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Abnehmer sind rar

Kostenlose Nachfüll-Angebote für Leitungswasser sind in Karlsruhe kaum gefragt

Viele Unternehmen in Karlsruhe füllen Flaschen kostenlos mit Leitungswasser. Eine Aktionswoche soll derzeit für die Angebote werben – denn bislang nutzen es nur wenige Menschen.

Kostenloses Angebot: Beim Kosmetikartikelhersteller Lush dürfen Besucher ihre Flaschen mit Leitungswasser füllen. Das Unternehmen steht wie zahlreiche weitere Karlsruher Firmen auf der Liste der Initiative Refill. Foto: Jörg Donecker

Was haben eine Zeitarbeitsfirma in der City, ein Autohaus am Tivoli und ein Friseursalon in der Südweststadt gemeinsam? Vermutlich nicht viel. Außer, dass alle drei durstigen Kehlen anbieten, ihre Flaschen kostenlos mit Leitungswasser aufzufüllen.

Die Unternehmen finden sich auf der Website der Initiative Refill, die seit 2017 für die umweltfreundlichen Nachfüllangebote wirbt. Nur nutzt die bislang in Karlsruhe kaum jemand.

„Interessanterweise fürchten viele Geschäfte, dass ihnen die Bude eingerannt wird und die Leute kanisterweise Wasser raustragen“, berichtet Nadine Bolch, die sich im Wasser-Quartier Karlsruhe engagiert. Dabei gehe es nur um ein schnelles und niederschwelliges Angebot.

Interessanterweise fürchten viele Geschäfte, dass ihnen die Bude eingerannt wird und die Leute kanisterweise Wasser raustragen.
Nadine Bolch

„Das Projekt ist langfristig angelegt. Wir wollen bei den Menschen und den Läden ein Bewusstsein schaffen.“ Es mache schließlich wenig Sinn, dass Deutschland tolles Leitungswasser habe und es so verstecke. Um für Aufmerksamkeit zu werben, hat Refill den 3. bis 10. Oktober zur Aktionswoche erklärt.

Die Zeitarbeitsfirma „Erste Reserve Personalservice“ in der Kaiserstraße macht schon seit mehr als drei Jahren mit. „Es kamen bisher aber nur ein Mann und eine Frau vorbei, um hier am Wasserhahn ihre Flaschen aufzufüllen“, sagt die Mitarbeiterin Rosa Ölmez. Auch ein Aufkleber an der Tür hat bislang nicht für mehr Nachfrage gesorgt.

Kostenloses Leitungswasser in Karlsruhe: Hauptabnehmer sind junge Frauen

In der Buchhandlung am Kronenplatz sieht das ein wenig anders aus. Immer wieder lassen dort Menschen die Flasche befüllen. „Es sind eher jüngere Frauen“, sagt der Mitarbeiter Christian Götz. „Das sind aber nicht unbedingt Kunden.“ Über eine befreundete Buchhändlerin seien sie auf Refill gestoßen. „Wir haben uns online registriert und haben dann den Aufkleber zugesendet bekommen“, beschreibt Götz den Weg.

Auch beim Kosmetikartikelhersteller Lush in der Kaiserstraße sind es vor allem die 20- bis 40-jährigen Frauen, die ihre Flaschen am Waschbecken mit Leitungswasser befüllen, sagt die stellvertretende Leiterin Vanessa Gamer. Drei bis vier Leute kommen pro Woche. „Meistens sind es Kunden. Manche kommen aber auch gezielt, um ihre Flasche aufzufüllen“, sagt Gamer. „Lush beteiligt sich auch an anderen Umweltschutz-Projekten. Deshalb machen wir bei Refill mit“, erklärt sie.

Die Töpferei Tietze in der Steinstraße hatte sich nicht selbst auf der Refill-Liste eingetragen. Vor einem dreiviertel Jahr sei eine Frau vorbeigekommen und habe gefragt, ob sie mitmachen wolle, erinnert sich die Inhaberin Susanne Tietze. Seitdem klebt ein blauer Aufkleber mit einem Wassertropfen in der Mitte an der Tür – das Erkennungsmerkmal der Aktion. „Bisher war aber noch niemand da“, sagt Tietze.

Auf die Karte von Refill ist nicht immer Verlass

Wirklich verlässlich ist die Karte von Refill allerdings nicht. Das zeigt sich in Karlsruhe beispielsweise bei Bloom’s Friseur in der Karlstraße. Gelistet ist der Salon noch, obwohl er die Aktion längst nicht mehr unterstützt, wie eine Mitarbeiterin berichtet. Warum er sich zurückgezogen habe, dazu möchte sie nichts sagen.

Noch etwas komplizierter wird es einige Schritte weiter in der Bürgerstraße. Bei der Hausnummer 7C befindet sich eine Refill-Station, so suggeriert es jedenfalls die Karte. Doch statt des Tattoo-Studios Black Halo – das laut Recherche in der Oststadt residiert – stehen Durstige dort vor der Tür des ebenfalls unter die Haut gehenden Black & White.

„Wir wissen von nichts und es kam bisher auch niemand vorbei, der seine Wasserflasche bei uns auffüllen wollte“, berichtet Inhaber Xhelal Berisha. „Aber wenn uns jemand fragt, bekommt er natürlich bei uns Leitungswasser“, sagt er und lacht.

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