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Konfetti-Pakete und Narrenbäume

Nicht nur digital: Karlsruher Fastnachter haben kreative Aktionen geplant

Sauber bleiben am Schmutzigen Donnerstag in der Corona-Fastnacht: Lustig ist anders. Trotzdem geht erstaunlich viel bei den Narren in Karlsruhe. Und zwar nicht nur im Internet.

Kreativ trotz Corona: Das Festkomitee Karlsruher Fastnacht (FKF) präsentiert virtuell eine Büttenrednerschau. Präsident Michael Maier moderiert die Premiere als „Archivar“. Foto: Festausschuss Karlsruher Fastnacht/Michael Maier

Den Appell des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) an die Fastnachter, diesmal auf Geselligkeit zu verzichten, haben Karlsruhes organisierte Narren nicht gebraucht. Corona kappt den tollen Trubel, der sonst mit dem Schmutzigen Donnerstag ins Finale geht.

Längst abgeblasen sind der wilde Narrensprung in Grötzingen und alle Straßenumzüge. Keine Chance hatten der närrische Lindwurm durch Aue und Durlach am Fastnachtssonntag und das Narrendefilee am Fastnachtsdienstag durch die Karlsruher City mit sonst bei gutem Wetter bis zu 100.000 Zuschauern.

Und doch geben die Fastnachter nicht auf, die in der Großstadt parallel den rheinischen Karneval und alemannische Bräuche pflegen. Sie wollen unbedingt Frohsinn verbreiten und bieten dem Winter mit knalligen Farben und gepflegt schrillen Tönen Paroli.

Sie setzen vor Ort bunte Tupfen, pandemiegerecht und fantasievoll. Parallel weichen Aktive ins Internet aus. Durlacher Narren schmücken Schaufenster, in Daxlanden amüsieren sich Senioren per Telefon, und der Präsident der städtischen Narrenschar moderiert als launiger „Archivar“ eine Büttenrednerschau im Netz.

Premiere für bekannte Karlsruher Büttenredner

Diese erste „Karlsruher Büttenrednerschau“ startet am Schmutzigen Donnerstag. Sie gibt acht renommierten Büttenrednerinnen und Rednern aus Mitgliedsvereinen des Festausschusses Karlsruher Fastnacht (FKF) eine Bühne.

Mia Eichsteller, Fabian Schmalbach, Michaela Vogel, Patricia Weisshaar, Ulrike Bosch, Michael Obert, Bernd Lindorf und Markus Künstler haben ganz klar ein Thema: die Fastnacht im Lockdown. Launig moderiert der FKF-Präsident Michael Maier alias „Archivar des FKF“ die Filmclips, die auf mehrere Tage verteilt ins Netz gestellt werden.

Zu einer Collage närrischer Bilder mit Bezug zu Karlsruhe singt zudem Markus Künstler von der Humoristika das Lied „Du Bisch Karlsruh“.

Auch für den traditionell ökumenischen närrischen Gottesdienst hat der FKF eine Lösung gefunden. Aufzeichnungen entstanden in St. Stephan und der Kleinen Kirche am Marktplatz. Sie werden am Samstag um 11.30 und 19.30 Uhr sowie am Sonntag um 9.30 und 16 Uhr in Baden TV ausgestrahlt. Die Schlüsselrückgabe an Oberbürgermeister Frank Mentrup am Fastnachtsdienstag können Freunde der Narretei wie den Auftakt in Form eines Kurzfilms nachvollziehen. Den Tag vor Aschermittwoch garniert zudem ein Video des Liedes „Fassenacht in Meenz“ von Oliver Mager, umgeschrieben auf Karlsruher Verhältnisse. Als Drehscheibe für alle Beiträge dient die Internetseite des FKF. Die Beiträge werden auch bei Facebook und Instagram gestreamt.

Schaufenster und Narrenbäume statt Umzug

In der Wirklichkeit verankern die Durlacher ihren kleinen Ersatz dafür, dass die Narretei im übrigen flachfällt. Das Organisationskomitee Durlacher Fastnacht (OKDF) will zusammen mit Markus Eyholzer von den Dornwaldhexen sowie Durlacher Geschäftsleuten „trotz allem zumindest ein kleines bisschen Fastnachtsgefühle“ wecken, sagt der Präsident Torsten Holzwarth.

Dazu dekorieren die Durlacher Fastnachtsvereine zum Schmutzigen Donnerstag ein knappes Dutzend Schaufenster in der Altstadt fastnachtlich.

Dadurch bietet für den Rest der tollen Tage ein rund 1.000 Meter langer Spaziergang durch die historische Ortsmitte mit Stationen in der Pfinztalstraße, am Saumarkt, in der Karlsburgstraße sowie an der Ecke von Amalienbad- und Gärtnerstraße Einblick in die Durlacher Fastnacht.

Alemannisches Brauchtum wird in Daxlanden hochgehalten. Die „Kohlebuckler“ haben den Christbaum auf dem Schlaucherplatz von unten her entastet und den Wipfel närrisch dekoriert.

Ähnlich, mit individuellen Narrenbäumen im Kleinmaßstab, trotzt in Karlsruhe noch kaum eine Familie der Pandemie, anders als im Landkreis, wo mancherorts der Einfluss der Schwarzwald-Zünfte auch bei dieser neuen Sitte spürbarer ist.

Konfetti-Pakete für Familien

Eine weitere Idee aus dem alemannischen Kerngebiet hat jedoch die Hottscheck-Zunft in Grötzingen aufgegriffen. Dort packten die Aktiven kleine Pakete mit Konfetti, Luftschlangen und kleinen Überraschungen für Familien.

100 Stück waren im Nu vergriffen, zum Glück gab es dank eiserner Reserve noch Nachschub. Für die Grötzinger ist der Hexenmarkt zwar verlaufen, bevor er angefangen hat.

So können wir die Fastnacht immerhin nach Hause tragen.
Uwe Herbold, Hottscheck-Zunftmeister

Damit aber doch ein bisschen Stimmung in pandemiegerechten Bahnen möglich ist, wurden andere Pflichten gelockert. Ausnahmsweise dürfen nun Häs und Orden angelegt werden, obwohl die Träger keine Gruppe bilden. „So können wir die Fastnacht immerhin nach Hause tragen“, sagt Zunftmeister Uwe Herbold.

Jürgen Stoll war lange Zunftmeister in Daxlanden, inzwischen konzentriert er sich auf die Brauchtumsforschung. „Ich bin froh, dass sich diesmal die Narren nicht so paralysiert ergeben wie 1991, als die Fastnacht wegen des Golfkriegs ausfiel“, sagt Stoll.

Auch er bleibt aktiv trotz Distanzgebot. Auf einer Bank an seinem Haus in der Kastenwörtstraße sitzt wettergeschützt ein Original der örtlichen Fastnacht als lebensgroße Puppe. Sie verkörpert eine Daxlander Schlampe, drapiert zur Freude kleiner und großer Passanten. Zudem öffnet der Caritasverband per Lotsenprojekt einen besonderen Draht.

Fastnachtslieder-Singen

Wer sich am Schmutzigen Donnerstag einige Minuten vor 18 Uhr unter der Telefonnummer (07 21) 6 05 62 02 22 einwählt und den Code 24 70 76 eingibt, kann mit Sabine Ernst und anderen eingewählten Teilnehmern zu Kosten eines Ortsgesprächs gemeinsam närrische Lieder singen.

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