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Musik in Corona-Zeiten

Hoffnung für regionale Bands und Musikfans: Kommt Bühne auf den Karlsruher Schlachthof?

In der corona-bedingten Konzertpause haben sich regionale Bands mit Songwriting beschäftigt. Jetzt steigt die Vorfreude auf die ersten Konzerte. Die werden durch Abstandsregeln aber so ganz anders als vor der Pandemie.

Mit neuem Album zunächst ausgebremst: Quiet Lane aus Birkenfeld mussten ihre Plattenpräsentation ins Internet verlegen. Foto: pr

Ganz spontan hat das Duo Quiet Lane aus Birkenfeld im Enzkreis bereits Anfang Juni ein Konzert gegeben: Im Waldgarten des Sudhaus in Tübingen. Das Publikum musste sitzen, die Stühle standen corona-konform voneinander entfernt.

„Das hat gut funktioniert, das war schön, trotz schlechtem Wetter. Die Tübinger haben sich gefreut, dass was geboten wird“, sagt Bandmitglied Hannes Liewald.

Das bis dahin letzte Konzert der Hobby-Band war anders: Es war vor der Kamera statt vor Publikum, für die Online-Veranstaltungsreihe des Pforzheimer Kupferdächles. Auch das von langer Hand vorbereitete Release-Konzert für Quiet Lanes zweites Album musste wegen Corona im Internet stattfinden.

Interaktiver CD-Release ersetzt lang ersehntes Konzert

Liewald und sein Kollege Simon Hartfelder ließen sich dafür etwas einfallen: „Dann haben wir einen interaktiven CD-Release gemacht, wofür Freunde von uns spontan zu den Songs Videos geschnitten haben. Die haben wir bei Youtube präsentiert und davor und danach etwas zu den Songs erzählt. Das war ganz cool.“

Auch die Karlsruher Crossover-Band Mess Up Your DNA hat ein Livestream-Konzert gespielt – im leeren Kinosaal der ehemaligen Karlsruher Kurbel, der zur künftigen Spielstätte des Jazzclubs umgebaut wird.

„Die Resonanz war sehr gut, also überraschend gut. Das war von uns aus gesehen sehr komisch, vor den Kameras zu spielen, ohne Feedback und ohne Gesichter zu sehen“, findet Bassist Philipp Wilhelm. Eigentlich hatte sich das Trio in diesem Jahr auf ein paar Festival-Auftritte gefreut.

Escape The Void hatten noch keine Zeit für Online-Konzerte

Escape The Void mit Mitgliedern aus Rastatt, Karlsruhe und Mannheim wollten kurz vor dem Konzertverbot eine Show zum einjährigen Erscheinungstag ihrer EP „Inhuman“ im Karlsruher Studentenzentrum Z10 spielen.

Das Z10 sagte die Veranstaltung aber vorsichtshalber ab. „Das war definitiv richtig“, findet Gitarrist Kevin Frisch. Ausgerechnet seit März hat die Band einen Booker, der unter normalen Umständen Auftritte für Escape The Void buchen würde.

Die Metalband kann sich vorstellen, als Konzertersatz ebenfalls Livestreams zu spielen. „Wir haben auf Spotify auch Hörer aus Israel und den USA. So könnten wir die auch mal erreichen“, erklärt Gitarrist Kevin Frisch. Bisher hatten Escape The Void trotz Corona noch keine Zeit für Online-Konzerte.

Songwriting hilft über die Corona-Zeit hinweg

Denn sie hatten schon davor feste Studio-Termine vereinbart und haben das Frühjahr wie geplant zur Vorproduktion genutzt, also ihre Songs arrangiert und so bereit fürs Studio gemacht. Auch Mess Up Your DNA haben die Vorproduktion ihrer neuen EP begonnen, zusätzlich haben sie sich wie Quiet Lane ans Songwriting gemacht.

Jetzt, da wieder kleinere Veranstaltungen und Konzerte möglich sind, freuen sich die Musiker auf ihre kommenden Auftritte. Das Folk-Duo Quiet Lane hat das nächste Konzert schon fest im Blick: Es wird beim Ettlinger Kultursommer auf dem Dickhäuterplatz sein. Damit sind die Birkenfelder den anderen beiden Bands voraus.

Konzert-Anfragen erst einmal unter Vorbehalt

Die Mitglieder des Karlsruher Crossover-Trios Mess Up Your DNA wollten sich nach einer ruhigeren Phase dieses Jahr wieder richtig in die Band reinknien und 20 Shows spielen. Sie freuen sich auf ihr erstes Konzert nach der Pause. Das könnte im August sein.

Zwei Anfragen für Auftritte haben sie schon, aber beides ist noch unter Vorbehalt. Denn die Veranstalter sind von Förderungen und Verordnungen abhängig. „Wir wollen spielen!“, machen die drei jungen Männer deutlich.

Metal ist halt keine Sitz-Musik.
Kevin Frisch, Gitarrist der Metal-Band Escape The Void

Anders sieht es bei der fünfköpfigen Metal-Band Escape The Void aus. Der Auftritt beim Core Fest in Stuttgart im September steht auf der Kippe. Er wäre das Jahres-Highlight für die Band. „Wir haben ein paar Sachen im Hinterkopf, aber noch nichts Fixes. Das wäre aber alles Anfang 2021“, sagt Gitarrist Kevin Frisch.

