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Mutmaßliche Täter entschuldigen sich

Raubüberfall auf Senioren in Karlsruhe-Durlach: Suche nach dem geheimnisvollen Vierten

Hat es beim Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar in Durlach neben den drei festgesetzten mutmaßlichen Tätern noch einen vierten gegeben? Die Rechtsanwältin der Opfer ist davon überzeugt.

Zugriff: Dank Geistesgegenwart und Tempo gingen der Polizei im März drei mutmaßliche Räuber in Durlach ins Netz. Derzeit stehen sie vor dem Landgericht. Foto: Friso Gentsch/dpa

Drei mutmaßliche Verbrecher entschuldigen sich: „Ich denke oft an euch“, versichert dem betagten Opfer-Ehepaar mit treuherzigem Blick und kumpelhaftem Ton einer der Männer, die die Durlacher vor einem halben Jahr in ihrem Haus überfallen hatten. „Ich war, glaube ich, der Höflichste in der Bande“, schiebt der Mann noch nach.

Sein mutmaßlicher Mittäter bekennt, er schäme sich sehr und wünscht „viel Kraft“. Und der Dritte im Bunde betont, wie sehr ihm alles leid tue. Der 81 Jahre alte Überfallene und seine wenige Jahre jüngere Ehefrau hören sich die Äußerungen an.

Annehmen wollen sie die Entschuldigung aber nur, wenn die drei mutmaßlichen Räuber preisgeben, wer ihnen den Tipp zu dem Überfall gegeben hat. Und wenn sie den Namen eines möglichen vierten Täters nennen.

Warnung vor der Polizei

Dass es einen solchen vierten Täter gegeben haben muss, liegt für die Rechtsanwältin der Opfer, Stephanie Vogt, nahe. Dieser geheimnisvolle Vierte könnte vor dem Wohnanwesen der Eheleute in Durlacher Halbhöhenlage Schmiere gestanden haben.

Denn einer der drei Männer im Haus rief den anderen beiden plötzlich zu, dass Polizei im Anmarsch sei. Möglicherweise, weil er per Handy von dem mutmaßlichen Komplizen draußen gewarnt worden war.

Glück im Unglück

Die beiden überfallenen Senioren hatten Glück im Unglück, als sie in den Abendstunden des 2. März von dem Trio heimgesucht wurden. Denn während die Männer klingelten und den Hausherrn überrumpelten, telefonierte die Frau in der Küche mit einem Enkel in der Schweiz.

Dieser bekam das dramatische Geschehen in Echtzeit mit und setzte die Polizei in Marsch. Die Beamten konnten zwei Männer noch im Haus festnehmen, den flüchtenden dritten in unmittelbarer Nähe. Seither sitzen alle drei in Untersuchungshaft.

Schmerzmittel bis heute

Was ein Überfall wie der von Durlach für die Opfer bedeutet, erläuterten die beiden Senioren im Zeugenstand dem Gericht.

Beide fühlen sich eigenen Angaben zufolge in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher, bis heute hat auch der vor einem halben Jahr malträtierte Hausherr noch immer mit körperlichen Einschränkungen zu tun. Eine geschätzte Viertelstunde kniete schließlich einer der Männer auf seinem Rücken, um ihn zu fixieren.

„Der hatte mich fest im Griff“, sagte der Senior im Schwurgerichtssaal. Bis heute lebt das Paar zwar noch in dem Haus, das zum Tatort wurde. Man ziehe aber einen Umzug in Erwägung, erklärten die Opfer. Bis heute nimmt der 81-Jährige auch Schmerzmittel. Seine Tatkraft habe durch den Überfall stark gelitten.

Geistesgegenwärtig

Bei der Tat fesselten die drei Männer ihre Opfer mit mitgebrachten Kabelbindern und brachten die Armbanduhren der beiden Senioren im Wert von 6.000 und 13.000 Euro sowie einen dreistelligen Geldbetrag an sich.

Dass Polizei und Rettungsdienst schon nach wenigen Minuten am Ort des dramatischen Geschehens eintrafen, war der Geistesgegenwart der Hausherrin zu verdanken.

Sie legte das aktivierte Telefon auf den Küchentisch in der Hoffnung, dass ihr Enkel am anderen Ende der Leitung Verdacht schöpfen und Hilfe rufen würde. Die Verhandlung wird am 7. Oktober fortgesetzt.

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