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Kundin bekommt Panik

Taxifahrer lässt junge Frau in Karlsruhe nicht aussteigen – nächtliche Fahrt landet vor Gericht

Eine 30-Jährige will möglichst schnell von einer Feier nach Hause zu Mann und Kind. Doch der Taxifahrer fährt woanders hin. Das Gericht arbeitet eine sonderbare Geschichte auf.

Zahlreiche Taxen stehen auf der Straße
Eine denkwürdige Taxifahrt in den späten Abendstunden hat jetzt im Karlsruher Amtsgericht ein Nachspiel gehabt. Foto: Paul Zinken/dpa

Die Frau ist 30 Jahre alt, und sie will an jenem Abend im April von der Feier in Rheinstetten möglichst schnell nach Hause in die Weltzienstraße im Karlsruher Westen. Es ist das erste Mal seit der Geburt ihres Kindes, dass sie mal wieder allein unterwegs ist. Da habe sie lieber ein Taxi gerufen, als zu warten, bis sie bei einer Freundin mitfahren konnte, erinnert sie sich.

Es ist 22.30 Uhr, als das Taxi vorfährt. Bei ihrem Anruf hatte die Frau bereits kundgetan, dass die Fahrt in die Weltzienstraße gehen soll. Dem Fahrer gegenüber wiederholt sie das Fahrziel, dann steigt sie rechts im Fond des Wagens ein. Der Chauffeur, ein 66 Jahre alter Karlsruher, lenkt sein Auto auf die B36 in Richtung Innenstadt. Alles scheint in Ordnung.

Taxi-Fahrt durch Karlsruhe: Auf dem Weg werden die Zweifel größer

Ins Grübeln kommt die junge Frau, als der Fahrer halblaut die Frage in den Raum stellt, ob man durch den Wald fahren solle. Den Wald? Der Fahrgast wird unsicher. Das Taxi bewegt sich derweil auf der Pulverhausstraße in südöstlicher Richtung.

Er möge doch bitte über die Durmersheimer Straße vorbei an der Moninger-Brauerei fahren, bittet die 30-Jährige den Taxler. Sie könne auch aussteigen und zu Fuß weiter. Doch der Fahrer bleibt auf der Pulverhausstraße und hält den Wagen in Bewegung. „Ich habe Angst bekommen“, sagt die Frau in der Rückschau.

Karlsruherin schickt ihrem Mann einen Hilferuf per Handy

Die Fahrt geht weiter über die L605 zur Südtangente. Dort fädelt sich der Fahrer Richtung Edeltrudtunnel ein. Allerspätestens jetzt ist der 30-Jährigen klar, dass es so nicht nach Hause in die Weltzienstraße geht. Sie ruft per Handy ihren Mann an. Der gebietet dem Fahrer, seine Frau sogleich aussteigen zu lassen. Andernfalls wende er sich an die Polizei.

Mittlerweile ist das Taxi auf der Ettlinger Allee Richtung Rüppurr unterwegs. Am Stadtbahnhalt Dammerstock biegt der Taxifahrer nach rechts in die Nürnberger Straße ein. In Höhe der Straße „Links der Alb“ kommt der Wagen zum Stehen. Die junge Frau reißt die Tür auf und flüchtet. Ohne zu zahlen.

Taxifahrer legt Widerspruch gegen Strafbefehl ein

Der Fahrer bekommt einen Strafbefehl. 60 Tagessätze à 50 Euro soll er zahlen, macht 3.000 Euro. Dagegen legt er Widerspruch ein, weshalb es zur Hauptverhandlung am Amtsgericht kommt. „Wegen Freiheitsberaubung“ ist auf dem Aushang am Sitzungssaal zu lesen.

Dort löst sich der zunächst schwer nachvollziehbare Sachverhalt rasch auf. Die Frau wollte in die Weltzienstraße, der Taxler verstand Belchenstraße. Die liegt im Weiherfeld, die Weltzienstraße hingegen in der Weststadt nördlich der Günther-Klotz-Anlage. Um von der Pulverhaus- zur Belchenstraße zu kommen, empfiehlt sich die L 605 Richtung Süden und dann die Passage des Weiherwalds. Weil die Frau nicht durch den „Wald“ wollte, habe er die Südtangente genommen, sagt der Chauffeur der Richterin.

Natürlich hätte er anhalten müssen, sagt er, „das war ein Fehler“. Der andere Fehler war, dass er Belchenstraße verstand, als sie Weltzienstraße sagte. Am Ende wird die Sache gegen Zahlung von 750 Euro an die Deutsche Hirntumorhilfe eingestellt. „Dann hat wenigstens jemand was von der Sache“, meint der Taxifahrer.

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