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Zahlreiche Aktionen

Parking Day in Karlsruhe: Aktivisten fordern autofreie Stadtteilzentren

Beim Parking Day in Karlsruhe werden Rufe nach autofreien Stadtteilzentren laut. Die Reallabore in der nördlichen Karlstraße und dem Passagenhof sind für die Aktivisten nur ein Anfang.

Parking Day
Zweckentfremdet: Bei Parking Day werden in Karlsruhe Autostellplätze wie hier am Werderplatz anderweitig genutzt und kreativ bespielt. Foto: Jörg Donecker

Auf dem Lidellplatz einen Stellplatz für das Auto zu finden, ist am Freitag ein beinahe aussichtsloses Unterfangen. Gut ein halbes Dutzend der wenigen Parkplätze ist bereits in den Morgenstunden anderweitig belegt.

Die Naturschutzorganisationen Greenpeace und BUND haben in der Steinstraße Stände mit Informationen zur möglichen Mobilitätswende aufgebaut.

Daneben haben es sich die Unterstützer vom Verkehrsclub Deutschland und vom Umweltzentrum Buzo auf Klappstühlen bequem gemacht.

„Heute sieht man mal richtig, wie viel Platz im öffentlichen Raum normalerweise von Autos beansprucht wird“, sagt Buzo-Sprecherin Ute Rieger. Die Menschen für alternative Möglichkeiten zur Nutzung des öffentlichen Raums zu sensibilisieren, ist eines der Ziele beim Parking Day.

Aktionen auf über 40 Karlsruher Parkplätzen

Nicht nur auf dem Lidellplatz wurden anlässlich des jährlichen Aktionstags Autostellplätze für mehrere Stunden zweckentfremdet und alternativ bespielt.

Auf knapp 40 Parkplätzen in mehreren Stadtteilen schlugen zahlreiche Organisationen und Privatleute die Werbetrommel für einen nachhaltigeren Umgang mit dem öffentlichen Raum und autofreie Stadtteilzentren.

In einer Großstadt sollten nur noch die Leute Auto fahren, die keine Wahl haben.
Ute Rieger, Buzo-Sprecherin

„In einer Großstadt sollten eigentlich nur noch die Leute mit dem Auto fahren, die wirklich keine andere Wahl haben“, betont Rieger.

Um die Menschen für das Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad zu begeistern, müsse allerdings auch an den richtigen Stellschrauben gedreht werden.

Ein Problem ist für Rieger etwa der Transport von größeren Einkäufen vom Laden nach Hause. „Da müsste es einfach mehr und bessere Lieferdienste geben“, fordert die Umweltaktivistin.

Bei einem Aktionstag wie dem Parking Day könne man zumindest auf Missstände aufmerksam und Verbesserungsvorschläge öffentlich machen.

Parking Day: Idee entstand 2005 in San Francisco

Die Idee für einen Parking Day entstand 2005 in San Francisco und von dort aus schwappte die Welle der alternativen Parkplatz-Nutzung über die ganze Welt.

Vor acht Jahren initiierten die Vereinsmitglieder von „Die Anstoß“ den ersten Karlsruher Aktionstag auf dem Lidellplatz. Seither hat sich die Anzahl der kreativen Parkraumbesetzer kontinuierlich gesteigert.

Eines der Zentren des diesjährigen Aktionstags ist der Werderplatz, wo „Die Anstoß“ und weitere Initiativen mit einer Konzertbühne und Mitmachaktionen für eine autofreie Südstadt-Mitte warben.

Forderung: Stadt soll mutiger werden

In der Stadtverwaltung werden die Anregungen des Aktionstags ebenfalls ernst genommen. Die Sperrung der nördlichen Karlstraße für den Autoverkehr, eine der ersten zentralen Forderungen des Karlsruher Parking Days, wird derzeit im Rahmen eines Reallabors temporär umgesetzt.

Ein ähnlicher Verkehrsversuch ging wenige Wochen zuvor mit der Sperrung des Passagenhofs für den Autoverkehr über die Bühne.

„Solche Verkehrsversuche sind ein guter Weg, um den Autoverkehr in der Innenstadt schrittweise zu reduzieren“, sagt Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des BUND Mittlerer Oberrhein.

Seiner Einschätzung nach lassen sich weitere zentrale Plätze wie der Lidell- oder der Werderplatz ohne größere Einschränkungen autofrei machen.

Von der Stadtverwaltung wünscht er sich bei solchen Projekten ein mutigeres Vorgehen. Sicherlich gebe es im Vorfeld solcher Verkehrsprojekte immer viele Einwände und Bedenken, so Weinrebe. „Aber die Leute kommen dann doch sehr schnell mit der neuen Situation zurecht.“

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