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Betroffener aus Karlsruhe berichtet

Nur noch wenige Zeitzeugen können an die Deportation von badischen Juden nach Gurs erinnern

Vor 80 Jahren begann mit der Deportierung von Tausenden Juden nach Gurs eines der dunkelsten Kapitel in der badischen Geschichte. Viele Jahre lang haben Zeitzeugen die Erinnerung an den Völkermord am Leben gehalten. Doch bald müssen neue Formen der Erinnerungskultur gefunden werden.

Auf dem Deportierenfriedhof in Gurs wurden die Opfer der Nazis begraben. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe

In den frühen Morgenstunden des 22. Oktober 1940 wurde der zwölfjährige Paul Niedermann von einem Trommeln an der Wohnungstür in der Herrenstraße 14 geweckt. „Es waren da drei Beamte der Gestapo, wie man sie heute noch manchmal im Kino sehen kann: Schlapphut, der Ledermantel da ausgebeult, wo die Pistole steckte. Nach Naziart brüllten die Beamten und riefen: ‚Packt ein, was ihr tragen könnt, Koffer oder Rucksack. Ihr dürft 100 Reichsmark pro Person mitnehmen und in 20 Minuten geht es los‘“, schrieb Niedermann über 40 Jahre später in seinen Memoiren.

Für die Familie Niedermann und für knapp 1.000 weitere Karlsruher Juden begann in dieser Nacht eine mehrjährige Leidenszeit mit Deportation, Hunger und Tod. Etwa 6.500 jüdische Mitbürger aus Baden und dem Saarland wurden vom 22. bis zum 24. Oktober von den nationalsozialistischen Machthabern mit Zügen ins Konzentrationslager im südfranzösischen Gurs gebracht.

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