbrauch 2020 um sieben Prozent unter dem von 2019. Während der Lockdown-Phasen verbrauchten Geschäftskunden sogar 20 Prozent weniger Strom.

Beim Wasserverbrauch lohnt sich der Blick auf die Verbrauchsspitzen

Der Wasserverbrauch lag im Corona-Jahr 2020 mit 25 Millionen Kubikmetern lediglich um zwei Prozent über dem Vorjahr. „Aufgrund der vergleichbaren klimatischen Verhältnisse der beiden Jahre ist hier allerdings keine gravierende Abweichung zu erkennen“, betont Schneider.

Ein etwas geringerer Verbrauch bei Industrie und Gewerbe wurde durch die intensive Gartenbewässerung während der Lockdown-Phasen ausgeglichen. Doch auch beim Wasser lohnt sich laut Schneider der Blick auf die Details. Während des derzeitigen Lockdowns sind die Bedarfsspitzen, insbesondere am Morgen, nicht mehr so deutlich ausgeprägt wie bisher.

Stattdessen ist der Wasserverbrauch gleichmäßiger über den Tag verteilt. Auch hier macht sich nach Schneiders Einschätzung ein „Homeoffice-Effekt“ bemerkbar. Wenn die Leute den ganzen Tag zuhause sind, werden bestimmte Tätigkeiten wie Duschen, Geschirr spülen oder Wäsche waschen nicht mehr so oft zu den üblichen Stoßzeiten am frühen Vormittag oder nach Feierabend erledigt.

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