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Geschlossene Gesellschaft

Restaurant Cilantro in Karlsruhe: Im Schaufenster treffen sich Bürgermeister und Diktatoren

In Jean-Paul Sartres gleichnamigem Theaterstück ist die „Geschlossene Gesellschaft“ ein Symbol für die Hölle. Beim Karlsruher Kulturbistro Cilantro am Lidellplatz ist es der Titel einer ungewöhnlichen Ausstellung mit prominenten Pappkameraden. Was steckt hinter dem Projekt?

Göttlicher Beistand: Küchenchef Jorge Sotomayor vom Bistro Cilantro mit einer Pappfigur von Papst Franziskus. Foto: Ekart Kinkel

Wo speist Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un, wo sitzt Queen Elizabeth mit Karl Marx am Tisch und wo genehmigt sich Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup einen Drink mit dem langjährigen chilenischen Diktator Augusto Pinochet? Im Künstler-Lokal Cilantro Bistro del Arte am Lidellplatz, lautet die Antwort. Dort hat Küchenchef Jorge Pinto Sotomayor unter dem Motto „Geschlossene Gesellschaft“ zahlreiche Pappfiguren mit den Konterfeis von Persönlichkeiten aus der Zeitgeschichte an den kleinen Tischen platziert. „So ist hier endlich wieder mal etwas los“, sagt der Bistro-Betreiber mit einem Schmunzeln.

OB Frank Mentrup mit Diktator Pinochet Foto: Ekart Kinkel

Der Verweis auf das gleichnamige Theaterstück von Jean-Paul Sartre beim Titel des Kunstprojekts ist dabei ebenso gewollt wie die Unterhaltung der Betrachter durch Platzierung von vollkommen gegensätzlichen Menschen an einem Tisch. Und Kombinationsmöglichkeiten gibt es zur Genüge. Papst Franziskus ist außer den bereits Genannten ebenso Teil der illustren Gesellschaft wie Josef Stalin und Fidel Castro.

Emotionaler Facebook-Post

Komplett geschlossen ist das Bistro, in dem regelmäßig Kunstausstellungen stattfinden, während des Lockdowns allerdings nicht. Gerichte können im Cilantro wie bei vielen anderen Gaststätten bestellt und abgeholt werden. Und wie während des normalen Betriebs kredenzt der Küchenchef seinen Gästen frisch zubereitete Spezialitäten aus der chilenischen und peruanischen Küche. „Aber es ist einfach nicht dasselbe“, betont Sotomayor.

Diktator im Vordergrund Foto: Ekart Kinkel

Bereits Ende März machte er mit folgendem emotionalen Facebook-Post sein Seelenleben öffentlich. „Wir vermissen unsere Gäste, das gemeinsame Schwelgen über Essen und den Austausch über wichtige Dinge im Leben. Es ist still im Cilantro. Zu still. Die Motivation fällt, wie bei so vielen, immer schwerer. Jede Woche das Hoffen, dass wir nun doch wieder aufmachen dürfen. Wann es wieder losgeht, weiß keiner. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr dürfen wir seit November wieder keine Gäste bei uns bewirten. Das Einstellen auf immer neue Vorschriften, von Woche zu Woche seit einem Jahr, strengt an. Wir können es uns schon kaum mehr vorstellen, wie sich ein gefülltes Lokal anfühlt. Jorge dreht die Musik laut auf beim Kochen, mehr nicht. Wir vermissen euch.“

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