Dieses Jahr könne man mit nichts rechnen. Das führen er und sein Bandkollege Fabian Lauer auf ihre Musikrichtung zurück: „Metal ist halt keine Sitz-Musik“, sagt Frisch.

Deswegen sind akustische Konzerte kein Ersatz für das Live-Erlebnis bei normalen Konzerten. „Man will ja auch den Krach.“ Und die Songs umzuarrangieren, damit sie akustisch gespielt werden können, sei sehr aufwendig.

In der Alten Hackerei gibt es Biergarten-Konzerte

Metal ist eine der Musikrichtungen, die Besucher oft in der Alten Hackerei in Karlsruhe zu hören bekommen – unter normalen Zuständen. „Unsere Konzerte leben von der Enge und dem Sozialisationsgefühl, die Besucher lieben die kleinen Konzerte. Aber das ist ein Geschäftsmodell, das gerade nicht geht“, sagt Inhaber Christian „Plüschi“ Bundschuh.

Nun müsse man andere Formate ausprobieren, um die Krise zu überstehen. Deswegen gibt es in der Hackerei nun Biergarten-Konzerte, bei denen Singer-Songwriter und kleine Bands mit bis zu drei Mitgliedern unplugged auftreten.

Was nach dem Sommer kommt, müsse man schauen. „Wir sehen keine Chance, im Konzertraum Shows zu veranstalten, da könnten wir momentan vielleicht 18 Leute reinlassen, das wäre nicht wirtschaftlich“, erklärt Bundschuh. Im Oktober und November sei zwar einiges geplant, aber immer mit der Option, dass es nicht stattfinden könne. Momentan werden Bands für 2021 gebucht.

Das Kupferdächle lässt nur Familie und Freunde zu den Konzerten

Im Kupferdächle in Pforzheim findet am 11. Juli das erste Konzert statt. Statt wie sonst 300 passen wegen der Corona-Regeln nur 30 Gäste in den großen Saal des Hauses. Deswegen sind Karten nur bei der Band The Sciences zu bekommen, „Family and Friends“ heißt das Prinzip.

Alle anderen können sich den Auftritt der jungen Rockband aus Pforzheim auf Youtube anschauen. „Wir sind froh, dass wir einen so großen Saal haben und überhaupt etwas machen können“, erklärt Kulturmanager Rolf Watzal. Mit diesem Konzept will das Kupferdächle erst einmal weiter fahren.

Im September ist ein kleines Hausfestival geplant. Dabei spielen die Musiker, die bei der Online-Veranstaltungsreihe des Kupferdächles aufgetreten sind, auf dem Balkon des Gebäudes zum Parkplatz hin. Noch bis zum Jahresende plant Watzal mit Einschränkungen. Er hofft, dass nach Oktober wieder stehende Zuschauer möglich sind.

Im Café des Karlsruher Substage war nach wochenlanger Pause Mitte Juni wieder Live-Musik zu hören – nicht unten im Saal, sondern oben auf der Dachterrasse. „Das kam super an, die Zuschauer haben sich gefreut“, berichtet Andreas Schorpp, Vorsitzender des Trägervereins. 30 Leute hatten auf der Terrasse Platz gefunden.

Doch solche Konzerte seien nicht wirtschaftlich: „Bei der Besucheranzahl kann man sich vorstellen, dass dann jeder für das bisschen Gage der Musiker einen Zwanziger Eintritt zahlen müsste. Dazu braucht man dann noch, wenn es verstärkt wird, einen Techniker und das ist alles teuer“, fasst Schorpp zusammen. „Man kann den Leuten natürlich nicht 20 Euro Eintritt abknöpfen für eine lokale Band, die keine Berühmtheit ist.“

Das Substage-Team plant trotzdem. „Wir werden auf jeden Fall irgendwas veranstalten, aber je nachdem, wie es finanziell aussieht, mehr oder weniger oft.“ Der Musikclub ist auf Zuschüsse angewiesen, die noch nicht da sind.

Kommt eine Bühne auf den Karlsruher Schlachthof?

Von Zuschüssen abhängig ist auch ein Projekt des Karlsruher Kulturrings: eine Bühne auf dem Schlachthof-Areal. Dort wäre jeden Tag eine andere Institution Veranstalter. Die Finanzierung durch die Förderung „Kultur Sommer 2020“ des Landes Baden-Württemberg ist noch nicht durch.

Der Kulturring hat den Antrag bereits gestellt und wartet auf eine Antwort, die Anfang Juli kommen soll. Fällt die positiv aus, könnten zwischen Mitte Juli und Mitte September rund 40 Konzerte auf der Bühne vor dem Substage stattfinden.

Es ist wichtig, dass es die lokalen und regionalen Bands gibt.
Christian Bundschuh, Inhaber der Alten Hackerei

Regionale Bands stehen bei den kleinen corona-konformen Konzerten im Vordergrund. Schorpp nennt den Vorteil, dass diese heimfahren können und so die Hotelkosten wegfallen, die sich sonst gerade bei wenigen Tickets im Eintrittspreis bemerkbar machen.

„Es ist wichtig, dass es die lokalen und regionalen Bands gibt. Sie werden eine große Rolle spielen, solange keine internationalen Bands kommen können“, findet auch Bundschuh von der Alten Hackerei. „Das könnte ein Lichtblick für lokale Bands sein. Wir werden sehen“, sagt Florian Schweizer vom Trio Mess Up Your DNA.

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