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Nach Mannheim und Stuttgart

Queere Community plant ein gemeinsames Zentrum in Karlsruhe

In Mannheim und Stuttgart gibt es Zentren für die queere Community, in Karlsruhe noch nicht. Nun wachsen in der Szene erste Pläne dafür – ausgelöst durch die Corona-Krise.

Queeres Jugendzentrum: Das „La Vie“ öffnete 2016 seine Türen. Das Angebot richtet sich an Menschen aus der LSBTTIQ*-Szene bis 27 Jahren. In Baden-Württemberg ist das Zentrum einzigartig. Foto: Jörg Donecker

Zahlreiche Organisationen und Gruppen aus der queeren Szene der Stadt sind während der Corona-Krise enger zusammengerückt. Sie wollen gemeinsam ein Zentrum aufbauen. Noch steckt der Plan in den Kinderschuhen. Viele Fragen, unter anderem zur Finanzierung oder zu konkreten Räumen, sind offen. Die Suche nach einem Namen hat aber bereits begonnen. Ähnliche Zentren gibt es in Mannheim und Stuttgart. In Karlsruhe ist das queere Jugendzentrum „La Vie“ seit 2016 ein Szenetreffpunkt für Menschen bis 27 Jahren, für ältere fehlt bislang eine zentrale Anlaufstelle.

Wunsch nach einem gemeinsamen Treffpunkt

„Ideen dafür gab es in den vergangenen Jahren immer wieder“, sagt Juli Avemark, Projektleiterin des an den Stadtjugendausschuss angegliederten „La Vie“. „Aber nun steckt zum ersten Mal eine starke gemeinsame Energie dahinter.“ Das habe wohl mit der Corona-Zeit zu tun, mutmaßt Anica Abd-el-Ghani, Organisatorin der Initiative lesbischer und schwuler Eltern (Ilse).

„Es gibt das Bedürfnis, sich zu vernetzen. Die ganzen Veranstaltungen, die es sonst in der Szene gab, fallen seit Monaten aus.“ Gewachsen ist die Idee bei einem der wenigen Events, die nicht der Pandemie zum Opfer gefallen sind: Im Herbst 2020 hatten sich viele Mitglieder der Szene, aber auch Vertreter der Stadt und von Firmen, im Internationalen Begegnungszentrum getroffen. „Das war die Initialzündung“, sagt Avemark.

Man habe intensiv über Räume, Netzwerke und die Sichtbarkeit in der Stadt gesprochen. „Daraus entwickelte sich der Wunsch nach einem queeren Zentrum. Seitdem verfolgt eine Arbeitsgruppe das Thema weiter.“ Mittlerweile ist ein Förderantrag bewilligt, es läuft die Suche nach einer Prozessbegleitung.

Viele Interessen müssen berücksichtigt werden

Die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen, sei eine große Herausforderung, berichtet Avemark. Aus 27 Organisationen und Gruppen besteht die LSBTTIQ*-Community laut der Website queerka.de, etwa 15 nehmen regelmäßig an den digitalen Treffen teil. „Alle gehören zu der Buchstabengruppe, aber sie haben schon unterschiedliche Schwerpunkte“, berichtet Abd-el-Ghani.

„Wenn so viele zusammenkommen, gibt es unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen.“ Entscheidend für die Idee sei, dass alle gehört werden, ergänzt Avemark. „Es gibt keine Machtstrukturen. Die Szene ist da besonders sensibel, weil viele schon Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht haben.“ Ganz allein wird die Szene trotz großer Leidenschaft und viel Engagement das Projekt nicht stemmen können, glaubt Michael Lauk.

„Wir erhoffen uns schon Hilfe von der Stadt, gerade was das Thema Räume betrifft“, so der Vertreter eines Netzwerks. Man träumt von einem Zentrum in Citynähe, ähnlich dem „La Vie“ in der Ettlinger Straße. Das habe für die junge Community viel verändert, berichtet Projektleiterin Avemark. „Die Jugendlichen sind sichtbar, sie präsentieren sich in der Stadt und wirken ganz anders in die Jugendarbeit hinein.“

Name soll bald feststehen

Tipps und Hinweise hat sich die Planungsgruppe in Mannheim und Stuttgart geholt. Es gebe verschiedene Anknüpfungspunkte und man komme schnell vorwärts, erzählt Avemark. Man müsse das Rad ja nicht neu erfinden. Gleichzeitig wolle man aus dort begangenen Fehlern lernen. Ins Detail sind die Planungen aber bisher noch nicht vorgedrungen. Es gibt keinen Zeitplan, nichts Konkretes zum Platzbedarf und keine Finanzierung. Ein Name soll dennoch bald feststehen.

„Das hat etwas Identitätsstiftendes“, sagt Lauk. „Damit können wir anders gemeinsam nach außen auftreten und es symbolisiert Rückhalt.“ Abd-el-Ghani ergänzt: „Über Dinge, die einen Namen haben, kann man besser sprechen.“ Dass die gemeinsame Idee nach dem Ende der Pandemie an Schwung verliert, glauben die Beteiligten nicht. „Wir haben uns alle auf ein Ziel verständigt“, so Lauk. „Es gibt eine große Motivation, daran weiterzuarbeiten.“

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