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Kriminalstatistik 2020

Pandemie wirkt sich auf Kriminalität aus: Karlsruher Polizei besorgt wegen häuslicher Gewalt

Die Präsentation der polizeilichen Kriminalitätsstatistik kannte in den vergangenen Jahren oft nur steigende Zahlen. 2020 gab es deutliche Rückgänge in vielen Deliktgruppen, was aber nach Ansicht der Polizei den Corona-Einschränkungen geschuldet ist.

Straftaten hinter verschlossenen Türen: Während die Straßenkriminalität 2020 abnahm, häuften sich Körperverletzungsdelikte im privaten Bereich. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Corona hat Folgen, in diesem Fall auch für die Kriminalstatistik: Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe gingen mit den Einschränkungen im öffentlichen Leben auch die beim Polizeipräsidium Karlsruhe verzeichneten Straftaten um 1,5 Prozent zurück.

Im Wesentlichen gibt es Rückgänge bei der Straßenkriminalität wie bei den Eigentumsdelikten. Das Präsidium ist nach der Polizeireform wieder zuständig für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe.

Polizeipräsidentin Caren Denner betonte bei der virtuellen Pressekonferenz zur Vorstellung der Statistik für 2020: „Es ist zu vermuten, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Maßnahmen hier wesentlich dazu beigetragen haben.“

Dazu zählten auch die Überwachung der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, die ihre Wirkung nicht verfehlt und die Sicherheit im öffentlichen Raum aber zusätzlich auch verstärkt haben.
Caren Denner, Polizeipräsidentin

Die Beamten müssten sich aber zahlreichen anderen Aufgaben stellen. Sie bezog dies auch auf die rasche Abfolge neuer rechtlicher Gegebenheiten in Sachen Corona. „Dazu zählten auch die Überwachung der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, die ihre Wirkung nicht verfehlt und die Sicherheit im öffentlichen Raum aber zusätzlich auch verstärkt haben.“ Denner räumte ein, dass dies „eine ordentliche Last an zusätzlichen Aufgaben bedeutet“.

Weniger Diebstähle im Stadt- und Landkreis Karlsruhe

Einfacher und schwerer Diebstahl haben mit 12.580 Fällen den größten Anteil an der Gesamtkriminalität. Sie gingen im Jahr 2020 zum fünften Mal in Folge zurück und erreichten mit einem Minus von 11,3 Prozent oder 1.596 auf 12.580 Fälle den tiefsten Stand seit zehn Jahren.

Beim Wohnungseinbruch war diesmal nur ein leichter Rückgang von elf Fällen auf nunmehr 450 Einbruchsdiebstähle mit einem erneuten Tiefststand zu verzeichnen. Die Vorzeichen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe haben sich aber laut Polizei vertauscht. Während im Landkreis ein Rückgang von 33,2 Prozent festzustellen ist, stieg der Wert in Karlsruhe um 34,1 Prozent an.

Ein Grund dafür ist unter anderem eine noch ungeklärte Einbruchsserie, die gleich zu Jahresbeginn im Karlsruher Westen verübt wurde. Darüber hinaus waren im September und Oktober vermehrt Wohnungseinbrüche in der südlichen Peripherie von Karlsruhe zu verzeichnen.

Wieso diese Zahlen trotz coronabedingter häuslicher Anwesenheit vieler Menschen trotzdem relativ hoch sind, kann sich die Polizei nicht genau erklären. Kripo-Chef Thomas Rüttler vermutet: Offenbar seien die Menschen doch öfter weg als man denkt. Außerdem könne man nicht ausschließen, dass potenzielle Einbrecher beobachteten, wann die Menschen ihre Häuser oder Wohnungen verlassen.

Anstieg der Gewalt in den eigenen vier Wänden

Auch die Straßenkriminalität war rückläufig und bewegt sich auf einem Zehnjahrestief. Insbesondere die „sonstigen Raubüberfälle auf der Straße“ sind auf einen der niedrigsten Werte der vergangenen zehn Jahre gesunken.

Wie aber schon im Vorfeld aus einzelnen Polizeirevieren zu hören war, korrespondiert der Rückgang der Gewalt im öffentlichen Raum mit einem Anstieg der Gewalt in den eigenen vier Wänden. Es gab einen Anstieg bei den Körperverletzungsdelikten, die entgegen einem sinkenden Landestrend (-3,6 Prozent) in der Region Karlsruhe um 5,8 Prozent beziehungsweise um 197 auf nunmehr 3.575 Fälle angestiegen sind.

Dazu zählen auch die Körperverletzungsdelikte, die unter „Häusliche Gewalt“ fallen, also jene unter Ehe- oder Lebenspartnern. Diese sind bei einem Anstieg von 79 Fällen auf 445 beziehungsweise um 21,6 Prozent gestiegen. Insgesamt gab es bei den Delikten, die unter die häusliche Gewalt fallen (beispielsweise auch Sexualstraftaten, Nötigungen und Bedrohungen) einen Anstieg von 72 Fällen auf 514, ein Plus von 16,3 Prozent.

Der Leiter der Kriminalpolizei verwies auf eine hohe Dunkelziffer in diesem Bereich. Und Rüttler fügte hinzu: „Eine Aussage, dass sich schlagende Männer offenbar draußen nicht mehr abarbeiten können, ist in der Tendenz sicher zutreffend.“

Tatort Internet: Erhöhte Cyberkriminalität in Corona-Zeiten

Auch eine Auswirkung der Corona-Pandemie ist der Fokus vieler Menschen angesichts fehlender anderer Möglichkeiten auf das Internet – das hat Folgen: Ein erheblicher Anstieg der Fallzahlen ist bei der „Cyberkriminalität“ festzustellen, so die Polizei. Im vergangenen „Corona-Jahr“ liegt der Anstieg insbesondere bei der sogenannten „Cyberkriminalität mit Tatmittel Internet“ bei einem Plus von 84,7 Prozent, die Fälle haben sich im Stadt- und Landkreis Karlsruhe fast verdoppelt.

Einen wesentlichen Anteil an der Steigerung der Fallzahlen hatten die darin enthaltenen Warenbetrügereien mittels Internet (plus 127,2 Prozent, von 320 auf 727). Hier vermutet die Polizei, dass mit der zunehmenden Zahl an Internetnutzern das kriminelle Milieu in Zeiten von Ausgangs- und Kontaktsperren für sich eine Geldquelle mit geringem Entdeckungsrisiko erschlossen hat. Die Schadenshöhe liegt bei knapp einer Million Euro.

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