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Streit um die U-Strab und das Stadtbild wurde frisch angefacht

Nach Belagwechsel von Hell zu Grau: Karlsruhes Marktplatz bekommt doch keine grauen Platten

Ein städtischer Beschluss ist in Karlsruhe doch nicht in Stein gemeißelt. Zumindest, wenn es um die Gestaltung des Marktplatzes geht, fließen die Dinge. Jetzt wird ein unvermittelt angebrachter grauer Stein doch wieder demontiert. Die U-Strab wirbelt eben während ihrer langen Baugeschichte immer neuen Staub an der Oberfläche auf.

Graue Wand: Mit einem ganz anders als die hellen Bodenplatten wirkenden Stein wurde eine U-Strab-Mauer auf dem Marktplatz verkleidet. Foto: Jörg Donecker

Die Gestaltung des Marktplatzes liefert doch keinen neuen Stein des Anstoßes. Keine grauen und glatten Platten ziehen ein. Die Betonwände der U-Strab-Abgänge werden nicht anders verkleidet als versprochen.

Am Freitag hat die Stadtverwaltung binnen der drei Stunden, nach denen sie erst zu entsprechenden Fragen der BNN Stellung bezog, eine erneute Kehrtwende hingelegt: Der graue Stein wird wieder demontiert. Die vier U-Strab-Abgänge auf dem Marktplatz bekommen nun doch Brüstungen mit hellem Granitüberzug.

Zuvor schäumten Kritiker eines völlig unvermittelten Kurswechsels zum grauen Mauerkleid. Mit dem neuen Karlsruher Mäuerchen nahe der Stadtkirche konfrontierte Passanten schütteln ungläubig den Kopf. Spötter rümpfen die Nase, ratlose Bürger zucken mit den Achseln.

Aber jetzt ist man im Rathaus schnell zurückgerudert. „Die Arbeiten wurden gestoppt, die grauen Steine kommen wieder weg“, sagt Anke Karmann-Wössner, Chefin des Stadtplanungsamts. Darauf habe sich eine Runde aus fünf Institutionen geeinigt. Man korrigiere damit eine „nur auf Arbeitsebene getroffene Entscheidung, die nicht an die Führungsebene herangetragen wurde“.

Weder der Baubürgermeister noch sie seien informiert worden, versichert Karmann-Wössner. Sie selbst habe „immer angenommen, dass heller Granit verwendet wird“, so wie es auch den Bürgern versprochen sei.

Die totale Einheitlichkeit ist doch nicht die Lösung

Die Abgänge in eine per aufwendigem Lichtgespinst erhellte Unterwelt gleichen sich dem feinen und hellen Material aus portugiesischem Steinbruch an, mit dem Karlsruhes gute Stube neuerdings gepflastert ist.

Die U-Strab darf mit ihren Aufbauten die Harmonie des klassizistischen Stadtbildes zwischen Stadtkirche und Rathaus möglichst wenig stören. So war es mit dem Wettbewerb für die Marktplatz-Gestaltung besiegelt. Doch nun schien die versprochene Stadtidylle nicht mehr zu stimmen.

Plötzlich zählte ein anderes Kriterium: die Einheitlichkeit an der Oberfläche insgesamt. An allen sieben Stellen in der City, wo es in die U-Strab geht, sollte es nun gleich aussehen: Und graue, glatte Wände gelten den Gestaltern dabei als das Nonplusultra. Das Erscheinungsbild des Marktplatzes wurde zweitrangig.

Für die Uniformität im Ganzen nahm man das Graue im Einzelnen in kauf. Unterirdischer Maßstab ist für Karlsruhe, dass alle sieben Untergrundstationen gleich aussehen. Und nun sollte dieses Gebot der Konformität eben auch an der Oberfläche umgesetzt werden. „Nagelfluh“ heißt der Stein des Anstoßes. Es ist ein graues Sedimentgestein von grobem Korn aus Bayern.

Entscheidung am Bürgermeister vorbei

Ex-Baubürgermeister Michael Obert war empört. „Der U-Strab-Haltestellen-Wettbewerb hatte vorgesehen, dass die U-Strab-Abgänge am Marktplatz mit dem gleichen Material belegt werden wie der Boden“, stellte er klar. Sie wüchsen so zu sagen aus dem Boden heraus und seien nicht so auffällig, erklärt er.

Obert schimpfte: „Nun werden sie aber mit dem gleichen, grauen Konglomerat besetzt wie im Rest der Stadt.“ Schon dort ist dies nach Einschätzung Oberts „ein Fehlgriff, denn das Material wird im Alterungsprozess sehr unansehnlich, grau und schmutzig“.

Obert, der bis September 2018 maßgeblich über ein Jahrzehnt lang für die Umsetzung der U-Strab-Beschlüsse in der Rathausspitze Verantwortung trug, meint: „Am Marktplatz ist der graue Nagelfluh aber völlig deplatziert.“ Der erzürnte Oberst sah darin „ein weiteres gebrochenes U-Strab-Versprechen“.

Dabei gibt es die Information, dass die Entscheidung für den grauen Stein bereits im Februar 2018 fiel, also noch in Oberts Amtszeit. Somit wurde diese Entscheidung zum Stadtbild als U-Strab-Frage tatsächlich irgendwo im Konzern Stadt beschlossen, ohne dass der Baudezernent Obert und die Spitze des Stadtplanungsamts davon wussten.

Sein FDP-Parteifreund, Stadtrat Thomas Hock, griff die Stadtverwaltung scharf an. Man ignoriere ein Versprechen. Vom Steinmaterial „Nagelfluh“ hält er nichts. „Es sieht unschön aus, wird recht schnell wüst und schmutzig“, meint der Liberale. Übrigens wird jetzt nur für den Marktplatz eine Ausnahme gemacht. Die drei Haltestellen in der Kaiserstraße bekommen wie die restlichen drei U-Strab-Stationen Treppenbrüstungen aus Nagelfluh.

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