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Hoffnungsvolle Aufkleber

Neue Streetart in Karlsruhe: Da lächelt’s vom Laternenmast

Und wieder lächeln Streetart-Aufkleber in Karlsruhe die Menschen an: Zwei Kulleraugen und ein fröhlicher Mund in verschiedenen Farbkombinationen sollen in schweren Corona-Zeiten den Menschen Hoffnung geben – dazu gibt es auch einen Instagram-Account mit aufmunternden Texten. Was steckt dahinter?

Buntes Lächeln in grauer Zeit: Die Kulleraugen und der Lachmund des unteren Aufkleber-Gesichts sollen speziell in der Corona-Zeit den Menschen ein Lächeln schenken - und Hoffnung. Foto: Karin Stenftenagel

Zwei hellbraune Kulleraugen und ein fröhlicher roter Mund blicken von einem Laternenmast auf dem Schlossplatz die Passanten an – wer das Lachgesicht entdeckt, wird das Lächeln vielleicht im Vorbeigehen still erwidern. Wer mehr wissen möchte, kann dem darunter angebrachten QR-Code oder dem Instagram-Namen nachforschen und findet in dem Sozialen Netzwerk das Account „@geniale_gesichter“. Dort zu sehen sind Fotos von verschiedensten bunten Kulleraugen-Gesichtern, manche lächeln, andere grinsen durch die Zahnlücke und wieder andere sehen auf eine comicartig-humorvolle Art auch nachdenklich, skeptisch oder traurig aus.

Sie blicken von Baumstämmen, heruntergefallenen Herbstblättern, Laternenmasten, Straßenschildern oder Pollern jedem entgegen, der sie wahrnimmt.

Hoffnungsvolle Botschaften von Obama oder Konfuzius

Zu jedem Bild gibt es einen kleinen Text, der sich vor allem im Lockdown-November um das Thema Hoffnung drehte – manchmal auch einfach ein Zitat eines berühmten Menschen. „Die Abwesenheit von Hoffnung kann eine Gesellschaft von innen verwesen lassen“, ist zum Beispiel vom ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama zu lesen. Oder der Rat des chinesischen Philosophen Konfuzius: „Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“ Viele Texte stammen auch aus der Bibel oder sind allgemein aus christlichem Denken heraus geschrieben. Manchmal sind es aber auch sehr konkrete Denkanstöße und Ratschläge für die Corona-Zeit: eingeschlafene Freundschaften mit einer netten Geste wiederzubeleben zum Beispiel, oder sich schlicht nicht verrückt machen zu lassen.

„Wir wollen die Menschen überraschen, da die Zeit so negativ ist“, sagt einer der Urheber des Projekts, eine Gruppe von Freunden aus Karlsruhe. „Wir wollen zum Lachen bringen. Und auch: Freude schenken, Mut machen, wertschätzen, aufbauen, nachdenken.“ Seine Identität gibt er nicht preis, denn das Bekleben von öffentlichen Flächen ist nicht ganz legal. „Uns ist bewusst, dass das nicht jedem gefällt. Deshalb machen wir das nur im öffentlichen Raum, nicht auf privaten Flächen“, erklärt der Smiley-Kleber.

Zudem habe man darauf geachtet, dass die Gesichter leicht wieder abgehen – durch Wind und Wetter oder mithilfe eines Föns. „Manchmal bleiben die Gesichter auch nur so lange kleben, bis das Foto gemacht ist.“ Die Idee entstand bereits im März während des ersten Lockdowns. Damals beklebten die Freunde Gesichter an Baumstämme. „Später kam uns der Gedanke, mit den Gesichtern auf Instagram Hoffnung in der Corona-Zeit zu verbreiten“, sagt der Initiator. Er glaube an Gott und an die christliche Botschaft der Hoffnung nach dem Tod.

Besteht ein Zusammenhang zu den gelben Smileys?

Auch die Seele brauche Nahrung, betont er. Besonders jetzt in der Corona-Pandemie: „Wenn man so durch die Stadt geht und in die Gesichter der Leute schaut – das tut mir schon weh.“ Auch die Nachrichten hätten oft eine negative Tendenz. „Das zieht einen runter. Ich möchte eher aufbauen.“ Durch das Instagram-Account ziehe die Botschaft der Hoffnung mittlerweile Kreise, viele hätten sich durch persönliche Mitteilungen über das Netzwerk geöffnet.

An dem Laternenmast auf dem Schlossplatz klebt das Kulleraugen-Gesicht direkt unter einem alten Bekannten: Ein bereits etwas verblichener gelber Smiley hat zuerst gelacht. Wie die BNN 2018 in einer Recherche exklusiv herausfanden, hat auch diese Aktion das Ziel, den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu malen und die Laune zu heben. Das war den Kulleraugen-Klebern nicht bewusst. „Ich dachte einfach, ich mach’ das dazu“, sagt der Schöpfer der „Genialen Gesichter“. „Das ist dann, wie wenn der Smiley ein Geschwister hat.“ Der Urheber der gelben Smileys, eine feste Größe in der Karlsruher Streetart-Szene, freut sich über die Zufalls-Nachahmer: „Das ist genau das, was ich auch weitertragen möchte“, sagt er am Telefon. „Smileys sind sogar noch besser als Peace-Zeichen, denn ihre Message wird noch im allerletzten Winkel der Welt verstanden.“

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