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Theaterbau in Karlsruhe

Sanierung und Neubau des Badischen Staatstheaters könnten 200 Millionen Euro mehr kosten als gedacht

Bisher wurden die Kosten für Sanierung und Neubau am Badischen Staatstheater immer wieder nach oben korrigiert: Von 125 auf 325 und zuletzt auf 500 Millionen Euro. Kommunalpolitiker fürchten, dass jetzt der nächste happige Batzen oben drauf kommt.

Die Vorarbeiten laufen: Am Badischen Staatstheater wird aktuell der provisorische Zugang errichtet. Im Sommer sollen den Plänen zufolge das Kleine Haus und das Kassenfoyer abgerissen werden. Foto: Jörg Donecker

Bei Großprojekten scheint es ein Naturgesetz zu sein: Die Kosten steigen Stufe um Stufe – und das oft drastisch. Einen neuen Preissprung fürchten nun Karlsruher Kommunalpolitiker auch bei den umfangreichen Sanierungs- und Neubauarbeiten am Badischen Staatstheater – weshalb Teile des Gemeinderats das Projekt nochmals grundsätzlich auf den Prüfstand stellen wollen.

Während am Theater bereits Vorarbeiten laufen und der provisorische Zugang Gestalt annimmt, gibt es bei der Kostenfrage bis heute Fragezeichen. Klar ist, dass die Pläne nicht mit den 500 Millionen Euro umsetzbar sind, die Stadt und Land zuletzt nannten.

Nach Angaben des Stuttgarter Finanzministeriums sind in der halben Milliarde nämlich unter anderem Kosten für die künftige Gestaltung des Vorplatzes und die Übergangsspielstätte nicht enthalten. Bei letzterer ist bis heute unklar, wie ab 2029 die Interimslösung für das dann nicht mehr nutzbare Große Haus aussehen wird: Soll es ein Zirkuszelt sein? Oder eine Halle im Rheinhafen?

Stadtrat sieht keine Begründung für Kostensprung

Auch wenn Antworten fehlen, nennt Stadtrat Friedemann Kalmbach eine neue Zahl: Mit Bezug auf einen Freund, der Interna kenne, spricht er von 700 Millionen Euro Gesamtkosten. Und zu dieser Summe sage seine aus Freien Wählern und der Gruppierung Für Karlsruhe bestehende Fraktion Nein. „Uns wurde nie eine gescheite Planung vorgelegt“, kritisiert der Stadtrat. Es gebe bis heute keine schlüssige Begründung, warum im Lauf der Jahre die Kosten von 125 auf 325 und zuletzt auf 500 Millionen Euro korrigiert wurden.

Stadt und Land teilten im Sommer 2020 mit, dass man sich 2018 entschied, das Ingenieurbüro für Heizung, Kühlung, Lüftung, Sanitär und Feuerlöschanlagen zu wechseln. „Daraus und aus einer größeren Planungstiefe ergaben sich teils Änderungen und insgesamt eine zeitliche Verzögerung um zwei Jahre. Die Mehrkosten für die doppelte Planung, die geänderten Planungen und die zwischenzeitlich höher angesetzten Baunebenkosten summieren sich auf rund 51 Millionen Euro.

Die zeitliche Verschiebung hat bereits rund 35 Millionen Euro zusätzliche Kosten verursacht“, erklären die Partner, die jeweils die Hälfte der Kosten stemmen. Hinzu kamen ein Risikozuschlag und Baupreissteigerungen, womit man bei 500 Millionen Euro landete – eine weitere Unsicherheit inklusive. Der Baukostenindex ist für zehn Jahre kalkuliert, die Bauzeit aber mit zwölf Jahren angegeben. Es drohen also auch hier Mehrkosten.

Im Mai wird im Gemeinderat erneut debattiert

„700 Millionen Euro sind für uns nicht vorstellbar“, macht indessen Zoe Mayer von den Grünen klar. Die Chefin der größten Fraktion im Gemeinderat sagt: „Wir müssen ganz grundsätzlich nachdenken, ob das überhaupt bezahlbar ist.“ Ein weiteres Millionengrab dürfe es nicht geben, auch wenn nichts zu machen keine Option sei.

Tatsächlich besteht Handlungsbedarf mit Blick auf den Arbeits- und Brandschutz, betont Kulturbürgermeister Albert Käuflein. „Das duldet keinen langen Aufschub.“ Er versteht die Sorgen der Stadträte. Und auch den Wunsch nach Kostendeckelung. „Aber was, wenn dieser Deckel am Ende nicht funktioniert“, gibt Käuflein zu bedenken.

Voraussichtlich im Mai wird im Gemeinderat erneut über das Bauprojekt debattiert. Kalmbach will bis dahin von der Stadt berechnet haben, was alternativ ein Theaterneubau an gleicher Stelle kosten würde. Er sagt: „Ich will Ehrlichkeit bei den Kosten und nicht hinterher eine Erklärung, warum es teurer wurde.“ Transparenz sei jetzt gefragt.

Die wünscht sich auch Detlef Hofmann von der CDU: „Bevor es weitergeht, müssen wir wissen, wie das Projekt finanziert wird.“ Hofmann erklärt: „Es kann nicht sein, dass Fakten geschaffen werden und wir dann nicht mehr aus der Nummer rauskommen.“ Die CDU-Fraktion stehe zum Theater – aber nicht um jeden Preis.

Warten auf neue Zahlen

Kalmbach überlegt bereits, wo man sparen könnte, wenn doch an der Kombi Sanierung und Neubau festgehalten wird. Eine teure Videoleinwand fällt ihm etwa ein. Zoe Mayer erwägt, die Interimslösung eine Nummer kleiner ausfallen zu lassen. Und Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste lenkt den Blick auf die geplante Metallnetz-Einhüllung des Baus: „Wir müssen tabufrei checken, ob es jede preisgekrönte Ausführung und architektonische Perfektion braucht.“

An der Funktionsfähigkeit will seine Fraktion jedoch auf keinen Fall sparen. „Wir wollen einen städtebaulichen Akzent setzen“, so Cramer. Parsa Marvi von der SPD versichert: „Wir möchten keine Bausteine rausbrechen.“ Gleichwohl seien 500 Millionen Euro viel Geld. Nun warte man darauf, dass man neue Zahlen bekommt – als Basis für weitere Entscheidungen.

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